Sonntags morgens beim Bäcker

Jeden Sonntagmorgen spaziere ich zum Bäcker. Schon nett, dass es dort ab 8.00 Uhr frische Brötchen gibt. Ist auch nicht weit, gleich um die Ecke. Was mir auffällt, sind die vielen Autos, die dort auf dem Bürgersteig parken. Heraus steigen ältere Herren in Jogginghosen, mehr oder weniger sportlich. Sie holen wie ich Brötchen. Heute war es besonders voll auf der Straße, daher fiel es mir noch mehr auf.

Man könnte auch mit dem Rad kommen, muss ja nicht jeder laufen (was ich vermutlich auch nur deshalb tue, weil ich mit Hund unterwegs bin!), denke ich. Dass der Weg zu weit ist, kann eigentlich nicht sein – die Abdeckung mit Bäckerei-Filialen in dieser Gegend ist hoch, ich vermute, die Entfernung von einer zur nächsten ist im Schnitt unter einem Kilometer. Am Wetter kann es heute auch nicht gelegen haben. Es regnet ausnahmsweise grade mal nicht.

Aber vielleicht tue ich den Jogging-Hosen-Trägern auch unrecht und sie kommen wirklich von weit her. Aber irgendwie bin ich skeptisch…

Au weiah…

Ein Anruf. Einer von vielen an diesem Tag. Am Ende die Frage: „Wie sieht es denn mit morgen Nachmittag um 16.00 Uhr aus?“
Ich überlege, mir fällt nichts ein, was dagegen spricht, aber ich bin nicht sicher. Ich suche auf dem Schreibtisch nach meinem Handy. Eben war es noch da. Aber bei dem Papierkram kann es schon mal vorkommen, dass es verdeckt irgendwo herumliegt. Aber nichts. Das kann doch nicht sein. Ich fluche: „Mist, ich finde mein Handy nicht. Eben hatte ich es noch!“

Lachen am anderen Ende: „Telefonierst du zufällig grade damit?“ Auweiah…

Einfach zu erreichen

Anruf bei der Versicherung unter der Nummer, die die Sachbearbeiterin im Briefkopf angegeben hat. Per Tastendruck durch die Ansagen manövriert. Am Ende: Besetzt. Später versucht. Wieder besetzt. Nächster Tag. Das gleiche Spiel.

Im Internet nachgeschaut und eine andere Nummer gefunden. Die Sachbearbeiterin erreicht. Auf das Problem angesprochen. Antwort: „Das stimmt, bei der Nummer im Brief passiert das immer, da dürfen Sie nicht anrufen. Sie müssen die Nummer im Internet nutzen.“

Beeindruckende Welt der Kundenkommunikation. Wie heißt der Fachbegriff? Customer Relationship Management – CRM. Eine Erfindung der Informationsverarbeitungsexperten. Funktioniert erstaunlich gut.

Eingemauert

Kennt Ihr das? Man spaziert abends durch die Straßen und schaut in hell erleuchtete Räume, in denen Menschen am Tisch sitzen, in der Küche werkeln oder am Schreibtisch arbeiten. Schön, oder? Leider sehr selten.

IMG_1998In der Wirtschaftswoche 3/2016 habe ich einen Artikel über Wohnquartiere gelesen, die von der Außenwelt abgeschirm, mit Toren und Wachposten versehen werden. Um die Bewohner von Armut und Neid abzugrenzen. Natürlich vor allem, um sich sicherer zu fühlen.

Gruselig, oder? Allerdings bin ich anschließend durch unseren friedlichen Ort geradelt und habe IMG_1997mit ähnlichem Gruseln festgestellt, wie viele Menschen hohe Hecken und unfassbar hässliche Mauern um ihr winziges Grundstück errichtet haben. Ist das Motiv ähnlich? Oder leben wir nach wie vor in Höhlen, Ritterburgen und Festungen?

Und selbst dort, wo keine Mauern den Blick versperren, verhindern Jalousien, Gardinen und anderer Blickschutz die Sicht in Häuser und WohnunIMG_1995gen. Genau das habe ich in Holland oft ganz anders erlebt. Da hat man zum Teil einen Blick durch das ganze Haus bis in den Garten.

Ich hoffe, bei NaWoDo wird das ähnlich…

 

Facebook und der Hirtenjunge

Es war einmal ein Hirtenjunge, der Langeweile hatte und aus Spaß „Wolf“ brüllte. Anfangs glaubten ihm alle und rannten herbei, beim dritten Mal kam keiner mehr und der Wolf friaß seine Schafe. So könnte es den sozialen Medien irgendwann ergehen, fiel mir heute ein. Dort werden nach meinem Eindruck immer häufiger Geschichten verbreitet, die sich bei näherer Überprüfung als uralte Meldungen herausstellen, auf dubiosen Quellen basieren oder schlicht erfunden sind.

Meine Hypothese ist, dass es den sozialen Medien so ähnlich ergehen wird wie dem Hirtenjungen. Warum sollte ich die Geschichte von dem Gammelflsich bei McDonalds, den Gewalttaten in einem Park, dem Überfall ausländischer Männer auf ein Auto in Dormagen in Zukunft überhaupt noch Beachtung schenken, wenn ich von vornherein vermute, dass nichts davon stimmt.

Das ist schon bitter: Da werden die klassische Presse und seriöse Journalisten der Lüge bezichtigt, und auf Facebook kann jeder Verrückte, ob harmlos oder gefährlich, ungeprüft alles verbreiten, was ihm so in den Sinn kommt, und die Leute teilen und liken es.

Könnte sein, dass Facebook und Co. eines Tages reine Unterhaltungsplattformen sind, die man zum Spaß besucht und sich darüber amüsiert, was für ein Blödsinn dort erscheint. Und wenn auch das langweilig geworden ist, sich ganz verabschiedet. Ich hätte nichts dagegen und bin selbst fast so weit…

Aufräumen

Seit Wochen ist Aufräumen angesagt. Was sich so alles in einem Haus ansammelt, ist schon unglaublich. Aber wegwerfen? Was nur? Eine gute Spielregel wäre: Alles, was man morgen nachkaufen würde, wenn es geklaut würde. Ein feiner Satz aus eine Liste von 66 Dingen, die du jetzt sofort wegwerfen solltest, gefunden bei den Krautreportern. Darauf stehen erschütternd viele Sachen, die sich tatsächlich in meinen Schränken, Regalen, Garage oder Keller stapeln. Zum Beispiel jede Menge Drucker- und Computerkabel. Nee, ne…

Missachteter Weihnachtsbaum

Tanne Heute Morgen beim Spaziergang musste ich etlichen ausrangierten Weihnachtsbäumen ausweichen. Sie werden abgeholt, die Pracht währte kurz, jetzt liegt alles voller Nadeln. Einer allerdings gab ein ganz trauriges Bild ab: Originalverpackt lag er auf dem Gehweg. Da setzt die Fantasie ein. Dass ihn jemand nach Gebrauch wieder eingewickelt hat, ist eher unwahrscheinlich. Warum wurde er nicht aufgestellt und geschmückt? Einfach vergessen? Zu groß oder zu klein gekauft und einem anderen Platz gemacht? Streit in der Familie und Weihnachten ist flach gefallen? Könnte natürlich auch noch trauriger sein, dass einfach niemand da war zum Feiern, aus welchem Grund auch immer.

Man könnte eine Geschichte daraus machen mit dem Ende, dass ein Weihnachtsbaum sauber verpackt zum Abholen auf der Straße liegt.

Bücher in die Tonne

Es gut weh, Bücher wegzuwerfen. Ich ziehe sie aus dem Regal, drehe sie mehrmals in der Hand und stelle sie oft genug wieder zurück. Ich weiß, dass ich sie nicht noch einmal lesen werde. Aber mit vielen besteht eine Verbindung. Seltsam – manchmal weiß ich nicht einmal, worum es in dem Buch ging. Aber ein GBuchtonneefühl stellt sich ein, und das ist entweder angenehm, wehmütig, aufgeregt, freudig oder auch traurig. Bücher sind offenbar ein Verbindungsstück zur eigenen Vergangenheit, auch wenn sie nur bedrucktes Papier darstellen.

Einen materiellen Wert haben die meisten nicht mehr. Es ist unglaublich – viele von ihnen, die ich mal verschlungen habe, sind bei Amazon gebraucht für einen Cent zu kaufen. Auch wenn es albern ist: Mir ist es lieber, ich verkaufe sie für ein paar Cent als dass ich sie wegwerfe. Aber will sie jemand? Geschenkt?

Heute habe ich ganze Regale im Büro ausgeräumt. Witzig: Selbst an alten Fachbüchern hänge ich, zumindest an jenen, die mich einmal beeindruckt haben. Das meiste wanderte am Ende in die Tonne, und von Kiste zu Kiste wurde es leichter…

Erinnerungen

ErinnerungenIst es nicht verrückt, wie sehr wir manchmal an kleinen Gegenständen hängen? Wie schwer wir uns tun, uns von ihnen zu trennen? Beim Abschmücken nach Weihnachten fällt mir das besonders auf. An wie vielen Kugeln, selbst gebastelten Sternen, aber auch an gekauftem Weihnachtskitsch irgendeine Erinnerung hängt. Meist weiß ich noch nicht mal, welche das ist. Es ist mehr das Gefühl einer Erinnerung… an Kindheit, glückliche, traurige Momente…
Und wenn man sich von ihnen, diesen leblosen kleinen Sachen, trennt, ist es, als ob man damit auch die Erinnerungen auslöscht. Ist das so?