Noch ne Generation

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Fotografie: Claudia Griebl

Schon wieder was dazugelernt. In der Wirtschaftswoche erklärt uns Prof. Christian Scholz, dass die „These von demokratisierenden Prozessen, die durch das Internet ausgelöst werden, in die Welt der Märchen“ gehört. Wieso?

Einmal wird die Idee von der Demokratisierung der Wirtschaft interessanter Weise von jenen erhoben, die zu den Babyboomern gehören und inzwischen pensioniert sind. In der Tat ist das lustig: Thomas Sattelberger zieht durch die Lande und fordert mehr Demokratie in den Unternehmen. Hätte er doch, so Scholz, in all den Jahren in verantwortlicher (Personal)Funktion prima vorantreiben können. Stattdessen kommt er jetzt damit um die Ecke und fordert von anderen, Menschen mehr Entscheidungsspielräume einzuräumen und Verantwortung zu übertragen. Das ist weitaus einfacher als es selbst umzusetzen. Wohl wahr….

Außerdem, so Scholz, will die Generation, für die das angeblich so wichtig ist, dies gar nicht. Die Generation Z (huch, ich dachte, wir wären erst bei der Generation Y?) möchte zwar viel mitreden, aber sie will gar keine Verantwortung übernehmen. Sie ist nämlich ganz auf sich selbst fokussiert, orientiert sich nur an den Gleichaltrigen und möchte am liebsten unter sich bleiben. Das Internet nutzt sie vor allem, um mit ihresgleichen zu kommunizieren, ansonsten ist ihr egal, was auf der Welt passiert.

Uff. Es gibt also eine neue Generation, die Generation Z. Das ist jetzt richtig blöd, weil das Alphabet hier endet – zumindest im englischsprachigen Raum. Wir Deutschen könnten ja noch mit Ä, Ö und Ü aufwarten. Aber vielleicht könnte man ja auch mit dem Markteintritt der nächsten iPhone-Variante jeweils eine neue Generation ausrufen. Man muss nur schnell sein, um sich rühmen zu können, diese neue Spezies „erfunden“ zu haben.

Und wie ist das mit der Demokratisierung? Ich war angesichts der Behauptung, die jungen Leute würden sich viel mehr Freiheit wünschen und daher müssten die Unternehmen umdenken, von Anfang an skeptisch. Ich glaube, dieser Wunsch hat gar nichts mit Generationen zu tun, sondern ist eher ein Grundbedürfnis der Menschen, eben auch der Babybommer, Golfer oder X oder wie auch immer zu sein. Und wie schon zu allen Generationen gibt es diejenigen, die etwas abgeben müssen, wenn Menschen selbst aktiv werden, was nun mal nicht leicht fällt. So wie der Adel seine Probleme bekam, als die Menschen lernten zu lesen. Insofern könnte das Internet in der Tat gravierende Veränderungen auslösen.

Was die Generation Z oder Y oder Ä betrifft: Das Geheule um die böse Jugend, die ach so egoistisch und selbstbezogen ist, nervt. Egal, von wem es kommt.

Quelle:
Ohne Wirt und Gast, Wirtschaftswoche 12/2015

Ein Gedanke zu „Noch ne Generation

  1. jt Artikelautor

    Na sieh mal an, grade erst gefunden. Aufgepasst, wenn man einen Beitrag von Herrn Scholz kritisiert – dann betreibt man einen „Management-Blog“ von der Art, die „es bei der Egozentrik viel weiter treiben und alles gnadenlos verdammen, was nicht 100% ins eigene Denkraster passt.“
    Wenn das mal eine „richtige intellektuelle Auseinandersetzung“ ist…
    http://die-generation-z.de/?p=1939

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