Bewusst oder unbewusst wählt der Autor des hier besprochenen Buches einen sehr selbstbewussten Einstieg: Klaus Zink, BWL-Professor an der TU Kaiserslautern, zitiert nämlich schon auf Seite 2 eine Analyse der wissenschaftlichen Literatur, wonach allein im Zeitraum zwischen 2000-2006 rund 60 Publikationen zum kombinierten Thema "Partizipation & Change Management" veröffentlicht wurden sowie stattliche 2000+ allein zum Thema "Partizipation". Außerdem ist die Tendenz dazu seit 1980 eindeutig steigend.
So mag sich der geneigte Leser wie der Rezensent fragen, worin bei einer solchen inflationären Publikationsdichte zu diesem Themenbereich denn der besondere Mehrwert des hier vorgelegten Buches bestehen mag. Doch eine explizite Begründung erfolgt dazu nicht. Vielmehr bemüht sich der Verfasser zum Einstieg um Begriffsklärungen zu "Partizipation im organisationalen Kontext und referiert danach "Kontinuierliche Verbesserungs- (KVP) und Großgruppen-Projekte (Teamarbeit, Open Space, Zukunftskonferenz etc.). In der Folge wird viel Lehrbuch-Wissen zum Thema "Projektmanagement" wiedergegeben, dabei mit besonderem Schwerpunkt auf Mitarbeiter-Beteiligung. Dazu ist – wie im anschließenden Kapitel ausgeführt – die Qualifizierung aller Beteiligten unverzichtbar. Hierbei und in der Folge werden akademisch-abstrakt viele Grundlagen und zum Teil erstaunlich schlichte Wahrheiten vermittelt, wie etwa auf Seite 149 ein Beispiel für eine Strichliste (die sich ja bekanntlich schon seit der Erfindung des Bierdeckels etabliert hat). Auch die Unterschiede zwischen Balken-, Kreis- und Verlaufsdiagramm dürften jedem Excel-Anwender hinlänglich bekannt sein und bedürfen daher nicht unbedingt einer erneuten Wiederholung.
Insgesamt konzentriert sich auch in der Folge die gesamte Darstellung auf eine theoretische, dabei aber akademisch-präzise Beschreibung eines idealen Projektmanagements mit diversen Tools und Visualisierungsmöglichkeiten. Der Autor bemüht sich an verschiedenen Stellen – insbesondere im gesamten letzten Abschnitt - , die eher trockene Materie durch Beispiele und Fallstudien zu vermitteln. Doch bedauerlicherweise bleiben selbst diese Teile zum Teil "namenlos", dabei sehr abstrakt und wenig "lebhaft". Dies mag neben dem sehr nüchternen Seitenlayout auch daran liegen, dass auf eine direkte oder indirekte Ansprache des Lesers konsequent verzichtet und nur rein deskriptiv berichtet wird. Ebenso tritt der Autor als Person, zum Beispiel über seine persönliche Lebenserfahrung im Rahmen von Veränderungsprojekten, keineswegs in Erscheinung. All dies erfordert vom Leser ein hohes Maß an intrinsischer Motivation, sich mit dem Text ausgiebig zu befassen und nicht in einen interessierten "Weiterblätter-Modus" zu verfallen. So werden akademisch "gestählte" Leser in dem Buch zu den tiefer behandelten Themata "Veränderungsmanagement", "Mitarbeiterbeteiligung" und "Projektmanagement" sicherlich wertvollen Inhalt finden. Der Rezensent ringt aber auch gegen Ende noch mit der Frage, ob vor dem anfänglich zitierten Hintergrund einer Fülle an Veröffentlichungen zu diesem Thema nicht auf dieses Buch vergleichsweise leichter Hand verzichtet werden könnte…
(MWonline zur Verfügung gestellt von Prof. Klaus Stulle )