Der Klappentext kündigt dem Leser einen Ratgeber sowohl für Führungskräfte als auch praktizierende Coaches mit Anregungen für die tägliche Praxis an. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt des mit 129 Seiten in einer Stunde lesbaren Buchs eher auf den Themen "Auswahl und Qualitätskriterien von Coaches". Die diesbezügliche Kernaussage ist vor dem Hintergrund des Autoren dann auch naheliegend: "Wer auf Qualität Wert legt, lässt sich vom dvct zertifizieren!"
Die ersten 50 Seiten befassen sich mit allgemeiner Begriffsklärung. Was ist Coaching? Wann ist Coaching sinnvoll? In welche Bestandteile gliedert sich der Coaching-Prozess? Der potenzielle Neukunde erhält hier einen verständlichen ersten Einblick, was ihn bei einem Coaching erwartet, der praktizierende Coach wird wenig Neues finden.
Der zweite, vorwiegend praktisch orientierte Teil, will das Vorgehen professioneller Coaches erläutern. Zunächst werden hier grundlegende Ansätze wie NLP oder Transaktionsanalyse in einer verständlichen, aber mit jeweils ein bis zwei Seiten Umfang recht knappen Definition vorgestellt. Das Thema Ethik im Coaching ist dem Autor wichtig, er spricht es hier und auch wiederholt an anderer Stelle an. Ehrlichkeit, Diskretion und die Einstellung, kompetenzüberschreitende Aufträge abzusagen, stellt er als wichtige Charaktereigenschaften zu recht in den Vordergrund. Auf den nächsten 20 Seiten folgt der eigentliche Praxisteil, was Arbeitsmethoden und Werkzeuge des Coaching betrifft. Hier gibt es für Praktiker die ein oder andere Anregung aber auch viel Grundsätzliches und damit vielen Coaches grundsätzlich Bekanntes.
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Im Arbeitsmethodenteil werden auf jeweils maximal einer Seite beispielsweise Fragetechniken, Visualisierung, aktives Zuhören oder Rollespiele als Methode angerissen. Das Kapitel "Werkzeuge" stellt, ebenfalls jeweils auf einer Seite, Kreativitätsmethoden wie "Disney-Strategie" oder Analyseverfahren wie "Struktogramm" oder "Egogramm" vor.
Das letzte Drittel des Buchs beschäftigt sich nochmals ausführlich mit Qualitätskriterien und Anlässen für Coaching, die teils bereits im ersten Teil kurz angesprochen wurden. Eine Infobox "Qualitätsmerkmale" fasst hier allgemeine Anforderungskriterien wie analytische Fähigkeiten, gute Ausbildung, gutes Auftreten oder Führungserfahrung zusammen. Coaching-Kompetenzen gliedert Nowotny in die vier Bereiche fachlich, sozial, persönlich und ethisch. Unter letzterer ist auch wieder der Punkt unabhängige Zertifizierung zu finden Der Folgeabschnitt beschäftigt sich dann auch genauer mit den Vorraussetzungen, Nutzen, Ablauf und Inhalt einer solchen Zertifizierung am Beispiel des dvct. So können sich hier Menschen ab 30 mit einer Coaching oder Methodenausbildung, die fünf Jahre Praxis (oder, was hier als gleichwertig betrachtet wird) Uni oder FH-Abschluss haben, zertifizieren lassen.
Der letzte Abschnitt befasst sich mit der Einführung von Coaching im Unternehmen. Führungskräfte sollten zunächst eine Coachingausbildung durchlaufen. Allerdings erfolgt sogleich der Einwand, dass Offenheit gegenüber der Führungskraft nur in den seltensten Fällen erwartet werden könne. Also doch lieber gleich einen externen Coach nehmen (natürlich zertifiziert vom dvct). Zum Schluss dieses Kapitels gibt es noch eine Checkliste für Führungskräfte bezüglich ihrer Coaching-Fähigkeiten. Sätze zum ankreuzen wie: "Ich weiß, dass Arbeit entweder Spaß oder krank macht", "Ich fordere und fördere Mitarbeiter", "Mein Terminkalender...hat Raum für wichtige Mitarbeitergespräche" erinnern die Rezensentin allerdings stark an Psychotests einschlägiger Frauenzeitschriften. Die abschließende Übersicht zum Thema Finanzierung vermittelt einen ersten Einblick in Honorarhöhen und Fördermöglichkeiten.
Der bereits im Klappentext angekündigte Serviceteil im Anhang gibt Auskunft über Berufsverbände und Zertifizierungsanbieter. Hier werden auf jeweils einer Seite beispielsweise die Zertifizierer dvct, ICF, ProC und DIN Certo dargestellt. Hintergrundinformationen und Preisangaben empfiehlt die Rezensentin auf den jeweiligen Internetseitenselbst zu recherchieren, da die Informationsdarstellung bzw. Auswahl hier an einigen Stellen recht subjektiv zugunsten des dvct erfolgt.
Fazit: Insgesamt gibt "Praxiswissen Coaching" für interessierte Kunden und Laien eine verständliche Übersicht zum Thema Coaching. Für Coaches und Praktiker mit Background bleibt es entgegen den Erwartungen recht pauschal. Vordergründig Sachbuch, enthält "Praxiswissen Coaching" auch eine eindeutige Werbebotschaft.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Melanie Cordini)