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  Buchbesprechung


Menschenschinder oder Manager
Psychopathen bei der Arbeit

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Babiak, Paul / Hare, Robert D.
1. Aufl. (2007)
Hanser Wirtschaft, ISBN: 3446409920


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Psychopathie, Personalauswahl, Personalentwicklung

Autor(en):
Organisationspsychologe / Psychologie-Professor

Themenliste Literatur
Potenzialanalyse   "Der richtige Mann am richtigen Ort" lautet das Ziel eines jeden diagnostischen Verfahrens. Hier gibt es Bücher, die sich mit dem Versuch beschäftigen, Potenzial zu erfassen und zu bewerten.

Wenn von Psychopathen die Rede ist, dann denken wir an Hitchcocks Film Psycho oder an Hannibal Lecter in Schweigen der Lämmer. Hierzulande ist das Wort "Psychopath" negativ besetzt und wird deshalb durch die Bezeichnung "abnorme Persönlichkeit" ersetzt. Im angloamerikanischen Sprachraum spricht man von "psychopathic personality", was so viel wie "antisoziale Psychopathie" bedeutet. Die beiden Autoren Paul Babiak, Organisationspsychologe, und sein Lehrer, der Psychologie-Professor und FBI-Berater Robert D. Hare, definieren Psychopathie so:

"Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch die Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensnormen beschreiben lässt .... Psychopathen haben kein Gewissen und sind unfähig zu Empathie, Schuldgefühlen und Loyalität gegenüber anderen."

Psychopathie sei eine narzistische Persönlichkeitsstörung, die die Betroffenen nicht automatisch zu Verbrechern mache. Schuld- und Reuegefühle seien ihnen fremd, bei Dingen, die schief gelaufen sind, stehlen sie sich aus der Verantwortung. Außerdem besäßen sie gute kommunikative Fähigkeiten und wären hervorragende "Eindrucks-Manager" (die unglückliche Eindeutschung von "Impression Management". Gemeint ist die Selbstinszenierung, was noch nichts Pathologisches hat).

In diesem Buch wird vieles wiederholt, was dem Lesefluss nicht förderlich ist. Beispiel "Empathie": Es ist die Rede davon, dass es Psychopathen an Empathie fehle, später im Text wird der Punkt noch einmal aufgegriffen, um in einem ausladenden Stil darzustellen, dass es die Gefühlsarmut und die Unfähigkeit bei Psychopathen sei, die Gefühle anderer zu verstehen. Der Mitautor Hare stellt langatmig ein von ihm selbst entwickeltes Modell zur Persönlichkeitsanalyse von Psychopathen vor: Psychopathic Checklist, Screening Version (PLC:SV). Bei diesem Modell werden vier Schlüsselfaktoren (Bereiche) untersucht:
  • Der interpersonale Bereich: Hier wird beschrieben, wie sich Psychopathen anderen präsentieren.
  • Der affektive Bereich: Dazu gehört, was Psychopathen emotional empfinden.
  • Der Lebensstil-Bereich umfasst ihr Leben in der Gesellschaft.
  • Der antisoziale Bereich: Hier wird die Neigung zu entsprechendem Verhalten untersucht.
Die Informationen werden durch Gespräche ermittelt, die Beurteilung wird nach dem PCL-SV-Manual vorgenommen. Ein sehr aufwendiges Verfahren, das für die Praxis (z.B. Personalauswahl) ungeeignet ist!. Das Buch ist so gegliedert, dass neben den wortreichen theoretischen Erläuterungen ein "Drama" in fünf Akten erzählt wird, und zwar in einem Smalltalk-Prosastil, der sehr ermüdend ist. Es werden in epischer Breite Betrugsfälle von Psychopathen erzählt, was vom Leser ein beträchtliches Durchhaltevermögen erfordert. Doch es gibt eine kurze Passage, die das Einschlafen verhindert. Es gibt psychopathische Straftäter, die vor Gericht Reue zeigen mit der religiösen Masche:

Angeklagter: Ich habe Christus gefunden.
Staatsanwältin: Herzlichen Glückwunsch! Dann kommen Sie in den Himmel. Aber jetzt kommen Sie erst mal ins Gefängnis.

Der Hauptdarsteller in diesem Drama in fünf Akten heißt Dave. Er hat sich bei einer High-Tech-Firma im mittleren Westen der USA beworben. "Er hatte Persönlichkeit, sah gut aus und verfügte offenbar über großes Fachwissen. Außerdem strahlte er enorme Zuversicht aus." Dave wird John, dem CEO vorgestellt und sofort engagiert, ohne Einverständnis des künftigen Chefs und der Personalabteilung. Ein wichtiges Requisit in diesem Stück ist der Kaffee. Schon im 2. Akt lädt Dave, der Charmeur, eine Kollegin in der Kantine zu einem Kaffee ein. Im 3. Akt trinkt "Dorothey noch einen Schluck und denkt nach". Im 4. Akt nahm Dave seine "Aktentasche und ging direkt in die Kantine. Heute war Dienstag, da gab es besonders guten Kaffee." Und im letzten Akt sagt John, der CEO: "Möchten Sie auch einen Kaffee?"

Wenn die Autoren gute Geschichtenerzähler werden wollen, müssen sie noch üben. Die Geschichte von Dave ist schnell erzählt: Er leitet eine Projektgruppe, es gibt Beschwerden über sein ruppiges und autoritäres Verhalten, und er versucht, seinen Chef hereinzulegen. Für sein Projekt hat er die Idee von einer Kollegin gestohlen und als seine eigene ausgegeben. Sein Chef kommt ihm auf die Schliche und leitet seine Entlassung ein. Doch die Geschichte nimmt eine überraschende Wende: Nicht er, sondern sein Chef wird entlassen. Vorhang zu und alle Fragen offen.

Am Schluss des Buches gibt es Ratschläge, wie man sich als Unternehmen vor Psychopathen schützen kann, vor allem, wie man vermeidet, Psychopathen einzustellen: Man soll möglichst viele Interviewer an der Auswahl beteiligen und die Angaben im Lebenslauf, die Zeugnisse, Diplome und Referenzen auf den Wahrheitsgehalt überprüfen. Doch die Autoren haben selbst Zweifel, ob sie damit einen Bewerber wie Dave aussortieren könnten. Ich bin zuversichtlicher. Mit Augenmaß und professionellen Methoden kann man solche Hoppla-jetzt-komm-ich-Typen verhindern. Und was das Kriterium "Empathie" angeht, kann man das im Interview testen, und zwar nicht nur durch Fragen, sondern durch ein Fallbeispiel oder Rollenspiel: Was tun Sie bei der Einführung der neuen EDV, wenn die Mitarbeiter heftigen Widerstand leisten? Oder wie wäre es mit einem Rollenspiel "Kündigungsgespräch"?

Ich frage mich: Wozu ein solches Buch? Wo ist der Nutzen? Dieses Buch brauchen wir wirklich nicht. Der Hanser-Verlag hat im letzten Jahr ein Buch von Robert Sutton veröffentlicht mit dem Titel: "Der Arschlochfaktor", das sich gut verkauft. Jetzt legt der Verlag nach. Aus Arschlöchern sind Psychopathen geworden. Welches Buch kommt als nächstes, eine Steigerung ist möglich. Vielleicht "Mein Chef – das psychopatische Arschloch"?

(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List )

(letter 27.03.2007)

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wird dem Buch nicht gerecht 

 

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