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Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs |
Gudrun Fey legt eine rund 150-seitige Übersicht vor, wie ihrer Ansicht bzw. Erfahrung nach erfolgreiches Netzwerken gestaltet werden sollte. In insgesamt 14 verschiedenen Kapiteln beschreibt sie u.a., wovon Erfolg im Beruf wirklich abhängt (Kap.1), welche verschiedenen Formen von Netzwerken es gibt (Kap.2), was einen Netzwerk-Typen auszeichnet (Kap.4), dass es praktisch keine Situation gibt, in der Netzwerken nicht möglich ist (Kap.9-11) sowie welche Netzwerke es speziell für Frauen gibt. Im Anschluss finden sich für den Leser / die Leserin eine Adressliste von Netzwerken (mit dem Schwerpunkt auf Netzwerken für Frauen) und einige Literaturhinweise.
Das Buch ist natürlich ein eindringliches Plädoyer dafür, sich umfassend zu vernetzen. Dies gilt laut der Autorin nicht nur für Manager, Selbstständige oder aufstrebende Hochschulabsolventen, sondern praktisch für alle Menschen, da jeder Mensch netzwerkabhängig sei (S. 11). Ein Netzwerk könne – gerade in Zeiten sich lösender familiärer Bindungen - auch Nestwärme bieten, Hilfe in der Not leisten, in gewisser Hinsicht eine Art Altersvorsorge darstellen oder zum teilweisen Familienersatz werden. Diese Sichtweise teile ich persönlich zwar nicht, sie entspricht jedoch dem Grundtenor der Autorin, die den Begriff Netzwerk in einer engen Verknüpfung von Beruf und Privat definiert.
Als anregend empfand ich die Ausführungen der Autorin, dass sich ein guter Netzwerker am Menschen orientiert – in Unterscheidung zu einer Sach- oder Problemorientierung. Für einen guten Netzwerker gibt es nichts Interessanteres und Wertvolleres auf der Welt als Menschen, weshalb er bei sich allen bietenden Gelegenheiten Kontakte knüpft, diese Kontakte ständig pflegt, ein guter Zuhörer ist und im Bedarfsfall gern jedem Unterstützung anbietet. Und was zunächst wie Altruismus klingt, ist in Wahrheit eine Art Egoismus, denn der gute Netzwerker weiß, dass, wenn er "in Vorleistung" gegangen ist, sich diese Vorleistung für ihn irgendwann einmal auszahlen wird. Getreu dem Motto: Ich gebe, damit Du gibst! (S. 14) Kritisch nachzufragen bei diesen Ausführungen ist, ob der "gute Netzwerker" dadurch Abhängigkeitsverhältnisse schafft und somit unterschwellig Druck auf Andere ausübt.
Gudrun Fey fordert den Leser / die Leserin immer wieder auf nachzudenken, was er/sie denn einem Netzwerk bieten könnte, über die beruflichen (Spezial-)Kenntnisse hinausgehend, etwa Kenntnisse aus Hobbys oder persönlichen Interessen. Denn oft ergeben sich Kontakte gerade über nicht-berufliche Themen. Auch die aktive Herstellung und Nutzung von Beziehungen im Sinne von "Vitamin B" stellt die Autorin in ein positives Licht, denn tatsächlich genügt es für eine anzustrebende Karriere nicht, ausschließlich durch beruflich erarbeitete Meriten zu glänzen.
Das umfassendste Kapitel widmet sich der Frage: "Sind Sie ein Netzwerk-Typ"? (S.35-60)
Dieses Kapitel ist eine Mischung aus Kommunikations- und Benimmschulung sowie der Vermittlung von Grundlagen des (persönlichen) Marketings. Hier gibt die Autorin Tipps für die passende Anrede, fordert das Trainieren des aktiven Zuhörens sowie der zur jeweiligen Situation passenden Fragestellung. Sie erläutert, wie Menschen im Allgemeinen vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und welche Unterschiede hierbei bei Männern und Frauen zu beobachten sind.
Die Autorin gibt vielzählige Empfehlungen, wie und wodurch Kontakte hergestellt werden sollten. An dieser Stelle jedoch macht sich bemerkbar, das dieses Buch bereits die 4. Auflage erlebt: Auch wenn diese als "aktualisiert" tituliert wird, erscheinen mir Hinweise auf Visitenkartenpartys oder die Prognose, dass in ein paar Jahren wohl fast Jede/r eine eigene E-Mail-Adresse haben wird, leicht antiquiert.
Umfassend erläutert Gudrun Fey die Sinnhaftigkeit einer Netzwerk-Kartei (S. 75-80). Und zwar tatsächlich als Kartei mit handschriftlich angelegten Karteikarten. Das Ganze – wie in einer Kartei üblich – sehr detailliert eine Karte pro Person mit allen beruflichen und persönlichen Daten bis hin zu Geburtstagen, Hobbys, Lieblingsessen usw. Die Kartei sollte sowohl alle Verwandten enthalten, zu denen sie Kontakt haben oder haben wollen, ebenso sämtliche berufliche Kontakte, aber auch all jene, bei denen sie einkaufen, ihre Ärzte, Gastwirte, Versicherungsvertreter oder Vermögensberater. Ebenso sei das Durchstöbern alter Fotoalben eine Möglichkeit, sich an Menschen, die aus den Augen verloren sind aber für die Kartei wichtig sein könnten, wieder zu erinnern und sie ausfindig zu machen.
Und entsprechend sollte jeder Kontakt mit dieser Person auf der Karteikarte notiert werden mit Datum, worum es im Gespräch ging, was sie ihr schenkten, welche Vorlieben sie bei der Person entdeckt oder was sie bei ihr gekauft haben uvm.
Beim Lesen dieser umfassenden Liste der Netzwerk-Kartei überkam mich die Befürchtung, dass ich – sollte ich mich zu solch einer Kartei und deren fortlaufender Aktualisierung entschließen - kaum mehr Zeit zum Arbeiten hätte. Nichts desto trotz: Auch wenn die Autorin in ihren Formulierungen auf mich den Eindruck erweckte, dass zum erfolgreichen Netzwerken immer gleich die Umsetzung aller ihrer Tipps gehöre, könnte m.E. auch eine abgespeckte Variante solch einer Kartei immer noch sinnvoll sein.
Auf meine innere Abwehrhaltung stößt Gudrun Fey mit ihren Ausführungen bezüglich des "Netzwerkens in der Freizeit" (S. 125-133). Dabei erzeugt ihre Empfehlung, die private Telefonnummer zwecks permanenter Erreichbarkeit für Kunden und Geschäftspartner herauszugeben noch die Kleinste meiner Abwehrhaltungen. Aber mir die Restaurants oder gar den Urlaubsort bzw. -stil danach auszusuchen, wo und wie ich die besten Kontakte für meinen Beruf knüpfen kann, würde für mich den Sinn von Urlaub ins Gegenteil verkehren und hätte auch nichts mehr mit "Frei-Zeit" und Work-Life-Balance zu tun. Andererseits entsprechen diese Empfehlungen wiederum der bereits erwähnten engen Verknüpfung von Beruf und Privat, welche die Autorin in ihrem Buch konsequent durchzieht. Deutlich nachvollziehbarer sind für mich ihre Ideen für erfolgreiches "Netzwerken im Beruf" (S. 110-124): So zählt sie beispielsweise die aktive Mitarbeit in Projekten, den Kontakt zu den Medien oder den Besuch von Fachmessen oder Kongressen als hervorragende Möglichkeiten auf, gezielt Kontakte zu knüpfen und somit den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen.
Denn, so die Autorin, schlussendlich ist ein möglichst hoher Bekanntheitsgrad der wichtigste Karrierefaktor überhaupt und Netzwerke sind in dieser Hinsicht ein Mittel zum Zweck.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Detlef Schmidt )
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(Schmidtcoaching 11.06.2007) |
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