Viele Unternehmen berücksichtigen bei personalpolitischen Maßnahmen und Instrumenten oftmals zu wenig gesellschaftlich relevante Rahmenbedingungen. Dies trifft insbesondere auf das familienfreundliche Personalmanagement zu. Aus diesem Grunde ist es hilfreich und förderlich, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und sich soziologisch und familienpolitisch zu informieren. Dies gelingt ohne jeden Zweifel mit dem vorliegenden Buch.
Anerkannte Fachleute erörtern in sieben Beiträgen Anforderungen an eine familienfreundliche Gesellschaft bzw. an die Familienpolitik, die dieses erreichen soll. Angefangen wird bei der grundsätzlichen Fragestellung, ob das "Modell Familie" zukunftsfähig ist. Unterschiedliche soziologische Positionen werden beleuchtet und ein tief greifender Wandel beschrieben. Über Ziele des Einzelnen, die er zum Beispiel bei der Eheschließung zu realisieren beabsichtigt, bis zu der Individualisierung der Lebenskonzepte und deren Schwierigkeiten in der Umsetzung findet sich ein geeigneter und interessanter Überblick.
Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Vaterrolle. Gesicherte Erkenntnisse über die wichtigen Beiträge, die Väter zur gesunden Entwicklung von Kindern leisten, werden dargestellt. Vaterschaftskonzepte und die dann doch gewählte Umsetzung eines traditionellen Rollenbildes nach der Geburt des ersten Kindes zeigen den Widerspruch, dass die individuellen Konzepte in Deutschland nicht umsetzbar sind. Ein weiterer Artikel befasst sich mit den Veränderungen des familiären Netzwerkes und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Hier werden auch konkrete Anforderungen an die Familienpolitik erörtert.
Dettling beschäftigt sich in einem Artikel mit der Familienkultur. Er beschreibt den Wandel in kulturellen und ökonomischen Verhältnissen und deren Einfluss auf die Familie. Hier ist vor allem die Beschreibung über das herrschende Bild der Familie als Ort der Harmonie und Eintracht (im Gegensatz zur feindlichen Außenwelt) erkenntnisreich. Weiterhin wird sich mit der auch für Unternehmen interessanten Frage auseinandergesetzt, warum eine ökonomische Eigenständigkeit der Frauen gut für die Familien ist.
Konkrete Anforderungen an eine zukünftige Familienpolitik werden in einem weiteren Beitrag diskutiert. Dabei werden sowohl internationale Vergleiche geschildert als auch kulturelle und ökonomische Veränderungen und deren Auswirkungen beschrieben. Für Unternehmen und die Betrachtung des zukünftigen Arbeitsmarktes werden dabei durchaus wichtige Folgerungen abgeleitet: "Während der Übergang von der Industriegesellschaft in die Dienstleistungsgesellschaft noch durch den Rückgriff auf die Humanressourcen der jungen Frauen geleistet werden konnte, sind diese Quellen erschöpft." Interessant sind auch die Betrachtungen zu den eigentlichen Erfordernissen einer veränderten Bildungspolitik und den tatsächlich herrschenden tarifvertraglichen Strukturen, hier speziell im öffentlichen Dienst.
Die kind- und familiengerechte Infrastrukturpolitik steht sodann im Blickfeld. Hierbei werden neben zahlreichen praktischen Hinweisen, wie in Bremen in vielfältiger Kooperation mit Kraft Foods Probleme beseitigt worden sind, sehr klare Worte über eine "strukturelle Kinderunfreundlichkeit in der Gesellschaft" und Anforderungen an eine konkrete Unterstützung der Eltern beschrieben - abgeleitet aus zahlreichen Untersuchungen zu den tatsächlichen Bedürfnissen.
Gewissermaßen als Zusammenfassung werden im abschließenden Beitrag die familienpolitischen Folgerungen erörtert. Dabei bildet die Vereinbarkeitspolitik aus soziologischer und familiepolitischer Sicht einen Schwerpunkt. Für alle, die sich mit Familien, ihrem Wandel und den soziologischen Veränderungsprozessen beschäftigen, ist dies ein hilfreiches Buch. Für Personaler bietet es einen willkommenen und den o.g. oftmals sehr sinnvollen Blick über den Tellerrand – vor allem sinnvoll bei der Bearbeitung des Themas "Familienfreundliches Personalmanagement".
(MWonline zur Verfügung gestellt von Marcus Schmitz )
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