Das Werk von Hanns-Stephan Haas, das als Habilitationsschrift verfasst wurde, befasst sich grundlegend mit dem Verhältnis von Ökonomie und Theologie. Diese Verhältnisbestimmung ist für diakonische und karitative Einrichtungen längst zu einer Überlebensfrage geworden. Subordinationsmodelle lehnt Haas ab, nach denen entweder die Ökonomie sich der Theologie unterzuordnen hat oder die Theologie der Ökonomie Vorgaben macht. Vielmehr ist er auf der Suche nach einem integralen Miteinander, das nicht zuletzt dem Bedürfnis vieler in der Praxis stehender Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen entspricht.
Der Autor sucht die Vermittlung zwischen ökonomischen Notwendigkeiten und theologischen Anliegen in einem ersten Angang auf der Ebene diakonischer Unternehmen, also auf der Ebene von Managementmodellen. Dazu werden zwei Managementschulen ausgewählt und eingehend analysiert: Die St. Galler Managementschule in ihren unterschiedlichen Modellentwicklungen (das St. Galler Management-Modell von Hans Ulrich, das St. Galler Management-Konzept, der St. Galler Management Navigator, das Neue St. Galler Management-Modell) sowie das Freiburger NPO Management Modell. Haas resümiert seinen Forschungsgang in der Feststellung, dass das Neue St. Galler Management-Modell für das Management diakonischer Einrichtungen geeignet ist.
Nun vertieft Haas die Verhältnisbestimmung von Theologie und Ökonomie aus einer wissenschaftstheoretischen, historischen Analyse, in dem er Diskursansätze aus unterschiedlichen Perspektiven aufarbeitet: Im Kontext von Kirche und Theologie, im Spiegel der Volkswirtschaftslehre, im Spiegel der evangelischen Sozial- und Wirtschaftsethik, unter dem besonderen Fokus der Diakonie sowie in einem ausdrücklichen Bezug zu Diakonie-Management-Modellen. Dabei wird deutlich, dass es aus allen Perspektiven Versuche gibt, das Verhältnis zwischen Theologie und Ökonomie zu bestimmen.
Nach dieser grundlegenden Verhältnisbestimmung folgt eine Fallstudie. Am Beispiel der Strategieentwicklung des Kaiserswerther Verbands wird erläutert, wie eine strategische Neuausrichtung eines diakonischen Dachverbandes unter sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aussehen kann.
In einem letzten und abschließenden Schritt gibt der Autor Hinweise, wie der Diskurs zwischen Theologie und Ökonomie weiter vorangebracht werden kann. Grundlage seiner Überlegungen sind systemtheoretische und konstruktivistische Diskurseinsichten. Diese werden aus einer theologischen Perspektive ergänzt, die aus der Weisheitsliteratur entnommenen ist.
Das Werk von Haas gibt einen guten Einblick in die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der St. Galler Management-Schule und öffnet den Blick für eine Verhältnisbestimmung von Theologie und Ökonomie auf der Ebene von Management-Modellen. Ebenso gibt die Fallstudie interessante Einblicke in einen konkreten Strategieentwicklungsprozess eines diakonischen Dachverbands. Neben diesen eher praxisbezogenen Überlegungen liefert Haas eine fundierte Verhältnisbestimmung zwischen Theologie und Ökonomie auf einem hohen Reflexionsniveau. Das Werk ist für alle geeignet, die ein über das Alltagsgeschäft hinaus reichendes Interesse an der Verhältnisbestimmung zwischen Theologie und Ökonomie haben.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Michael Fischer)
|
(Michael Fischer 23.08.2007) |
|