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Beratung |
Alles für Berater und solche, die es werden wollen |
Es handelt sich ganz eindeutig um eine wissenschaftliche Arbeit, die sich zum Ziel gesetzt hat darzustellen, inwieweit die am Beratungsmarkt als systemisch angebotenen Methoden der systemischen Beratung entsprechen. Dabei muss differenziert werden, dass die systemische Beratung unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zugeordnet wird. Ursache für diese Arbeit ist der Trend, dass Beratung in vielseitigen Schattierungen, angereichert von Moden, auf dem Markt existiert. Aus diesem Grund muss sich auch die systemische Beratung neu positionieren, meint der Autor.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, einen theoretischen und einen empirischen Teil in Form von qualitativen Interviews. Der Autor zeigt zuerst die historische Entwicklung der systemischen Theorie auf. Als Basis für seine Arbeit geht der Autor von der Wissenschaftstheorie aus. Kurz und prägnant fasst er hier die wichtigsten Unterkategorien, wie die Erkenntnistheorie und die Methodologie bis hin zum radikalen Strukturalismus zusammen und grenzt sie auf der anderen Seite auch kurz und prägnant ab.
In einem zweiten Schritt beleuchtet er formale Theorien, die er als wichtige Verbindung zwischen Wissenschaftstheorie und gegenstandsbezogenen Theorien sieht, da sie seiner Meinung nach frei von jeder Abhängigkeit zu einem Einzelfall oder einer Spezifizierung von Zeit und Raum sind. Hier fasst er etwas ausführlicher Nik Luhmanns Systemtheorie zusammen.
Bei der Beratungstheorie geht der Autor davon aus, dass keine klar definierte wissenschaftliche Disziplin für Beratung besteht. Die Kompetenz des Beraters besteht darin, dass sich sein Wissen auf das formaltheoretische Fundament der Beratungstheorie bezieht. Er geht aber auch davon aus, dass noch nicht von einer eigenständigen und umfassenden Theorie gesprochen werden kann.
Das Ziel der Beratung sieht der Autor in der Mobilisierung von inneren und äußeren Kräften von Systemen bei der Auseinandersetzung mit Problemen und Veränderungen. Fachwissen, Veränderungstheorien, Organisationstheorien und auch Berater-Know-how sind die wichtigsten Kompetenzfelder. Der zukünftige erfolgreiche Berater muss sowohl die inhaltliche Dimension als auch die Prozesssteuerung professionell beherrschen.
Wichtig bei der systemischen Beratung ist die Neutralität und Externalität. Denn durch die Distanz kann der Berater mehr Alternativlösungen sehen und Handlungsoptionen anbieten als wenn er sich in das Problem stürzt.
Das Handeln der Berater lässt sich in vier Prozessschritte einteilen: Informationen sammeln, Hypothesen bilden, Interventionen planen und intervenieren.
Am Ende werden die Auswirkungen der Intervention beobachtet und reflektiert. Als Technologien eines Beraters beschreibt der Autor die Beobachtung, Hypothesenbildung und verschiedene Formen der Intervention, die er in einem systemischen Kontext beschreibt. Das Sympathische an dem Buch ist, dass es nicht die kritische Seite auslässt. So stellt der Autor fest, dass es durch die historische Entwicklung der systemischen Theorie an Schärfe fehlt und auch die blinde Anwendung der Methoden aus der Familientheorie nicht förderlich ist für eine erfolgreiche systemische Beratung, gibt es doch zahlreiche Unterschiede zwischen Familie und Organisation.
Der Abschluss der Arbeit besteht aus der Auswertung von qualitativen Interviews mit österreichischen systemischen Beratern auf der Grundlage von Hypothesen. Als wichtige Ergebnisse sind festzuhalten, dass die Forderung nach einer Professionalisierung standhält und eine Schärfung der Begrifflichkeiten und dem Finden einer gemeinsamen Sprache stärker nachgegangen werden muss. Darum verwundert es nicht, dass sehr viele unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen für die systemische Beratung genannt werden. Die Beratungsleistung wird oft als "klassische" Organisationsentwicklung verstanden. Die Annahme, dass sich die meisten Berater nur auf ihre Erfahrung verlassen, konnte anhand der Ergebnisse nicht nachvollzogen werden. Die meisten Berater stützen sich auf eine Sammlung gemeinsamer Theorien oder Modelle und reflektieren mit Kollegen, auch wenn angewendete Techniken oft nicht von Theorien hergeleitet sind.
Das Buch gleicht eher einer Zusammenfassung von Wissenserkenntnissen. Es ist wenig argumentativ, dafür aber sehr informativ für Einsteiger. Zeitweise verlässt es auch den Weg der systemischen Beratung und wandelt auf breiteren Pfaden der Beratung, wenn es zum Beispiel um Qualitätskriterien für die Profession und Ausbildung zum Berater geht. Als Einstiegsbuch für systemische Berater oder solche, die es werden wollen, bestimmt gut geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Susanne Kitlinski ) |
(kitlinski 29.08.2007) |
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