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Intuition
Die Weisheit der Gefühle

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Traufetter, Gerald
1. Aufl. (2007)
Rowohlt, ISBN: 349806522X


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Intuition, Gefühle, Empathie, Entscheidungen

Autor(en):
Wissenschaftsredakteur beim SPIEGEL

Themenliste Literatur
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Seit Antonio Damasio Descartes´ Irrtum aufgedeckt hat, ist "Intuition" nicht nur für Esoteriker und Mystiker interessant, sondern auch für die Wissenschaft. Der Autor, Gerald Traufetter, hat sie alle besucht, die Großen der Wissenschaft, die Hirnforscher und Psychologen: Antonio Damasio, Gerd Grigenzer, Gerhard Roth, Paul Ekman und Gary Klein.
Was er zur Einstimmung des Lesers über die Anatomie des Gehirns schreibt oder was sich im Kopf abspielt, wenn wir einen Fehler begehen, ist sehr theoretisch und hört sich für einen Laien doch recht dröge an:

"Im Mittelhirn setzt schlagartig die Produktion von Dopamin aus. Dieses neurochemische Signal überträgt sich in die Basalganglien und damit in das limbische System. Ein Strang geht auch in den anterioren cingulären Cortex ...."

Ich habe das nicht verstanden. Vielleicht ist der Autor auch der Versuchung erlegen, dass er zeigen möchte, dass er das Thema beherrscht. Das hat ein Wissenschaftler wie Gigerenzer ("Bauchentscheidungen") nicht nötig. Doch Traufetter kann auch anders. Er wird schnell anschaulich, bringt gute Beispiele, was Intuition bewirkt. So erzählt ihm ein guter Bekannter von der Wohnungssuche in Amsterdam. Der Bekannte hat sich bei der Besichtigung – es gab sehr viele Interessenten – spontan und intuitiv nach 90 Sekunden entschieden, die Wohnung zu nehmen, was er auch nach zehn Jahren noch nicht bereut hat.
Ich selbst habe mich auch schon einmal spontan entschieden, eine Wohnung zu mieten und damit meine Konkurrenten aus dem Feld geschlagen. Es stellte sich schnell heraus, dass dies ein Fehler war. Die Wohnung war hellhörig und feucht.

Traufetter behauptet nicht, dass er bei Entscheidungen dem Bauch den Vorrang gebe. Aber bei seiner Begeisterung für das Thema hat er leider nur positive Beispiele in seinem Buch beschrieben. Trotzdem ist das alles spannend zu lesen.

Der Autor besucht den amerikanischen Psychologen Paul Ekman, der sich die meisten Jahre seines Forscherlebens mit der menschlichen Mimik beschäftigt und herausgefunden hat, dass sie universell ist. Wie jemand aussieht, der lügt, darüber weiß die Wissenschaft eine Menge, so Ekman. Warum man sein Innerstes nicht verbergen könne, liege an der besonderen Verdrahtung im Gehirn. Ekman hat ein Trainingsprogramm für die amerikanische Polizei zur Terroristenbekämpfung entwickelt. Seit 2006 stehen uniformierte Lügen-Detektoren an vierzehn amerikanischen Flughäfen. Manche Unternehmen wären froh, wenn es so ein Programm auch für die Personalauswahl gäbe.

Die Begeisterung dafür, was Intuition bewirken kann, nimmt von Gespräch zu Gespräch mit Wissenschaftlern zu. Er trifft den amerikanischen Beziehungsforscher John Gottmann, der zu ihm sagt:
  • "Ich kann ihnen nach fünf Minuten sagen, ob eine Beziehung hält oder nicht." Oder:
  • "Ich kann im Restaurant fünf Minuten das Gespräch eines Ehepaars belauschen und dann sagen, ob sie sich besser nach einem guten Anwalt umschauen sollten."
Der Stammtisch hat die Lufthoheit übernommen. Traufetter lässt das unkommentiert stehen. Wir kennen schon den Minuten-Manager, jetzt haben wir auch noch einen Minuten-Wissenschaftler.
Traufetter vermittelt den Lesern den neuesten Stand der Forschung und damit auch den aktuellen Stand des Irrtums.

Überzeugend wird Traufetter, wenn es um die Frage geht: Was hat das alles mit dem wirklichen Leben, was mit meiner Arbeit im Beruf zu tun? Hier zwei Beispiele, die er im Kapitel "Intuition im Arbeitsleben" anführt:
  1. Bewerbungsgespräch
    Sein Ratschlag: "Wer bei einem Bewerbungsgespräch den Eindruck hat, der Kandidat sei der richtige, der sollte im weiteren Verlauf des Gesprächs ganz bewusst nach Gründen suchen, die gegen die intuitive Eingebung sprechen."
    Diese ist eine gute Anregung für die Praxis. Wer als Berater oder Personaler die Eignung eines Bewerbers beurteilt, weiß natürlich, dass es gerade bei der Entscheidung, wer eingestellt wird, auf das Bauchgefühl ankommt, denn Intuition beruht auf Erfahrungswissen. Bei der Liebe ist es einfach. Hier kommt es nur auf die Intuition an. Doch bei der Einstellungsentscheidung kommt es nicht nur auf den Bauch an, sondern auch auf Fakten: Qualifikation mit den Anforderungen vergleichen usw. Gibt es Bedenken aus dem Kopf oder aus dem Bauch – wird der Bewerber nicht eingestellt.


  2. Neuromarketing
    Der Marketingmanager Björn Sander und der Hirnforscher Ernst Pöppel sind eine Kooperation eingegangen. Der Wissenschaftler Pöppel glaubt an ein ganz spezielles Muster, das eine Marke im Kopf hinterlässt. Man müsse jetzt nur noch mit einem Schlüsselreiz das Gehirn des Konsumenten ansprechen und die "Mechanik der Intuition" verrichte ihr Werk. Die Firma Henkel will demnächst Waschmittel und Shampoos im Kernspintomographen testen lassen.
Ein Buch ist für mich dann besonders lesenswert, wenn ich etwas erfahre, was ich bisher noch nicht wusste, aber für mich nützlich ist. Ich bin schlauer geworden und habe gute Anregungen bekommen.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List )

(letter 30.10.2007)

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lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
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wird dem Buch nicht gerecht 

 

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