Migge verfolgt mit der Veröffentlichung dieses 634-seitigen Handbuches das Ziel, Handlungswissen für verschiedene Themen anzubieten, wie sie im Business-Coaching, Personal-Coaching, in der psychologischen Beratung, Seelsorge, Supervision und Psychotherapie vorkommen.
Dieser Zielsetzung gemäß ist das Buch in folgende Themenbereiche gegliedert:
- Teil 1: Definitionen und Kommunikation
- Teil 2: Ziele, Visionen, Persönlichkeit
- Teil 3: Kognitives Umstrukturieren
- Teil 4: Paare und Familien
- Teil 5: Gesundheit, Karriere und Team
- Teil 6: Systemische Konzepte in der Beratung
- Teil 7: Glauben, Krisen und Umbrüche
- Teil 8: Konflikte und Konfliktarbeit
- Teil 9: Selbstdarstellung und Selbstbild als Coach
Alle Kapitel enthalten neben Theorieinputs zum jeweiligen Themenkomplex Übungen und/oder Fallvignetten, komplexe Falldarstellungen sowie die Lösungsvorschläge des Autors für die Übungen. Migge will bewusst keine wissenschaftlich fundierte Abhandlungen über im Coaching und der Beratung angewandte psychotherapeutische Verfahren bzw. psychologische Konzepte liefern, sondern einen schulenübergreifenden Werkzeugkoffer für die praktische Arbeit zusammenstellen, aus dem sich der autodidaktisch Interessierte genauso bedienen kann wie der Absolvent einer strukturierten Beratungs-, Coaching- Seelsorge- oder Psychotherapieausbildung.
Selbst wenn das Buch von anderen Rezensenten in den Himmel gelobt wird, kann ich dem nicht so zustimmen:
Richtig ist, es ist leicht lesbar, enthält eine Fülle praktischer Fallsbeispiele, Übungen und Anregungen für die eigene Beratungspraxis. Bemerkenswert finde ich als Theologe auch, dass dem Bereich Glaube und Spiritualität in der Beratung Raum gegeben wird.
Der Titel "Handbuch" ist m.E. eine kleine Mogelpackung: Das ganze Buch wirkt auf mich eher wie ein eklektisches Sammelsurium von sicherlich richtigen Ansichten und wirkungsvollen, aus verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren entlehnten Methoden eines Autors. Für ein Handbuch enthält es mir allerdings zu wenig theoretische Hintergrundinformation und kritische Reflexion. Der Begriff "Lehrbuch" würde den Charakter des Werkes meiner Meinung nach besser treffen, zumal es sich ja, wie der Autor im Vorwort (S.14) selber sagt, um das überarbeitete Manuskript eines Fernkurses der Klett-Gruppe handelt.
Als Lehrbuch im Rahmen einer beraterischen Ausbildung kann es sicher gute Dienste leisten, vorausgesetzt die Ausbildung beinhaltet Präsenzseminare zur Persönlichkeitsentwicklung und Methoden-Workshops mit einer ausgeprägten Feedbackkultur. Sonst besteht m.E. die Gefahr, dass selbstberufene "BeraterInnen" Techniken rein kognitiv übernehmen, die nicht mit der jeweiligen Person kompatibel sind, geschweige denn deren Anwendung im geschützten Rahmen einer Ausbildung erprobt und deren Wirkung am eigenen Leib erfahrbar gemacht wurden.
Egal, ob nun "Handbuch" oder "Lehrbuch" - auch erfahrene BeraterInnen, Coaches, PsychotherapeutInnen und SeelsorgerInnen bekommen sicherlich den ein oder anderen Gedankenanstoß für die eigene Beratungspraxis durch das Buch.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider )
|