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  Buchbesprechung


Die Kraft innerer Bilder
Vorstellungsvermögen als Zauberkraft

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Vössing, Heidrun
1. Aufl. (2007)
Junfermann, ISBN: 3873876841


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
NLP, Coaching

Autor(en):
Dipl.-Päd.,Management-Coach und Lehr-Coach/Lehrtrainerin (DVNLP), Inhaberin des Ausbildungsinstitutes ART of NLP in Bielefeld

Es wird im täglichen Geschehen so viel hinsichtlich Veränderung herbeigesehnt, gefordert, schöngefärbt und einfach dahergeredet, dass das Wort Veränderung als solches viel von seinem Glanz eingebüßt hat. Vermutlich gibt es auch eine große Spielbreite von Vorstellungen, was eigentlich Veränderung ist und ausmacht.

Als ich das Buch von Heidrun Vössing las, empfand ich es als wohltuend solide. Ich kenne andere Quellen als die von ihr zitierten, sowohl bezogen auf die neuere Hirnforschung als auch zu dem Einfluss von Imagination auf Veränderung. Die mir vertrauten Quellen führen zu den gleichen Ergebnissen, zu denen Heidrun Vössing kommt. Und mit meiner eigenen jahrzehntelangen Anwendung von Psychologie im Business kann ich die große Bedeutung, die der Imagination in Bezug auf Veränderung zukommt, nur bestätigen.
Ich möchte die Lektüre empfehlen, weil sie die Kraft der Veränderung durch innere Bilder nachvollziehbar darstellt.

Im Folgenden möchte ich die aus meiner Sicht wichtigsten Aspekte dieses Buches mit meinen Ergänzungen zusammentragen. Wesentlich sind die Leistungen des Gehirns. Im Laufe eines Lebens entwickeln wir ein Repertoire an inneren Bildern im Kopf, schlichtweg über alles und jedes. (Ich selbst würde statt "innere Bilder" den Ausdruck "innere Spielfilme" bevorzugen, da ganze Handlungseinheiten und komplexe Sinnzusammenhänge in diesen Bildern untergebracht sind.) Alles, was wir machen, können wir überhaupt nur deshalb tun, weil sich sofort ein Bild von dem, was wir machen wollen und wie der Prozess abzulaufen hat, vor unserem geistigen Auge abspielt.

Da, wo wir noch kein Bild von einer Sache haben, sind wir ratlos und verunsichert. In unserem Gehirn vorhandene Bilder, die zu irgendeinem Zeitpunkt unseres Lebens entstanden sind (z.B. durch Literatur, Filme oder Musik) und sich mehr oder weniger als Vorstellung eingebrannt haben, sind demgegenüber in der Lage, uns komplette Regieanweisungen für Verhalten zu geben, jeden Tag, in jedem Augenblick.

Um etwas Neues, Unbekanntes zu wagen, reichen Fantasiebilder aus, wenn sie nur mächtig genug sind. Plötzlich kann man all die Leute ignorieren, die einen für einen Traumtänzer halten. Mächtige Fantasiebilder können einem plötzlich die Kraft geben, sich ganz allein und ungeschützt auf Neues, völlig Unvorhersehbares einzulassen und dabei bis zu dem Zeitpunkt nicht gekannte Härten des Lebens durchzustehen. Sie formen die eigene Entschiedenheit bezogen darauf, die Zufälle des Lebens da auszuhalten, wo sie mit Warten oder Leiden verbunden sind und demgegenüber da sofort aktiv aufzugreifen und nach dem Bauplan des inneren Fantasiebildes in die eigene Gestaltung einzubauen, wo es für einen selbst passt. Dieses aktive Tun stärkt wiederum die mächtigen Fantasiebilder noch mehr, lässt sie noch bedeutender werden. Dadurch wirken sie auch auf die eigene Physis ein, sie machen den Körper unempfindlicher und robuster, und können sogar manchmal auf spektakuläre Weise Krankheiten heilen.

Was bei Heidrun Vössen nicht steht, aber gut als Ergänzung hierzu passt, ist, dass wir in jeder Sekunde millionenfach das Gehirn auf frühere Erfahrungsbilder hin scannen, um sie auf eine aktuell gegebene Situation anzuwenden. In Alltagssituationen wird das Gehirn schnell fündig, bei täglichen Routinen ist alles zusammen gut eingespielt.

Aber das Gehirn bekommt unscheinbare Bedrohungen des Normalen mit, die man rational verscheuchen möchte, und scannt dann auch wie verrückt. Das hat man herausgefunden durch die Rekonstruktion von Gehirnaktivitäten, wie sie in lebensbedrohlichen Situationen stattfinden. Es gab einen spektakulären Fall, wo jemand gegen jede Vernunft zu handeln schien, was sich dann letztlich als entscheidend weil lebensrettend erwies. Diese Person hatte nur ein komisches Gefühl, einen 7. Sinn, und diesen ernst genommen. Dieser 7. Sinn erwies sich als ein treffsicherer Scanner-Erfolg des Gehirns.
Das Gehirn hatte ein ungefähr ähnliches Gefahrenbild, aus einer ganz anderen Situation und aus ganz anderen Zusammenhängen gespeichert. Im Augenblick der Gefahr hat es dieses maximal ähnliche Gefahrenbild in einem Bruchteil von einer Sekunde aktualisieren können. Diese damalige Situation hatte einen guten Ausgang genommen und war deshalb im Gehirn als "gute Lösung" gespeichert worden. Dem betreffenden Menschen war das frühere Ereignis keineswegs bewusst, er hatte allein auf das komische Gefühl reagiert und sich zum Glück gegen die Vernunft, gegen den ordnungsgemäßen Ablauf entschieden.

Jedes der inneren Bilder ist emotional gefärbt. Je intensiver ein inneres Bild beansprucht wird und je häufiger es hervorgerufen wird (etwa durch Rituale, oder weil man von seinem Umfeld nur wenig Anreize für die Entwicklung zusätzlicher Bilder aufnehmen kann), umso tiefer verwurzelt und verankert sich dieses innere Bild, und umso schneller und automatischer wird es zur Vorlage für unser tägliches Handeln.

Wo zunächst einige unscheinbare Trampelpfade von Nervenzellenverschaltungen waren, wird daraus mit der Zeit ständiger Nutzung schließlich ein stabiles Autobahnnetz von spezifischen Nervenzellenverschaltungen – oder, in Bezug auf Coaching gesprochen – an wohlvertrauten, gewohnten, festen, ggf. aber auch starren oder zwanghaften Denk- Gefühls- und Verhaltensmustern.

So ein einmal gut aufgebautes Nerven-Autobahnsystem, in dem das Denken, Fühlen und Verhalten in einem unauflösbaren Geflecht zusammenhängen und in ein inneres Bild (oder einen Spielfilm) gebannt sind, bestimmt uns in unserem Wirken. Wir haben in unserem Leben etliche solcher inneren Bilder, und zwischen diesen liegen dann unsere Freiheitsgrade.

Anders ausgedrückt, wir kommen nicht raus aus unserem Trott, weil uns die bisher aufgebauten inneren Bilder in unserem Kopf in diesem Trott festhalten. (Auch unsere entgegengesetzte Vermutung, nämlich dass wir doch eher fremdbestimmt in unseren Trott geraten sind und darin bleiben müssen, solange sich die äußeren Verhältnisse nicht ändern, ist eines der massivsten inneren Bilder, das uns im Trott gefangen hält.)

Wenn wir aber unser Repertoire mit neuen Bilder bereichern können und diese neuen Bilder dann mächtig aufbauen, dann können diese uns aus dem Trott heraushelfen. Die Veränderung unserer selbst gelingt uns, wenn wir neue positive Bilder erfolgreich in unserem Gehirn verwurzeln und stark machen können.

Heidrun Vössing zeigt in den Hauptkapiteln ihres Buches, wie man als Coach diverse Imaginations-Techniken anwendet, die dem Klienten helfen, eigene neue innere Bilder zu finden und sie bedeutsam werden zu lassen.

Das "Positive" an diesen neuen Bildern ist entscheidend. Wenn etwas gut und erfolgreich gelernt werden soll, dürfen nur die positiven Gefühle im Spiel sein. Aufgaben und Probleme kann man nur dann lösen, wenn man ein entsprechendes Spektrum an handlungsleitenden inneren Bildern zur Verfügung hat, die mit Erfahrungen von positivem Ausgang verknüpft sind. Ohne solche positiven Lösungsmuster sind wir verunsichert – in einem solchen Fall rufen wir dann Notfallbilder auf: Flucht, Angst, Erstarrung. Nichts Konstruktives also.

Negative Zielbilder bieten, und das ist ganz wichtig, keine Handlungsorientierung!
Wenn man sich also zu sehr auf das vorliegende Problem konzentriert, dann wird auch da die Nervenverschaltung emsig: man kaut das Problem in Gedanken durch. Das Gehirn bildet, wie oben beschrieben, daraufhin stärkere Synapsen für das negative Muster aus. Das neuronale Muster wird also weiter für das Problem ausgebaut und die innere Vorstellung vom Problem wird verstärkt, mit der Folge, dass man dem Problem noch mehr Aufmerksamkeit zuwendet. Und dann geht alles spiralenmäßig weiter. (Wir kennen Ähnliches aus der Richtung, dass das Gehirn den Schmerz eben dadurch lernt und als Signal ausbaut – ihn sogar chronisch werden lässt, dass wir meinen, wir müssten ihn aushalten, und deshalb keine Schmerzmittel nehmen.)

Die konkreten Anleitungen zur Anwendung von Imaginations-Techniken von Frau Vössing sind meiner Meinung nach für den erfahrenen Coach zur Ergänzung seines individuellen Repertoires bestimmt.
Ich meine, wer sich verliebt oder durch irgendeinen Zufall des Lebens ein sonstiges mächtiges, positives inneres Bild aufzubauen in der Lage ist (durch einen "geistigen Führer" oder seine Äquivalente in Schrift und Musik, einen Super-Job, die Reise in ein beeindruckendes Land oder ein sonstiges unvorhergesehenes Angebot zur Ich-Erweiterung), der hat sehr viel von dem automatisch zur Verfügung, was hier über den Coaching-Prozess mühsam als Bühne für das Seelische aufgebaut werden muss. Im Coaching Prozess muss man es vorsichtig Als-Ob aufbauen, an diesem Als-Ob stetig weiterbauen und es Schritt für Schritt erproben und festigen, eben durch die verschiedenen beschriebenen Imaginations-Techniken. Mit zunehmender Übung geht dann dies nach und nach in Fleisch und Blut bzw. um im Bild zu bleiben, in Nervenautobahnen über.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Veränderung von Alpträumen. Kindern hilft man, indem man sie den Traum aufmalen lässt und sie danach selbst nach einer Lösung finden lässt, wie sie mit den bedrohlichen Figuren umgehen können. Erwachsene lässt man den Alptraum aufschreiben und ein besseres Ende erfinden. "Somit wird die betroffene Person quasi zum Regisseur ihrer Träume – und das Wissen darum, die Träume beeinflussen zu können, verringert die Angst vor dem Einschlafen." (S.31)

Es sind keinesfalls Zaubermittel, keine obskuren parapsychologischen oder esoterischen Tricks, und es ist nichts, was man nicht auch jedem Laien auf diesem Gebiet erklären könnte. Es geht letztlich um viele kleine zielführende Schritte bezogen auf die Suche nach einem guten neuen inneren Bild, und um viele weitere kleine zielführenden Schritte, um ein solches neues Bild dann kräftig zu machen.

Ich fand es beim Lesen auffällig, dass Frau Vössing die typischen Erfolgsstories, die für die Kraft innerer Bilder sprechen, bis auf ganz wenige Ausnahmen ("I have a dream…" von Martin Luther King 1963, hier Seite 24) weggelassen hat. Dadurch wirkt das Buch typisch deutsch – es reißt einen nicht in diesen Rausch der Verwandlung, der oft in amerikanischen Büchern dieser Art eben durch sehr bildreiche, sehr ausdrucksstarke Beispiele erzeugt wird. Aber in dem ganzen Umfeld der eilfertigen Veränderungsversprechen wirkt eben dieses Buch sehr solide und bodenständig, und die Fokussierung auf das konkret "Handwerkliche" an der Sache (den vielen methodischen Vorschlägen die man hier nicht einfach als Liste wiedergeben kann) dem der Hauptteil des Buchs gewidmet ist, hat damit etwas zu tun.

Damit man so etwas wie hier beschrieben wirksam durchführen kann, braucht man vor dem Einsatz des Handwerkszeugs ein eigenes positives inneres Bild bezogen auf die Kraft innerer Bilder.

Man muss Vorstellungen und Erfahrungen davon haben, dass das wirkmächtig ist, was man mit inneren Bildern aufbaut. Also genaugenommen braucht man als Coach im eigenen Gehirn eine stabile Nervenautobahn (ein mit positiven Erfahrungen besetztes inneres Bild, einen guten inneren Spielfilm), die einem als Coach die Ressourcen gibt, eine solche Arbeit mit dem Klienten durchzuführen.
Glaubhaftigkeit von Veränderung erzeugt sich durch Veränderungen, die tatsächlich gemeistert wurden.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Simone Mones )

(Simone Mones 22.02.2008)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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