Rezension:
Das Buch behandelt ein interessantes Thema: Der Gleichstellung von Frauen und Männern im beruflichen Alltag. Es gliedert sich in drei Teile:
- Gender Mainstreaming: Die Strategie und ihre betriebliche Umsetzung
- Die zentralen Akteur/innen sind die Führungskräfte
- Management Tools: Wie Sie das Geschlechterverhältnis in Bewegung bringen
Teil 1 widmet sich hauptsächlich der Geschichte und dem (politischen) Hintergrund von Gender Mainstreaming. Abgeleitet aus der Frauen- und Gleichstellungspolitik, erfreut sich gerade dieser Politikbereich in vielen Fällen keiner positiven Assoziation bei Leserinnen und Lesern.
Keine Frage: Die Autorinnen wirken auch in diesem Teil – wie in den übrigen – sehr kompetent. Allerdings machen sie es leider an dieser Stelle der Leserin und dem Leser (gendergerechte Sprache!) schwer. Auch wenn man Gender gegenüber aufgeschlossen und sogar darüber informiert ist, drängt sich die Frage auf: Warum stellen die Autorinnen nicht zu Beginn den Nutzen statt die (für Unternehmensvertreter uninteressanten und abschreckenden) geschichtlichen Hintergründe dar? Teilweise wirken an dieser Stelle die Forderungen auch etwas wirklichkeitsfremd: Wer richtet schon ohne Nutzendarstellung eine Expertinnenstelle zur Beratung der Unternehmensleitung zu Gender ein? Wer unterwirft sich dem Aufwand, alle (!) Daten geschlechtsspezifisch zu erheben und die IT-Systeme umzuprogrammieren, wenn nicht deutlich ist, warum?
Hat man sich durch diesen Teil gebissen, folgt die Belohnung ab dem Kapitel 2. Sowohl dieses Kapitel als auch der gesamte Teil 3 sind praktisch orientiert und gut nachvollziehbar. Mittlerweile hat man sich auch an den Stil des Buches, zwischen Text, Tabellen, Linkhinweisen, Kapitelverweisen und Beispielen hin und her zu springen, gewöhnt. Eine klare Sprache ("Die Umsetzung von Gender Mainstreaming erfordert Ressourcen.") lässt sich angenehm lesen. Die Rolle der Führungskraft im Prozess wird gut herausgearbeitet. Die Forderungen und Anforderungen sind deutlich formuliert, der Nutzen an dieser Stelle auch herausgearbeitet. Hier wird das Konzept auch ohne politische Hintergründe – oder gerade deswegen – überzeugend. Der Zugang erschließt sich.
Teil 3 stellt dann anzuwendende Tools dar, die die Einführung von Gender in Organisationen erleichtern und unterstützen. Gut nachvollziehbar, praktisch anwendbar und mit konkreten Hilfestellungen (Downloadlinks) sowie praktischen Beispielen versehen, werden in zwölf Kapiteln Instrumente dargestellt. Konkrete Workshopdesigns und Vorgehensweisen runden die Darstellung positiv ab. Auch vor dem Umgang mit Abwehrmustern und Widerständen wird nicht halt gemacht. Stattdessen erfahren Leserin und Leser, wie damit umgegangen werden kann.
Das Buch ist für den Praktiker gut geeignet. Allerdings hilft es, wenn man vorher schon den Entschluss gefasst hat, sich dem Thema Gender Mainstreaming zu widmen. Als Praxishandbuch für jemanden, der sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, ist es schwer verdaulich, zumal man in dieser Situation über den ersten Teil sicher nicht hinaus kommt. Steht der Entschluss und man sucht nach konkreter Unterstützung und Hinweisen, ist dieses Buch ein guter Ratgeber von kompetenten Autorinnen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Marcus Schmitz)
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