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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Vertrauen als Thema hat seit einigen Jahren Konjunktur, und damit geht auch eine merkbare Zunahme einschlägiger Veröffentlichungen auf dem Managementbuchmarkt einher. Diese sind von höchst unterschiedlicher Qualität: So spannt sich der Bogen von teilweise recht seichter Erbauungsliteratur nach dem Muster von "Warum Vertrauen siegt" der Vielschreiberin Gertrud Höhler über das deutlich anregendere "Vertrauen führt" von Reinhard Sprenger bis hin zu wissenschaftlich anspruchsvollen Studien wie das sehr lesenswerte "Vertrauen und Management" von Peter Eberl oder die Arbeit von Tanja Ripperger "Ökonomik des Vertrauens".
Nun hat auch der Gabal Verlag im vergangenen Jahr ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel "Vertrauen und Führung" von Hartmut Laufer heraus gebracht, einem Autor, der am einschlägigen Markt schon mit Büchern wie "99 Tipps für den erfolgreichen Führungsalltag" oder "Grundlagen erfolgreicher Mitarbeiterführung" vertreten ist. Laufer ist von Beruf Diplomingenieur, leitet das MENSOR Institut für Managemententwicklung in Berlin und arbeitet seit Jahren auch als Führungskräftetrainer und Fachhochschuldozent. Laut Vorwort und Klappentext verfügt er auch über eigene Führungserfahrung, wobei das Vorwort von "zwei Jahrzehnten", der Klappentext jedoch von "über drei Jahrzehnten" Führungserfahrung spricht. Doch sei es, wie es wolle: Laufer versteht sich als Praktiker, der für andere Praktiker schreibt, was möglicherweise auch einige typische Defizite dieses Buches erklären hilft.
Das Buch ist recht kurz: Rund 130 Seiten Text mit einem sehr übersichtlichen Satzspiegel und breiten Rändern, sodass man es auf einer längeren Zugfahrt bequem durchlesen kann. Es besteht aus fünf Kapiteln, wobei das 5. Kapitel lediglich aus einem sehr knapp gehaltenen "Wort zum Schluss" von etwas mehr als zwei Seiten besteht. Der eigentliche Inhalt verteilt sich somit auf die folgenden vier Kapitel:
- Notwendigkeit von Vertrauen in Unternehmen
- Aufbau von Vertrauen in der Mitarbeiterführung
- Kontrolle ohne Vertrauensverluste
- Vertrauensfördernde und aufbauende Kritik
Mit diesen vier Kapiteln ist der thematische Rahmen des Büchleins auch bereits umrissen. Der Autor hält sich nicht groß auf mit theoretischen Diskussionen, sondern kommt in klarer, einfacher Sprache recht schnell zum Punkt: Vertrauen ist (s. Untertitel des Buches) der "Schlüssel zum Führungserfolg", ohne Vertrauen ist eine wirkungsvolle Mitarbeiterführung nicht möglich, aber damit Vertrauen entsteht, muss man einige grundlegende Regeln beachten. Hierzu ist es erforderlich, im Führungsalltag durch Klarheit, Berechenbarkeit, Aufrichtigkeit, Fairness und Takt ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Mitarbeitern zu erzeugen. Dies wird durch ein transparentes Zielvereinbarungsverfahren, durch sinnvolle Delegation und einen verständnisvollen Umgang mit Mitarbeiterwiderständen deutlich erleichtert Dem Aspekt des Vertrauens kommt aber darüber hinaus vor allem in den potentiell vertrauensgefährdenden Situationen der Kontrolle und der Kritik eine zentrale Bedeutung zu, so dass der Autor auch hierzu praktische Hinweise gibt, deren Beherzigung dazu beitragen soll, das Vertrauensverhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter trotz gelegentlicher Kontrolle und Kritik zu erhalten.
Wem die hierbei proklamierten Grundsätze ziemlich bekannt vorkommen, hat auch schon den entscheidenden Schwachpunkt des Buches identifiziert: Denn so wichtig das Vertrauensthema auch zweifellos ist und so nachvollziehbar und verdienstvoll es ist, dass Laufer dieses Thema in den Vordergrund rückt, so sind doch die führungspraktischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, letztlich nichts Neues. Denn dass man als Führungskraft in der Regel besser damit fährt, wenn man seine Mitarbeiter auch als Menschen achtet, ihnen gegenüber fair ist, Aufgaben delegiert, sich vor einem Kritikgespräch erst einmal sorgfältig über den Sachverhalt informiert, Kontrollen mit Augenmaß vornimmt, die Mitarbeiter bei Veränderungsprozessen angemessen und ehrlich informiert – das hat man alles schon oft gelesen, auf Führungskräftefortbildungen gehört, oder es sagt einem der gesunde Menschenverstand.
Dieses Gefühl, dass hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden soll, verdichtet sich mit zunehmender Lektüre und mündet sehr bald in dem Eindruck, dass es sich mit "Vertrauen und Führung" über weite Strecken um ein Buch handelt, das mit Bezug auf die führungspraktischen Ratschläge auch in den 70er Jahren hätte erschienen sein können – nicht nur, weil einem die Ratschläge so bekannt vorkommen, sondern vor allem auch, weil das dahinter stehende Menschenbild so merkwürdig antiquiert wirkt.
Laufer geht von einem sehr einfachen Reiz-Reaktions-Schema aus, nach dem die Führungskraft sich nur an die vorgeschlagenen Verhaltensweisen halten müsse, um dann bei ihrem Mitarbeiter mit großer Zuverlässigkeit auch die gewünschte Wirkung hervorzubringen. Dass sowohl die Organisationspsychologie als auch die Organisationssoziologie in dieser Hinsicht schon beträchtlich weiter sind, ist Laufer offensichtlich nicht bekannt, und ein eingehenderer Blick auf die von ihm angegebene Literatur bestätigt den Eindruck. Da wundert es dann auch nicht mehr, dass viele seiner Behauptungen zwar mit dem vagen Hinweis auf "wissenschaftliche Erkenntnisse", "empirische Untersuchungen" oder "Experimente" begründet werden, er dem Leser aber die genaue Fundstelle vorenthält.
Schade, denkt sich der Leser, denn das Thema ist ausgesprochen reizvoll und hätte es zweifellos verdient, dass man sich unter Berücksichtigung neuerer Erkenntnisse deutlich differenzierter damit auseinandersetzt.
Fazit: Hartmut Laufer hat mit "Vertrauen und Führung" ein Buch geschrieben, das für jemanden, der sich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat, völlig unerfahren im Führungsgeschäft ist und sich einen allerersten Überblick über die Thematik verschaffen will, einen brauchbaren Einstieg darstellen kann. Für alle anderen bietet es nichts Neues.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Jochen Christe-Zeyse ) |
(christe 10.05.2008) |
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