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Beratung |
Alles für Berater und solche, die es werden wollen |
Im ersten Teil seines 200 Seiten umfassenden Buches gibt der Autor dem interessierten Leser bzw. der interessierten Leserin einen Marktüberblick, um anschließend im deutlich umfänglicheren zweiten Teil, der Beraterauswahl, auf die – von ihm zunächst unter dem Sammelbegriff Berater zusammengefassten – drei unterschiedlichen Beratungsdienstleistungen (Unternehmens-)Beratung, Training und Coaching detailliert einzugehen.
Den Teil Marktüberblick beginnt Giso Weyand mit Tipps zur Problematik, sich im schier unüberschaubaren Beratungsmarkt überhaupt erst mal zurechtfinden zu können. Beeindruckende Zahlen werden von ihm vorgebracht, etwa die, dass in Deutschland schätzungsweise 130.000 Menschen beruflich irgendeiner Form der Geschäftsberatung nachgehen. Der Autor schildert die Schwierigkeit, seriöse Anbieter von schwarzen Schafen unterscheiden zu können, beruhigt die Unternehmer wiederum mit der Aussage, dass die meisten Berater gute bis sehr gute Arbeit leisten und gibt dem Leser/der Leserin einige Merksätze mit auf den Weg, die durchaus als nützliche Hinweise zur Beraterfindung zu verstehen sind: etwa den, dass teure Berater zumeist gute Berater sind, weil der Preis im Regelfall deren Marktwert widerspiegelt. Oder der These, dass jeder den Berater kriegt, den er verdient. Dahinter steht die dringende Aufforderung an potenzielle Beratungskunden, im Vorfeld möglichst konkret den eigenen Beratungsbedarf zu definieren, um nicht am wirklichen Problem vorbei viel Geld für wenig Beratungserfolg auszugeben. Gerade diese vom Autor als "Hausaufgabe" für die Unternehmer bezeichnete Vorleistung, das eigene Problem verstehen und somit einkreisen zu können, durchzieht das ganze Buch mit einem quasi erhobenen Zeigefinger.
Giso Weyand empfiehlt die Verwendung von Checklisten für die Beraterauswahl (mit Fragen nach Berufs- und Branchenerfahrung, Referenzen oder Begründungen für die Honorarforderungen), geht auf die emotionalen Aspekte bei der Beraterauswahl ein (z.B. wie authentisch der Berater wirkt, ob er eine gute oder eine übertriebene "Show" hinlegt, ob er stilsicher auftritt oder verkleidet wirkt usw.) und wendet sich schließlich der Frage zu, ob für das zu lösende Problem eher ein Berater, ein Trainer oder ein Coach engagiert werden sollte.
Im zweiten Teil des Buches, der Beraterauswahl, beschreibt der Autor sehr ausführlich und gut nachvollziehbar die unterschiedlichen Kompetenzen, mit denen ein Berater, ein Trainer bzw. ein Coach ausgestattet sein sollte, die jeweiligen Arbeitsweisen und charakterlichen Typ-Unterschiede.
Hier beispielhaft eine Auswahl seiner Ausführungen:
- Die Beratung hat vorrangig die Strukturen und Abläufe von Unternehmen oder Teilen von ihnen im Auge. Beratung analysiert ein Problem und bietet dem Unternehmen anschließend Lösungen an.
- Training ist konkrete Fortbildung mit dem Ziel der Kompetenzerweiterung. Der Trainer hat also auf einem speziellen Gebiet ein umfassenderes Wissen als die Trainingsteilnehmer und –teilnehmerinnen und gibt dieses Wissen an sie weiter.
- Coaching wiederum ist eine persönlichkeitsorientierte Beratung und verfolgt das Ziel, ein individuelles Problem lösen zu helfen. Dabei zielt Coaching vorrangig auf die Klärung und Veränderung von Sichtweisen, Haltungen und Verhaltensweisen des Klienten.
Die unterschiedliche Methodik dieser drei Beratungsleistungen bringt Giso Weyand kurz und prägnant auf den Punkt: Ein Coach gibt Impulse, ein Berater sagt, wo es langgeht und ein Trainer sagt, wie es geht.
Die absolute Kernkompetenz eines Beraters ist sein Wissen bzw. sein Wissensvorsprung gegenüber seinem Kunden. Denn durch seine Kenntnis des Marktes oder einer sinnvoll aufgebauten Unternehmensstruktur ist er in der Lage, seinem Kunden wirklich nützliche Lösungen anbieten zu können.
Ein Trainer hingegen braucht neben seiner Sachkenntnis vor allem pädagogisch-methodische Kompetenz und große Kommunikationsfähigkeiten. Denn seine Aufgabe ist die Vermittlung von Wissen.
Ein guter Coach wiederum zeichnet sich neben Methodenkenntnis und Kommunikationsstärke vor allem durch Einfühlungsvermögen aus. Denn seine vornehmliche Aufgabe besteht darin, sich in die Problematik seines Klienten hineinversetzen zu können.
Giso Weyand dekliniert weitere Kompetenzen (von wünschenswert bis unverzichtbar) von Beratern, Trainern und Coachs durch – bspw. Branchenerfahrung, Positionserfahrung oder Umsetzungsunterstützung. Daneben gibt er reichlich Tipps ("Den Markt scannen"), wie geeignete Berater, Trainer oder Coachs gefunden werden können, was bei der Vorauswahl potenzieller Beratungsanbieter bedacht sein sollte und befragt jeweils einen Profi aus einem der drei Bereiche in einem Interview nach deren Bewertungen der jeweiligen Beraterszene. Diese Interviews sind auch deshalb höchst interessant zu lesen, weil der Autor darin - wenn möglich - identische Fragen stellt und somit der Leser/die Leserin einen gut vergleichbaren Eindruck vom Selbstbild von Beratern, Trainern und Coachs erhält.
Im abschließenden Resümee fasst der Autor nochmals seine "Hausaufgaben" an die Unternehmer zusammen: die vorherige Einkreisung des wirklichen Problems, die Klärung der diesbezüglichen eigenen Haltung, der Wille zur Mitarbeit an der Problemlösung und die Notwendigkeit, sich sowohl ausreichend Zeit für die Auswahl eines geeigneten Beraters zu nehmen als auch während eines Beratungsprozesses immer auf dem aktuellen Stand der (Beratungs-)Dinge zu bleiben.
Mein Fazit: Ein empfehlenswertes Buch, welches die Thematik kenntnisreich beschreibt, dazu unter weitgehendem Verzicht auf Insider-Begriffe nachvollziehbar formuliert und daher flüssig zu lesen ist. Das Buch wird sicher seine Leserschaft finden.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Detlef Schmidt ) |
(Schmidtcoaching 19.05.2008) |
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