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von Trotha, Thilo
(2007)
Walhalla U. Praetoria, ISBN: 3802932579


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Reden, Rhetorik

Autor(en):
Dr. Thilo von Trotha war sechs Jahre lang Redenschreiber des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und schreibt seitdem auch für Führungskräfte aus Wirtschaft und Verbänden. Er gründete 1980 in Königswinter die Agentur "Reden & Texte" und betreibt in Weimar die "Akademie für Reden&Schreiben". Im Jahr 1998 gründete von Trotha den "Verband der Redenschreiber deutscher Sprache". Im Jahr 2005 rief er die Stiftung Redekultur ins Leben.

Themenliste Literatur
Kommunikation   Alles, was uns hilft, das Miteinander Umgehen besser zu verstehen und besser miteinander umzugehen

Wer für einen anerkannt guten Redner, wie es der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zweifellos war, Reden geschrieben hat, kann natürlich ein Maß an Autorität geltend machen, das jeden Kritiker zuerst einmal einschüchtert – auch dann, wenn der Rezensent selbst jahrelang für Politiker Reden geschrieben und Seminare zum Redenschreiben durchgeführt hat. Auf der anderen Seite erwartet der Leser von einem derart profilierten Autor auch etwas, was sich abhebt von der redenschreiberischen Einheitskost, die man in den meisten der im Buchhandel erhältlichen Ratgeber serviert bekommt. Das vorliegende Buch wird diesen Erwartungen nur zum Teil gerecht.

Das mit Anhang rund 270 Seiten dicke Buch präsentiert sich im handlichen DIN A 5-Format und verfügt praktischerweise über einen abwaschbaren (!) Schutzumschlag, was wohl dem Umstand Rechnung tragen soll, dass gestresste Redenschreiber vom langersehnten Kuss der Muse bisweilen so überrascht werden können, dass sich der Inhalt der Kaffeetasse gerne auch über den Schreibtisch ergießt.

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die sich jedoch in Länge und Substanz deutlich voneinander unterscheiden. So beginnt Kapitel 5 bereits auf Seite 37, so dass die ersten vier Kapitel "netto" (abzüglich Vorwort und Gliederung) nicht mehr als rund 20 Seiten in Anspruch nehmen. Das ist natürlich nicht per se kritikwürdig, doch verweist dieser Umstand bereits auf ein wesentliches Defizit dieses Buches: die unübersichtliche und in Teilen nur schwer nachzuvollziehende Gliederung. Das bezieht sich nicht auf das formale Gliederungsprinzip, denn auf den ersten Blick scheint das Buch einigermaßen nachvollziehbar gegliedert: Eine "Schnellübersicht" am Anfang zeigt die angesprochenen Themen, und die Kapitelüberschriften sollen dann, so der Autor, "zur Lösung" führen. Doch ganz so eindeutig und klar ist es nicht, wie man bei der Lektüre recht schnell feststellt.

Die ersten vier Kapitel reißen einige wesentliche Themen nur sehr kurz an ("Grundsätze der Vorbereitung", "Form und Inhalt", "Klare Botschaft" usw.), wobei jedoch einiges davon auch an anderer Stelle wieder auftaucht, anderes wiederum nicht. Die für den Leser gehaltvollsten Kapitel sind sicherlich die langen Kapitel 5 ("Die sieben Sterne, nach denen der Redner greifen muss"), 6 ("Gefährliche Klippen einer Rede umschiffen") und 7 ("Handwerkliche Sicherheit bei der Redenvorbereitung"): Die "sieben Sterne" des Kapitels 5 sind sieben Grundregeln, die man beim Redenschreiben beherzigen sollte, etwa: "Eine gute Rede muss informativ und interessant sein" oder "Dosierter Humor ist das Salz einer guten Rede". Die "gefährlichen Klippen" aus Kapitel 6, die es beim Redenschreiben zu umschiffen gilt, beziehen sich auf die Anrede, den Einstieg, den Schluss, den Dank und den Umgang mit Zitaten, Jahrestagen und Fakten. Kapitel 7 beinhaltet dann noch einmal "28 Tipps zur professionellen Redenvorbereitung", die an sich durchaus hilfreich sind, die aber teilweise auch wieder Aspekte aufgreifen, die vorher in anderen Zusammenhängen bereits angesprochen worden waren. Illustriert wird alles durch zahllose Beispiele aus entweder tatsächlich bereits gehaltenen Reden oder vom Autor formulierten Texten.

Im letzten Kapitel ("Die wichtigsten Redetypen") liefert der Autor dem interessierten Leser konkrete Tipps und Musterreden etwa zu Anlässen wie einer Laudatio, einer Trauerrede, einer Jubiläumsrede oder Lob und Tadel. Abgeschlossen wird das Buch durch eine "Nachrede für die Redenschreiber von morgen".

Die Hinweise, Tipps und Tricks, die Anekdoten aus der Zeit im Bundeskanzleramt, die Zitate aus Politikerreden, das Schöpfen aus einem zweifellos gut bestückten Fundus an Erfahrungen – all dies ist leicht und oft auch unterhaltsam zu lesen, doch muss man bei der Lektüre aufpassen, bei aller Kurzweil nicht irgendwann den Faden zu verlieren. Und der geht tatsächlich recht schnell verloren, denn das Buch ist zwar voll von einzelnen Aspekte, die beim Redenschreiben bzw. Redenhalten eine Rolle spielen, doch wird oft nicht recht deutlich, warum jetzt dieser oder jener Aspekt gerade in diesem Zusammenhang angesprochen wird oder warum ein Punkt, von dem im vorigen Kapitel bereits die Rede war, im nächsten Kapitel wieder auftaucht. An manchen Stellen, wie etwa in der "Nachrede für die Redenschreiber von morgen" am Ende des Buches ist der Argumentationsfaden kaum noch zu entdecken, der Autor kommt "von Hölzken auf Stöcksken", und der Leser fragt sich am Ende des Abschnitts ratlos, worum es denn jetzt eigentlich gegangen ist. Doch ist das kein Einzelfall: Durch das ganze Buch hindurch schweift der Autor immer wieder ab, ergeht sich in allgemeineren Betrachtungen über dieses und jenes, wobei einige Abschweifungen mehrfach auftauchen (besonders befremdlich sind dabei die immer wiederkehrenden Hypothesen über den angeblichen Nationalcharakter der Deutschen).

Auch passen einige Aspekte oder Beispiele schlicht nicht in den Kontext, in dem sie auftauchen. Nur ein Beispiel: Auf S. 110 geht es eigentlich um die Forderung, dass die Rede wahrhaftig und der Redner redlich zu sein habe, doch taucht recht unvermittelt ein Absatz zur "Maslowschen Bedürfnispyramide" auf, gefolgt von einer Szene, die diese illustrieren soll. Nur: Weder passt der Ansatz von Maslow wirklich zum Thema, noch illustriert das Beispiel den wesentlichen Gedanken aus dem Maslowschen Modell. Der Leser blättert irritiert zurück, fragt sich, ob er etwas verpasst hat, aber auch ein zweites Mal Lesen erschließt den Sinn dieses Einschubs nicht wirklich. Und solche Stellen gibt es in diesem Buch mehrere.

Insgesamt entsteht der Eindruck, als sei hier ein großer Schatz aus über die Jahre akkumuliertem Material unter Zeitdruck zusammengeschrieben worden, oder – schlimmer noch – als habe der Autor einen Großteil des Textes in mehreren Etappen auf Band diktiert und dann abschreiben lassen, ohne sich am Ende der Mühe zu unterziehen, alles dies noch einmal sorgfältig zu überarbeiten. Sei es, wie es wolle: Der Leser beginnt sich recht schnell nach den alten Zeiten zu sehnen, als auch Fachverlage noch Lektoren beschäftigten, die sich die Zeit nahmen, solche Konglomerate mit dem Autor zusammen straffer zu gliedern und neu zu sortieren. Und dann wären vermutlich auch noch einige vermeidbare Schludrigkeiten entdeckt worden, wie etwa der ehemalige österreichische Bundespräsident "Klistill" (S. 229), der in Wirklichkeit Klestil hieß, oder die falsche (wenngleich auch nicht untypische) Übersetzung des "de mortibus nil nisi bene" (S. 231), was ja keineswegs heißt "über die Toten nichts als nur Gutes", sondern vielmehr: "Über die Toten nur auf gute Art und Weise (reden)", also fair und gerecht sein beim Reden über sie. Solche kleineren Fehler und Ungenauigkeiten gibt es einige – jeweils für sich genommen nichts schlimmes, aber zusammen doch ein Zeichen für ein etwas nachlässiges Lektorat.
Und eines dürfte auch klar sein: Die Leserinnen und Leser eines solchen Buches haben ein anderes Verhältnis zur Sprache, schauen vermutlich auch sorgfältiger auf das Geschriebene als die Leserinnen und Leser eines Fitnessbuches oder eines PC-Ratgebers.

Der nächste Kritikpunkt hat deutlich mehr mit den Erwartungen und Vorlieben des Rezensenten zu tun als der vorige. Denn ich muss zugeben, dass ich mir von einem derart profilierten Redenschreiber doch einiges an kreativen Impulsen, innovativen Ideen, neuen Perspektiven für dieses Handwerk erwartet habe. Dass ich diese in dem Buch nicht gefunden habe, mag vielleicht das Schicksal desjenigen sein, der sich bereits eingehend mit diesem Thema beschäftigt hat. Doch stellt sich dann natürlich die Frage, worin denn der eigene Beitrag dieses Buches besteht, wenn man das allermeiste, was darin ausgeführt wird, bereits in den bereits auf dem Markt befindlichen Ratgeberbüchern finden kann. Und ich mag auch eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen, dass mir der eine oder andere Beispieltext, die eine oder andere Mustervorlage für eine anlassbezogene Rede doch recht konventionell und vorgestanzt vorkam.

Fazit: In dieses Buch ist viel praktische Erfahrung eingeflossen, die Hinweise und Tipps sind meist durchaus hilfreich, die Anekdoten und kleinen historischen Ausflüge verhelfen zu einer kurzweiligen Lektüre, doch hätten dem Buch ein sorgfältigeres Lektorat, eine stringentere Gliederung und etwas originellere Beispieltexte ohne Zweifel gut getan.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Jochen Christe-Zeyse )

(christe 29.05.2008)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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