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  Buchbesprechung


Das Fallstudien-Handbuch der Harvard Business School Press
Business-Cases entwickeln und erfolgreich auswerten

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Ellet, William C. / Scherer, Jutta
1. Aufl. (2008)
Haupt, ISBN: 3258073279


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Studium, Fallstudien, Prüfungen, Training

Themenliste Literatur
Karriere   Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs

Die Leserschaft erfährt zunächst in der Einleitung, dass der Autor aus der akademischen Praxis stammt und dort regelmäßig mit Fallstudien arbeitet. Aus eigener Erfahrung vermisst der Verfasser des Buches nun zu diesem Thema eine Hilfestellung für Studierende, wie man sich - jenseits rein sprachlich-stilistischer Tipps - solchen Problemstellungen möglichst effektiv inhaltlich nähern kann. So profitiert er dann von der geballten Erfahrung von sechzehn Jahren mit Business-School Studenten. Er verwertet als Anschauungsmaterial "inaktive" Harvard-Fallstudien, also quasi "verbrauchte", die zwar Originale darstellen, aber mittlerweile vom Lehrplan verschwunden sind.

Anhand dieser genannten Beispiele beschreibt er zunächst, was Fallstudien sind und wie mit ihnen in der akademischen Praxis vorgegangen wird: Es handelt sich dabei um akademische Aufgabenstellungen, die komplexes Material enthalten, welches als Prüfungsaufgabe unter bestimmten Gesichtspunkten zu bearbeiten ist. [Kleine Nebenbemerkung des Rezensenten: Renommierte Beratungsunternehmen gehen heutzutage immer häufiger dazu über, Case-Studies in unterschiedlicher Dosierung im Rahmen der Personalauswahl zu verwenden - somit ist lange nicht jeder Hochschulabsolvent nach seinem Universitätsabschluss vor späteren Case-Study-Aufgaben gefeit…]. Das Szenario entstammt dabei in aller Regel aus tatsächlichen, ggf. leicht verfälschten / anonymisierten Wirtschaftsprozessen. Kennzeichnend ist dabei, dass es keine eindeutige Musterlösung im Sinne einer Mathematikaufgabe gibt, sondern stets verschiedene Lösungsansätze verfolgt werden können. Diese gilt es überzeugend zu begründen, wobei dann insbesondere die Plausibilität bewertet wird. Des Weiteren zeichnen sich Cases Studies durch ihr Volumen aus, verbunden mit der Tatsache, in kurzer Zeit zwischen relevanten und irrelevanten Informationen zu differenzieren und sich auf das Wesentliche fokussieren zu müssen.

Im Anschluss an die Einleitung ist der Text unterteilt in die drei Hauptverarbeitungsschritte: "Analysieren", "Diskutieren" und "Schreiben". Hierbei wird eine Art Taxonomie der Grundformen verschiedener Fallstudien vorgenommen und zwischen "Problem-", "Entscheidungs-" und "Bewertungssituationen" unterschieden. Zur Veranschaulichung flicht der Autor immer wieder Ausschnitte aus Schüler-Lösungen ein. Er bemängelt dabei beispielsweise, dass nur selten die entscheidungsrelevanten Kriterien benannt bzw. spezifiziert werden. Auch andere Optionen neben der präferierten könnten häufiger als in der Regel aufgeführt und bewertet werden. Im Anhang finden sich dann schließlich fünf Beispielstudien, sowohl aus dem Business-Umfeld als auch aus einem mehr politischen Kontext ("Malaysia in den 1990er Jahren") stammend.

Auf das hier besprochene Buch war der Rezensent über die Beschreibung im Verlagskatalog aufmerksam geworden. Schließlich enthält schon der Titel verschiedene Schlüsselbegriffe, die das Werk attraktiv machen: "Fallstudien" als zeitgemäße Lernform, "Harvard" als intellektuelles Mekka mit dem Status eines Qualitätsgütesiegels, "Business Cases selbst entwickeln und erfolgreich auswerten" - verbirgt sich hier nicht ein ganzer Steinbruch an verwertbarem Material für eine ganze Reihe von Anwendungszwecken?

Möglicherweise wird das Buch all diesen - hochgesteckten - Erwartungen gerecht, aber mit Sicherheit nicht auf den ersten Blick. So relativiert der Autor schon in der Einleitung die eigenen Ansprüche, indem er ausdrücklich keine "Theorie der Fallbeispiele" ankündigt - doch diese fehlt auch kaum. Er will aber auch kein klassisches Lehrbuch vorlegen, doch gerade dies würde Sinn machen. Denn in der nachfolgenden Lektüre stellt der Rezensent rasch ein Missverständnis seinerseits fest. Er hatte in diesem Fallstudienbuch in erster Linie eine Vielzahl konkreter Harvard-Cases erwartet, tatsächlich wird aber in erster Linie über Fallstudien geschrieben. So finden sich im Anhang "nur" besagte fünf, z.T. gekürzte eigene Fallstudien - eine, bessere noch mehrere vollständige Lösungen der Aufgaben fehlen ganz.

Auch der Untertitel des Buches "Business-Cases entwickeln…" kann als missverständlich angesehen werden: Im Text geht es an keiner Stelle darum, wie ein Dozent zu seinen Cases kommt, sondern nur - auch im Sinne der angestrebten studentischen Leserschaft - darum, wie damit anschließend verfahren werden soll. Somit bleibt das Buch in der ersten Betrachtung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

Im zweiten Bewertungsschritt erinnert sich der Rezensent dann aber daran, dass es sich bei Fallstudien nun mal per Definition um komplexes Material handelt. So wären eine deutliche Vielzahl von Beispielen vielleicht hilfreich für "Copy & Paste"-Aktivitäten, z.B. als Prüfungsleistung gewesen, aber letztlich in ihrer Aussagekraft beschränkt. Auch von der Hoffnung auf "Musterlösungen" muss man sich wohl trennen. So stellt sich dann rasch die Frage, wie man das Buch hätte besser machen können. Und unter diesem Gesichtspunkt erfreut sich der Rezensent an der klaren Struktur, geprägt von unübersehbarer Erfahrung mit der Materie. Die Zielgruppe des Buches, nämlich Studierende, die sich Case-Studies "ausgesetzt" sehen, ist klar definiert (wenngleich nicht eindeutig auf dem Titelblatt). Nur profitiert diese Zielgruppe erst dann von dem Buch, wenn sie sich konsequent mit dem Inhalt des Buches auseinandersetzt. Und genau dabei werden auch schon die Fähigkeiten abverlangt, die auch für den Umgang mit Fallstudien unverzichtbar sind. Somit kann es eine wertvolle Unterstützung dabei darstellen. Das eigene Denken bleibt aber weiterhin alternativlos - auch nach Lektüre des Buches.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Klaus Stulle)

(kh 25.07.2008)

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ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
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wird dem Buch nicht gerecht 

 

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