Ich halte von E-Coaching sehr wenig. Trotzdem zeigt dieses Buch gut, weil es nachvollziehbar erklärt, was man alles darunter verstehen kann. Ich bin überrascht über die Vielfältigkeit, und in Kombination mit anderen Medien wie Telefon oder Präsenzphasen, ist E-Coaching durchaus sinnvoll. Das Buch setzt sich aus 25 Artikeln zusammen, die zum Teil einen wissenschaftlichen und zum Teil einen sehr stark anwendungsbezogenen und praxisorientierten Anspruch haben. Die Autoren der Artikel sind zum größten Teil Wissenschaftler und Anbieter von E-Coaching.
Thematisch ist das Buch in drei Bereiche eingeteilt
- E-Coaching - Grundlagen und Überblick
- E-Coaching im wissenschaftlichen Diskurs
- Praxisbeispiele, -berichte und -einschätzungen
Das erste Großkapitel beschäftigt sich vor allem mit der Klärung von Begrifflichkeiten. Der Leser bekommt eine Einführung, wie sich Präsenzcoaching von Blended Coaching und E-Coaching unterscheidet und welcher Bezug zum E-Learning besteht. Es ist ganz gut, sich mal mit den Definitionen auseinander zu setzen, aber die Konsequenzen in der Anwendung würden mich noch mehr interessieren. Die Marktübersicht, die in dem folgenden Kapitel geliefert wird, ist sehr viel interessanter. Hier kann sich der Leser einen sehr guten Überblick verschaffen, welcher Anbieter mit welchen Methoden zeitgleich (synchron) oder zeitverschoben (asynchron) arbeitet. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Bei der synchronen Methode kommt man durchaus schneller auf den Punkt. Hier wird mit Audio- und Videokonferenz, Live Chat oder sogar dem Virtual Classroom gearbeitet. Zu den asynchronen Methoden gehören entsprechend dann das E-Mails, Podcasts, Weblogs, Online-Tests oder eine Coaching-Applikation. Bei Letzterem handelt es sich um didaktisch vorstrukturierte Anwendung wie z.B. den persönlichen Lebensentwurf online für die einzelnen Lebensbereiche zu entwerfen. Ob dieses Vorgehen sich durchsetzen wird, bleibt offen.
Einige Anbieter bieten einen kostenlosen Service, der sich zumeist auf einen einmaligen E-Mail Austausch beschränkt, andere Anbieter bieten eine längere Prozessbegleitung. Was auf jeden Fall sicher scheint ist, dass der Bedarf wächst. Die meisten haben sich erst in den letzten Jahren entschieden, E-Coaching anzubieten und scheinen damit erfolgreich zu sein.
In den Beiträgen zum wissenschaftlichen Diskurs verfolgen die Autoren sehr unterschiedliche Zielsetzungen und nehmen verschiedene Perspektiven ein. Angefangen von der Besonderheit von Lernprozessen beim E-Coaching über die Qualifizierung und Qualifikation von Teletutoren bis hin zum Transfermanagement von E-Coaching ist das Themenspektrum sehr weit. Hier liegt die Stärke, aber auch die Schwäche des Buches. Der Leser bekommt ein sehr breites Wissen zu E-Coaching geliefert und kann sich einen guten Überblick verschaffen, was alles möglich ist. Die Schwäche liegt in der fehlenden nachhaltigen Evaluation der Anwendungen. Dies mag bestimmt auch daran liegen, dass es noch wenig Referenzprojekte gibt. Eines ist aber hier schon klar. Die Autoren sind sich einig, dass Coaching nur über E-Mail über längeren Zeitraum nicht zum Erfolg führt. Ein Mix von Medien und/oder Präsenzphasen ist hilfreich und auch notwendig, um sinnvoll Coachings zu gestalten.
Der vielleicht interessanteste, aber zum Teil auch schlechteste Teil des Buches ist der Praxisteil, in dem Anwender berichten. Schlecht ist, dass einige Artikel wie Werbung für die eigene Anwendung geschrieben sind. Etwas mehr Distanz und Reflexionsvermögen hätte ich schon erwartet. Einige Artikel sind redundant und ich habe mich mehrmals gefragt, was der Autor mir mitteilen will. Interessant und wichtiger ist allerdings, wie unterschiedlich die einzelnen Anbieter E-Coaching in ihr Geschäftskonzept einfließen lassen. Der drittel Teil ist vor allem für Coaches und Berater interessant, die sich mit der Idee beschäftigen, E-Coaching oder E-Learning in ihr Konzept einzubinden. Hier findet der Leser einen Pool an Ideen, die zum Teil schon sehr ausgereift sind, aber auch zum Experimentieren einladen. Eines zeigt dieses Buch sehr deutlich. E-Coaching, wie auch immer man es definieren mag, steckt noch in den Kinderschuhen. Es ist genauso wie E-Learning kein Allheilmittel, aber ein interessanter Ansatz, der in Kombination mit anderen Methoden durchaus zukunftsweisend ist.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Susanne Kitlinski) |