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  Buchbesprechung


Elite ohne Ethik?
Die Macht von Werten und Selbstrespekt

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Pinnow, Daniel F.
1. Aufl. (2007)
Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN: 3899811372


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Ethik, Elite, Führung

Themenliste Literatur
Führung   Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden.

Herr Pinnow, unter anderem Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft GmbH, erklärt in seinem Buch anschaulich und fundiert, warum Deutschland eine neue Führungselite braucht, und welche Eigenschaften diese mitbringen muss. Contra exklusive Zirkel und kurzfristige Interessen zeichnet die neue Elite, so der Autor, vor allem Sozialkompetenz, Achtung vor sich selbst und Kompromissfähigkeit aus.

Bereits im Vorwort werden Kernaussagen und Sympathien Herrn Pinnows sehr deutlich. Ungewöhnlich klare Stellungnahmen zu einzelnen Persönlichkeiten fand die Rezensentin dabei sehr erfrischend. So lobt der Autor beispielsweise Angela Merkels Kompromissfähigkeit und deren Verzicht auf "dominantes Altherrengehabe und Machtspielchen" und bezeichnet an anderer Stelle das Verhalten Gerhard Schröders bei dessen Wahlniederlage als "Weigerung eines Machthungrigen, Einfluss abzugeben".

"Elite ohne Ethik?" gliedert sich in drei Hauptkapitel und ein abschließendes Resümee.
Im ersten Kapitel setzt Pinnow sich mit dem Ethikbegriff auseinander und leitet nachvollziehbar her, welche Werte heute über Unternehmenserfolg entscheiden. Die Situation in Deutschland ist laut Pinnow geprägt durch Vertrauensmangel und Kommunikationsprobleme, gelebte Wirtschaftsethik findet man vorwiegend im Mittelstand. Der Autor zeigt, warum kein Unternehmen ohne ethische Grundsätze langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein kann, warum Streben nach Profit nicht unmoralisch, und Vertrauen der profitabelste Unternehmenswert ist. Bei seinen beispielreichen Erläuterungen reicht Pinnows originelle Zitatewahl von Horst Köhler bis zu Hägar dem Schrecklichen.

In Kapitel zwei folgen eine umfassende Definition des Elitebegriffs und die Erklärung, warum sich das aktuelle Bildungssystem schwer tut, eine neue Führungselite hervorzubringen. Pinnow hält beispielsweise den Wunsch nach Homogenität beim Bildungszugang für illusionär und gefährlich, man müsse vielmehr verstehen, dass beispielsweise handwerkliche Leistung genauso wichtig sei wie geistige. Eliterekruitierung orientiert sich laut Pinnow (hier stimmt er der Kritik Michael Hartmanns zu) nach wie vor primär an Habitus und Herkunft.

Kapitel drei, das Herzstück dieser gelungenen, wissenschaftlich fundierten Analyse setzt sich mit den erforderlichen Eigenschaften der neuen Führungselite auseinander. Hier ist insbesondere die Erkenntnis hervorzuheben, dass jeder, der führt, sich zunächst mit dem eigenen Ich beschäftigen sollte - eine nach Pinnow eher unbeliebte Thematik bei den aktuellen Managern. Die Kunst, sich selbst zu managen, so Pinnow, hat als Basis die Bewusstmachung, dass Veränderung die Regel ist und es keine Beständigkeit gibt. Systemisch führen mit einem eigenen flexiblen Führungsstil, den man individuell der Situation und Person anpasst, ist laut Pinnow folgerichtig der Schlüsselfaktor. Zum besseren Verständnis für Laien liefert er eine Erläuterung der Systemtheorie als Basis gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Funktionsmechanismen gleich mit. Im Folgenden setzt der Autor sich mit der Bedeutung von Spiritualität und Vertrauen auseinander. Spiritualität ist laut Pinnow so wichtig, weil Geld nicht für Sinn im Leben sorgt.
Vertrauen schafft Motivation und Energie und ist Basis für Kooperation. Wer integer ist kann kaum manipuliert werden. Zudem bestätigen Ergebnisse der Evolutionsforschung, dass der Mensch eine Tendenz zu altruistischen Verhaltensweisen hat. Das Kapitel runden Interviews mit Vertretern der neuen Führungselite ab, die auf Fragen zu Werten, sozialer Verantwortung ("Corporate social responsibility"), Leistung und Spiritualität antworten, wie z.B. Klaus Hipp, der in seinem Ethik-Management-Programm festgelegt hat, dass Handeln stets auf langfristige Erfolgserzielung auszurichten ist.

Insgesamt ist Elite ohne Ethik nicht nur für Personaler und Manager ein lesenswertes Buch, weil Fragen nach Sinn und Werten jeden betreffen. Der Autor vertritt seine Thesen dabei derart authentisch und facettenreich, dass man über das eine oder andere Thema gerne persönlich mit ihm diskutieren möchte.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Melanie Cordini )

(Melanie Cordini 10.11.2008)

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