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Selbstmanagement |
Nur wer sich selbst führen kann, der vermag auch andere zu führen. Alles zum Thema Selbstmanagement, Selbstcoaching, Zeitmanagement etc. |
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Bonding-Kreislauf (jt) |
Menschen sind auf die eine oder andere Weise immer verbunden - mit anderen Menschen, Tieren, Gegenständen, Ereignissen. Das folgende Modell hilft zu verstehen, warum wir manchmal vor scheinbar unüberwindbaren Aufgaben stehen.* |
"Hostage at the Table. How Leaders Can Overcome Conflict, Influence Others, and Raise Performance" – so lautet der englische Originaltitel des Buches. Dies scheint mir den Inhalt deutlich besser wiederzugeben. Denn der deutsche Titel wirkte auf den ersten Blick wie ein Handbuch der Verhandlungsführung. Tatsächlich geht das Werk aber weit darüber hinaus.
Der Autor, George Kohlrieser, schreibt aus einer ganz speziellen Perspektive. Denn neben seiner Tätigkeit als klinischer und Organisationspsychologe arbeitet er als Geiselexperte für die Polizei. Einflussnahme und Konfliktbewältigung bekommen so eine ganz andere Dimension. Bislang wurde Kohlrieser viermal selbst als Geisel genommen und konnte sich jedes Mal "durch den Einsatz seiner Führungskompetenzen durch Verhandlungen befreien."
Dies klingt für den Leser äußerst reizvoll und so stürzt er sich in die neun Kapitel auf etwa 300 Seiten.
Zu Anfang fordert Kohlrieser den Leser zu einer Selbstdiagnose heraus: "Sind Sie gefangen ohne es zu wissen?" lautet die Überschrift des ersten Kapitels. Er betont wiederholt, wie wichtig es sei, sein Denken und Fühlen zu steuern. Zu viele Menschen seien Geiseln ihrer Gefühle, irgendwelcher äußerer Umstände, den Erwartungen anderer Menschen etc. In den nächsten Kapiteln stellt er verschiedene Werkzeuge vor: Kapitel 2 ist dem "geistigen Auge" gewidmet, welches es jedem Menschen ermöglicht, Ziele zu erreichen, die eigene Motivation zu lenken u.v.m. Zusammenfassend schreibt Kohlrieser: "Unser geistiges Auge bestimmt unsere Möglichkeiten und Grenzen, und unsere mentale Verfassung bestimmt das Ergebnis, das wir erzielen. Die Fähigkeit, sich in die richtige Verfassung zu versetzen, ist das Geheimnis aller herausragenden Führungspersönlichkeiten.
Kapitel 3 stellt den Bonding-Kreislauf vor ("ein wirkungsvolles Instrument, um zu verstehen, was uns und andere motiviert"). Die grundlegende Bedeutung von Bindungen für Menschen hebt er mehrfach hervor.
Kapitel 4 ist der Bedeutung von Basen gewidmet. Laut Kohlrieser bieten Basen Schutz, Wohlbefinden und Energie. Es kann sich dabei um ganz verschiedene Dinge handeln. Dem einen bieten die Eltern, der Partner oder der Coach eine sichere Basis. Dem anderen können abstrakte Dinge wie Ziele, Überzeugungen oder Religionen als Basis dienen. Andere finden sichere Basen bei Haustieren, Orten oder Gegenständen. Er schreibt: "Sichere Basen sind diejenigen Menschen, Ziele oder Dinge, mit denen wir auf besondere Weise verbunden sind. [...] Je stärker unsere Basen sind, desto stabiler bleiben wir in widrigen Umständen." Ausdrucksvoll schildert er, was passieren kann, wenn sichere Basen wegbrechen oder fehlen.
Die nächsten drei Kapitel sind eher anwendungsorientiert. Konfliktmanagement, das Führen eines effektiven Dialogs und die Macht der Verhandlung werden in jeweils einem Kapitel bearbeitet. Kapitel 8 ("Wie man lernt, seine Gefühle zu beherrschen") zeigt die Bedeutung von Gefühlen, nennt Emotionsphasen und -muster.
Das Kapitel 9 ("Ein Leben frei von mentaler und emotionaler Gefangenschaft") bündelt die Informationen der vorangegangenen Kapitel. Die Erkenntnisse werden zusammengeführt und anwendungsgerecht aufbereitet.
Insgesamt ist Kohlrieser ein faszinierendes Werk geglückt. Denn selten ist es einem Autor so gut gelungen, neue (z.B. aus der Neurophysiologie) und ältere Erkenntnisse (z.B. Harvard-Konzept) einzuführen, miteinander zu verbinden und in einen Gesamtkontext zu stellen, ohne dabei den praktischen Bezug zur Anwendung zu verlieren.
Auf den ersten Blick mögen die losgelösten Zitate in dieser Rezension etwas abgehoben oder schwer greifbar klingen. Das Gegenteil ist der Fall: Sein Buch ist von einer einfachen und anschaulichen Ausdrucksweise geprägt, der Bezug zur Anwendung (im Beruf oder im Privaten) wird deutlich aufgezeigt und seine Denkanstöße und Anregungen sind prägnant und konkret.
Zentrale Aussage des Buches ist es, dass jeder Mensch aktiv und frei wählen kann, ob er sich in eine Opferrolle fügt oder stattdessen Versuche unternimmt, die Situation zum Positiven zu wenden. Dies gilt sowohl für Extremsituation – wenn jemand mit der Waffe in der Hand vor einem steht – als auch für allseits bekante Konstellationen – wenn die Umstände, der Vorgesetzte, der Mitarbeiter etc. Schuld an der Misere sind.
Als wichtigste Instrumente nennt er die Fähigkeiten
- eine persönliche Beziehung zu jedem (auch destruktiven) Menschen aufzubauen
- das eigene Denken und Fühlen zu steuern bzw. sich in die geeignete Verfassung zu versetzen
Rund um seine zentrale Aussage herum informiert Kohlrieser umfassend über Vorbedingungen, Werkzeuge, Anwendungsmöglichkeiten, Sinn, Nutzen, Ziele etc. Jeder Mensch kann lernen, wie er sich aus Situationen, die ihn gefangen nehmen, befreien kann.
Gewürzt ist das Buch mit vielen Beispielen aus seiner Arbeitspraxis oder der Presse. Einige seltene Male kamen mir die Beispiele etwas banal vor, trotzdem waren sie nett zu lesen. Einzige Schwäche des Buches: Die Grundlagen-Kapitel am Anfang sind nicht ganz so flüssig zu lesen wie der Rest des Buches. Möglicherweise ist der Gesamtkontext dort noch nicht so deutlich.
Doch wer das Buch zur Seite legt, verpasst ein gelungenes Werk: Ein Autor, der etwas zu sagen hat und dies auch noch anschaulich darstellen kann. Eine höchst gelungene Kombination!
(MWonline zur Verfügung gestellt von Christian Warneke )
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(ottobc 13.12.2008) |
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