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Über den inneren Schweinehund - dieses undefinierbare Etwas, welches uns Menschen anscheinend immer wieder erfolgreich von vielen guten Taten abhält - hat Marco von Münchhausen schon einige Bücher verfasst. Allerdings geht es in seinem neuen Buch nicht um das Bekämpfen, sondern eher um das Einbinden dieses Verhinderers guter Taten. Von Münchhausen geht hierfür quasi in den Keller der menschlichen Persönlichkeit und fragt, auf welchen Fundamenten wir unser Leben eigentlich aufgebaut haben. Oder besser: auf welchen Werten wir es aufbauen sollten.
Das "Wertebrevier für den Alltag" - so der Untertitel - beschäftigt sich in seinen drei Teilen mit der Beweisführung, dass ein tugendhaft geführtes Leben nicht nur einfach gut und richtig ist, sondern sehr wahrscheinlich auch glücklich macht.
Wenn manch ein Leser dieser Rezension jetzt die Augenbrauen hochzieht, skeptisch dreinblickt und sich vor seinem inneren Auge schon jeglicher Freuden im Leben beraubt sieht, dann sei diesem Leser resp. Leserin gesagt: Mitnichten ist dies ein freudloses, miesepetriges Werk. Ganz im Gegenteil. Es ist sehr unterhaltsam geschrieben, im besten Sinne populärwissenschaftlich in seiner Verbindung zwischen alltagstauglichen Beispielen und psychologisch-philosophischen Aspekten.
Der Autor eröffnet sein Buch humorvoll mit einem Interview des Schweinehundes, um im anschließenden ersten Teil zunächst die Moral ins Zentrum zu stellen. Von Münchhausen erläutert, weshalb der Schweinhund die Moral nicht mag, beschreibt die althergebrachten sieben menschlichen Hauptlaster, führt seine Leserschaft durch kurze Abhandlungen zum Thema Werteverlust bzw. Wertewandel und landet schließlich bei den Tugenden. Diese Tugenden, vorrangig unterschieden in Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit) und Sekundärtugenden (z.B. Fleiß, Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit), werden uns Leser und Leserinnen das ganze Buch hindurch begleiten. Denn auf den Tugenden baut der Autor seine Beweisführung schließlich auf.
Im zweiten Teil definiert der Autor die beliebtesten Tummelplätze und Taktiken der Schweinehunde. Er beschreibt deren Vorlieben und ihr Repertoire, um tugendhaftes Leben möglichst erfolgreich sabotieren zu können.
Teil drei schließlich widmet sich unseren Strategien im Umgang mit unserem individuellen Schweinehund, welche Spielregeln und Trainingsinhalte wir benötigen, um mit unserem Schweinehund gut und richtig, also tugendhaft und glücklich zu leben.
Eine kurze Zusammenfassung der besten Tipps zum Umgang mit dem inneren Schweinehund rundet das Buch ab.
Der Schweinehund.
Laut Marco von Münchhausen lauert er überall dort, wo wir um des schnellen Genusses oder Vorteiles Willen "ein Auge zudrücken", also entgegen unserer im Grunde ja vorhandenen Erkenntnis des Guten und Richtigen handeln. Sei es bei der jährlichen Steuererklärung, mit der wir noch ein paar Cent Erstattung mehr herausholen wollen, sei es im Angesicht eines verlockenden Kuchenbuffets, welches uns trotz Sättigung dennoch zu einem weiteren Stück greifen lässt, sei es bei dem geplanten Jogginglauf, den wir, weil es wahrscheinlich sowieso gleich anfangen wird zu regnen, ersatzlos streichen.
Tugendhaftes Leben nach Münchhausen bedeutet also, bei dem als gut und richtig erkannten Verhalten zu bleiben und sich dessen Gewinn daraus zu vergegenwärtigen. Dieser Gewinn wiederum ist dann das unschlagbare Argument in den „inneren Verhandlungen“ mit unserem Schweinehund. Denn der Schweinehund will im Grunde ja immer nur unser Bestes: Nicht zuviel Anstrengung, möglichst viel Geld und Genuss usw. Im Prinzip wollen wir das ja auch, sind so gesehen also Verbündete unseres Schweinehundes, nur dass er eben den kurzen, direkten Weg zum Genuss sucht - ohne die Folgen zu bedenken - während wir als bestenfalls kluge, weitsichtige Menschen auch bereit sind, Umwege zu gehen oder auch Verzicht zu üben, um einen länger anhaltenden Genuss zu bekommen.
Beispiel gefällig? Bittesehr: Sie finden ein Portemonnaie mit 100 Euro und ein paar Taxi-Quittungen. Super, wo Sie doch finanziell immer etwas klamm sind! Geben Sie die Geldbörse nun bei der Polizei ab oder nicht?
Ihr Schweinehund in Ihnen sieht die 100 Euro und lässt Sie damit shoppen gehen. Ein schneller Genuss, so unerwartet und praktisch kostenlos einkaufen zu können. Andererseits: Das schlechte Gewissen, auf Kosten eines Anderen sich etwas gekauft zu haben und die Windungen in Ihren Erklärungen gegenüber guten Freunden, woher Sie das Geld für die neue Hose oder das neue Kleid hatten? Können Sie die neuen Kleidungsstücke wirklich genießen?
Geben Sie hingegen das Portemonnaie bei der Polizei ab, verzichten Sie zwar auf die kostenlose Shoppingtour, bekommen dafür aber erstens ein gutes Gewissen und verhelfen zweitens dem Besitzer dieser Geldbörse, nicht nur sein Geld zurück zu bekommen, sondern womöglich auch seine Quittungen beim Arbeitgeber einzureichen, mit denen er seine Vorauslagen erstattet bekommt. Die Vorstellung, einem anderen Menschen derart geholfen zu haben, ergibt zusammen mit dem Gefühl, durch die Abgabe der Geldbörse ehrlich gewesen zu sein, schon mal zwei langanhaltende Genüsse.
Um tugendhaftes Verhalten zu trainieren, stellt uns der Autor im Weiteren u.a. den kategorischen Imperativ nach Immanuel Kant vor: Ich werde mir klar darüber, was ich tun will und frage mich anschließend, was passieren würde, wenn alle Menschen genauso handeln würden wie ich es vorhabe.
Das Prinzip ist recht simpel und dennoch effektiv, wenn ich herausfinden will, ob mein Verhalten tugendhaft im Sinne von gut und richtig ist. Wenn ich beispielsweise vorhabe, 20 Euro aus unserer Vereinskasse mitgehen zu lassen, fällt das vielleicht gar nicht auf. Mir helfen diese 20 Euro sehr und der reiche Verein spürt diesen Verlust möglicherweise überhaupt nicht. Wenn aber alle Vereinsmitglieder jeweils 20 Euro mitgehen ließen, würde das dem Verein wahrscheinlich seine Existenz kosten. Damit wäre ich um eine sinnvolle Freizeitmöglichkeit und um einige soziale Kontakte ärmer. Der Gewinn der 20 Euro stünde also in keinem Verhältnis zu dem erwartbaren Verlust.
An Beispielen mangelt es nicht in diesem Tugend-Buch und mit Sicherheit findet jeder Leser und jede Leserin darin Bekanntes aus dem eigenen Leben. Besonders einprägsam war für den Rezensenten (warum wohl?) der Tipp, immer einen "Plan B" vorbereitet zu haben, wenn z.B. regenbedingt das Joggen mal wieder ausfallen soll: Sport und Bewegung sind wichtig (= langanhaltender Genuss, da gesundheitsfördernd). Der Schweinehund würde dann sagen: "Bei dem Wetter holst Du Dir ja einen Schnupfen, wenn Du jetzt draußen rumrennst!" Da hat er wahrscheinlich recht, aber ich habe ja "Plan B", um meinem Körper etwas Gesundheitsförderndes angedeihen zu lassen: Wenn wetterbedingt das Joggen ausfallen muss, gehe ich eben ins Schwimmbad! Ich passe also nur die Methode den Gegebenheiten an, aber das (tugendhafte) Prinzip bleibt erhalten.
In diesem Sinne: Lesen Sie das Buch mit Genuss!
(MWonline zur Verfügung gestellt von Detlef Schmidt )
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(Schmidtcoaching 15.01.2009) |
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