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Selbstmanagement |
Nur wer sich selbst führen kann, der vermag auch andere zu führen. Alles zum Thema Selbstmanagement, Selbstcoaching, Zeitmanagement etc. |
Heinrich Heine erzählt in seinen Memoiren die Geschichte von den Negern im Senegal, die steif und fest behaupten, Affen seien Menschen wie wir, nur klüger. Sie würden nämlich deshalb nicht sprechen, weil sie nicht als Menschen anerkannt und zum Arbeiten gezwungen werden wollten.
Seit Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, muss "Arbeit" als Fluch angesehen werden.
Die beiden Autoren beschreiben im ersten Teil ihres Buches diesen Fluch, unter dem noch heute angeblich 85% der "Un-Arbeitslosen" leiden. Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler und sogar ein deutscher Botschafter in Asien haben den Autoren dieses Buches erzählt, dass ihr Gehalt zu niedrig sei, der Chef ihre Arbeit nicht genügend schätze und sie zu wenig Einfluss und zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten hätten.
Die Verfasser schildern dies so eindringlich, dass einem fast die Tränen kommen vor Mitleid. Doch die Leser erinnern sich an das große Versprechen, das ihnen die Autoren schon auf der ersten Seite des Buches gegeben haben, dass sie sich keinen neuen Job suchen, sondern nur ein "paar Tricks kennen müssten, um ihr Leben zu retten vor endloser Enttäuschung, Traurigkeit und Leere."
Ich frage mich, ob es sich bei diesem Text nicht doch um eine Satire handelt?
Doch am Ende des ersten Teils macht sich beim Leser – jedenfalls bei mir – Frust breit. Die Autoren gestehen eher beiläufig, dass sie geschummelt haben. Sie geben zu, dass es schon Gründe geben könne, um den Job zu wechseln. Gleichwohl halten sie an der These fest, dass ein Jobwechsel überflüssig sei und sagen warum: Unsere Einstellung zu den Dingen sei falsch, die Erwartungen zu hoch. Man müsse aus der Not eine Tugend machen. Der Schlüssel liege im Unterbewusstsein; der große Gegenspieler sei die Angst. Man könne aber dem Unterbewussten ein Schnippchen schlagen, und zwar mit Affirmationen, also mit Selbstsuggestion wie man es im Gebet oder bei Mantras macht:
- Ich bin frei von Sorge und Angst.
- Ich freue mich über das Leben und nehme alles an, was kommt.
- Ich liebe das Leben.
- Ich bin stark.
- Ich bin wertvoll.
- Ich liebe mich selbst, ich werde geliebt.
Die Autoren empfehlen "Psychohygiene": Sie besteht darin, unsere Gefühle nicht zu verdrängen und die Verantwortung für sie an den Himmel oder an das Schicksal abzugeben. Wie soll das funktionieren? Beispiel Neid: Sagen Sie bewusst "Ich bin neidisch, ich habe ein Recht dazu. Ich gebe die Verantwortung für mein Neidischsein ab und bin frei von unangenehmen Gedanken und Gefühlen."
Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Hat das nicht schon der Amerikaner und positive Denker Dale Carnegie ("Sorge dich nicht, lebe!") so ähnlich formuliert? Dabei ist Carnegie nicht einmal die Erfinder des positiven Denkens. Die positive Programmierung des Selbst ist keine moderne Erfindung, sondern eine antike Technik, die aus der stoischen und epikureischen Philosophie kommt. Ob man die Dinge "positiv" oder "negativ" bewertet, ist eine Frage der Vorstellung, die man sich von ihnen macht. Der Gebrauch der Vorstellungen steht in unserer Macht und erlaubt uns, missliche Dinge auch so zu interpretieren, dass sie in einem positiven Licht erscheinen. Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellung, die wir uns von ihnen machen. Doch die antiken griechischen Denker waren nicht so naiv wie Carnegie, die Wirklichkeit auszublenden und das Negative beiseite zu schieben. Die alten Griechen waren immer auf das Schlimmste gefasst, was man von den modernen Verfechtern Carnegie, Murphy, Hill und Freytag nicht sagen kann. Sie glauben auch an die Kräfte, die angeblich aus dem Unterbewussten mobilisierbar sind. Und das genau tun die Autoren Kitz und Tusch. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie sagen dem Leser, wie man am Arbeitplatz zufrieden und glücklich werden kann durch Übungen: Wie man Konflikte löst, sich körperlich entspannt, Ich-Botschaften formuliert und gewaltfrei kommuniziert.
Dass die Unternehmen alles dafür tun müssen, um die Mitarbeiter, glücklich und zufrieden zu machen, möchte ich bezweifeln. Die Mitarbeiter sollten für das Geld, das sie bekommen, auch schon etwas leisten.
Die Lösungen, die Kitz und Tusch anbieten, sind idealistisch und ehrenwert. Es ist die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Nur mit der Realität hat das alles nicht viel zu tun. Ich für meine Person bin lieber unzufrieden als fatalistisch.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List ) |
(letter 27.01.2009) |
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