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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Die Management by-Konzepte sind aus der Mode gekommen, von Management by Objectives einmal abgesehen. Bei dem Buchtitel "Management by Heroes" habe ich gedacht, es handle sich um eine Persiflage wie bei "Management by Champignon" (= Mitarbeiter im Dunkeln lassen, gelegentlich mit Mist bestreuen, und wenn sich ein heller Kopf zeigt, abschneiden).
Ich habe mich geirrt. Es sollte wohl die zündende Marketing- Idee sein, das ultimative Management by-Konzept. Man liest immer noch in Unternehmensleitbildern, dass Führungskräfte Vorbilder sein sollen.
Der Autor Werner Fuchs schreibt in der Einleitung, dass Vorbild nicht reiche, denn ein Vorbild könne mit der "Anziehungs- und Wirkungskraft eines Helden nicht mithalten", denn Helden kämpften für etwas, für das große Ganze, was mit ganz persönlichen Werten zu tun hätte.
Seine zentrale Figur ist der griechische Held Odysseus, weil seine "Managementfähigkeiten für das Unternehmen Troja von großer Bedeutung" gewesen wären. Zur Erinnerung: Der von Poseidon Gejagte kehrt bei Homer nach zehn Jahren Krieg und weiteren zehn Jahren Irrfahrt zu Penelope zurück. Was bei Homer eher eine Liebesgeschichte ist, beschreibt der Italiener Dante als Tragödie. Der Intrigant Odysseus stirbt und landet im siebten Kreis der Hölle.
Wenn man unbedingt einen Helden aus der griechischen Mythologie sucht, der eine Lichtgestalt für das Management wäre, dann ist es Herkules. Er hatte zwölf Aufgaben zu erledigen im Auftrage des Königs Eurystheus. Er musste u.a. den nemeischen Löwen erwürgen, Antäus im Ringkampf besiegen, den Wachhund Zerberus fangen und die vielköpfige Hydra töten. Doch wie er die fünfte Aufgabe löste, ist symbolträchtig. Herkules sollte an einem einzigen Tag die Aufgabe bewältigen, den Stall des Augias auszumisten. Es war immerhin der Mist von dreitausend Rindviechern. Herkules riss den Boden des Stalls auf einer Seite zu einem Kanal auf, leitete die beiden Ströme Alpheios und Peneios durch den Kanal, und der ganze Mist wurde mit großer Wucht weggeschwemmt.
Diese Tat steht für Wandel und Neuanfang. Sie ist außerdem ein Musterbeispiel gelungener Projektarbeit. Herkules löste die Aufgabe wie ein Unternehmer: Mutig (er kannte das Risiko), entschlossen und voller Energie. Er fand eine originelle Lösung. Die Symbolik seiner Tat haben Führungskräfte von heute verstanden: Ausmisten, aufräumen, Neuanfang. Eine saubere Lösung.
Auch die Helden von heute, Manager und Unternehmer, soll man an ihren Taten messen, so der Autor. Bei Jack Welch, dem ehemaligen Chef von General Electric, bewundert er die Philosophie, die er verfolgte, dass es im Management nur auf die Ergebnisse ankomme. Diese Erkenntnis stammt von Peter Drucker, aber Welch hat sie umgesetzt. Auch der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist ein Held. Er kannte das Risiko und führte Porsche wieder in die Gewinnzone. Die Aldi-Brüder gehören auch dazu. Management by Heroes gehöre bei ALDI zu den "kulturellen Werten und Regeln". Doch zur Unternehmenskultur bei ALDI gehörte auch, dass dort über Jahrzehnte Betriebsräte verhindert wurden, was der Autor nicht erwähnt. Auch Manager, die gescheitert sind, kommen nicht vor. Von Helden wie dem letzten Lehman-Chef Richard Fuld oder Georg Fuchs von der Hypo Real Estate konnte der Autor noch nichts wissen. Es sind tragische Helden.
Ich bin noch keinem Manager begegnet, der gerne Vorbild wäre, geschweige denn ein Held. Kinder brauchen Vorbilder und Helden, mündige Mitarbeiter nicht.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List )
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(letter 27.04.2009) |
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