"Immer, wenn ich von meiner Personalabteilung etwas wollte, bekam ich ein Formular." Gleich in der Einleitung verweisen die Herausgeber auf die unterschiedliche Qualität und Bandbreite der Personalarbeit in Unternehmen. Als zentrales Problem stellen sie fest, dass immer mehr personalwirtschaftliche Aufgaben (z.B. Ermittlung des Personalbedarfs, Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern etc.) ganz oder teilweise von (Fach-)Führungskräften verschiedensten Hintergrunds geleistet werden müssen. Es zeigt sich, dass Führungskräfte Instrumente der Personalarbeit (z.B. Beurteilungs-, Zielvereinbarungs-, Fehlzeitengespräche) teilweise als Belastung missverstehen. Derartigen Missverständnissen versuchen die Herausgeber mit dem Buch zu begegnen: "Ein wichtiges Ziel des Buches ist es, die Vorgesetzten über die zentralen Instrumente [der Personalführung] zu informieren und sie dazu zu motivieren, diese Instrumente für sich als Führungskraft einzusetzen" (S. 16). Dabei soll die Sichtweise der Anwender und Betroffenen gleichermaßen dargestellt werden.
Insgesamt 15 Kapitel auf 386 Seiten erwarten den interessierten Leser. Zehn Autoren haben ein oder mehrere Kapitel beigesteuert. Natürlich ist es dadurch für diese Rezension schwieriger, das Buch als Gesamtes zu beschreiben.
Das Buch ist wie folgt aufgebaut: Zunächst wird Basiswissen vermittelt (Kapitel 1: Einleitung, Kap. 2: Arbeitsrechtliche Grundlagen, Kap. 3: Demografischer Wandel: Ältere Mitarbeiter im Unternehmen). Anschließend werden zwei in Unternehmen umgesetzte Konzepte jeweils in einem Kapitel vorgestellt (Kap. 4: Das Konzept Diversity-Management, Kap. 5: Das Konzept "Work-Life-Balance"), bevor verschiedene spezifische Themengebiete mit ihren Instrumenten beschrieben werden:
- Kap. 6: Personalauswahlverfahren
- Kap. 7: Einführungskonzept für neue Mitarbeiter am Beispiel der Heidelberger Druckmaschinen AG
- Kap. 8: Grundlagen der Personalentwicklung
- Kap. 9: Alternsgerechte Personalentwicklung
- Kap. 10: Die Mitarbeiterbeurteilung
- Kap. 11: Entlohnungs- und Gehaltssysteme
- Kap. 12: Arbeitszeitregelungen als Instrument der Personalführung
- Kap. 13: Teamarbeit
- Kap. 14: Mitarbeiterführung
- Kap. 15: Zusammenfassung: Möglichkeiten der Mitarbeiterbindung
Die Kapitel vermitteln auf meist zwischen 20 und 30 Seiten einen guten Überblick und solides Grundwissen über das genannte Themengebiet. Natürlich unterscheiden sich Schreibstil, inhaltliche Tiefe und Prägnanz bei den verschiedenen Autoren. Der eingangs genannte Zweck, Führungskräfte über Grundlagen der Personalarbeit aufzuklären, wird jedoch erreicht. Und noch mehr: Gerade im Personalbereich sind die Ausbildungswege und Bildungshintergründe vielfältig. Auch hier schafft das Buch Abhilfe: Egal, ob Psychologe, Jurist, Betriebswirt, Pädagoge, Autodidakt oder Quereinsteiger, jeder Personaler kann hier durch das Lesen ausgewählter Kapitel seinen Horizont erweitern. Gerade für Hochschulabsolventen und Berufsanfänger ist hier ein Blick über den Tellerrand des eigenen Studienfachs möglich. Erfahrene Personaler sollten hier allerdings wenig Neues kennen lernen.
Dieser Aufbau bedeutet natürlich auch eine Beschränkung der Inhalte. So findet sich in mehreren Kapiteln der Hinweis darauf, dass sich über dieses Thema weit mehr schreiben ließe, als es im folgenden Kapitel möglich sei.
Der Rezensent empfindet dies jedoch nicht als Nachteil, da es explizites Ziel des Buches ist, Grundlagenwissen für die Praxis zu vermitteln. Wer weiterlesen möchte, findet in den Fußnoten reichlich Material. An dieser Stelle sollen die Kapitel verschiedener Autoren nicht gegeneinander abgewogen werden. Dem Rezensenten sind einige besonders gelungene Kapitel aufgefallen. Dennoch ist es wichtig zu schreiben, dass es keinen komplett missratenen Beitrag gibt.
Autorenprofile, Literatur- und Stichwortverzeichnis runden das Buch ab.
Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Werk, welches in kompakter Weise grundlegendes Wissen zur Personalarbeit liefert. Dabei ist es gut möglich, lediglich ausgewählte Kapitel zu lesen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Christian Warneke ) |