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Kommunikation |
Alles, was uns hilft, das Miteinander Umgehen besser zu verstehen und besser miteinander umzugehen |
Die Herausgeber gehören zu den deutschen Spitzenforschern rund um das Thema Kommunikations- oder Medienpsychologie. Sie legen hier sozusagen den Stand der Forschung dar. Kommunikationsprozesse einschließlich ihrer Bedingungen, Ergebnisse und Folgen werden unter psychologischer Perspektive beschrieben, analysiert und erklärt. Das geht also deutlich über die Kenntnis des "Vier-Ohren-Modells" (Schultz von Thun) hinaus...
Auch wenn die Herausgeber im Vorwort versprechen, dass neben einer wissenschaftlichen Ausrichtung der Praxisbezug deutlich werden soll, muss man den Lesern an dieser Stelle schon raten, die Ansprüche diesbezüglich nicht zu hoch zu hängen - mit einer kleinen, ins Thema einleitenden Fallskizze zu Beginn eines Kapitels, die dann im Weiteren überhaupt nicht mehr aufgegriffen wird, hält sich der Praxisbezug doch deutlich in Grenzen. Die deutschen Forscher und ihre Verlage können (und wollen?) offenbar nur "trocken". Und das ist eigentlich schade. Denn es ginge auch anders. Und gerade zum Thema hätte sich das sehr schön angeboten.
Das Buch gliedert sich in zwei große Themenblöcke. Der erste Block behandelt die direkte Kommunikation sowie die mediale Individual- als auch Massenkommunikation. Der zweite Block hat die Medienangebote im Blick: deren Nutzung, Verarbeitung und Wirkung auf die Rezipienten.
Im ersten Block geht es nach einem Einführungskapitel zunächst grundsätzlich um kognitive, emotionale und soziale Aspekte von Kommunikation (Kap. 3-8); hier werden vor allem die sozialpsychologischen Grundlagen gelegt. Sodann wird Kommunikation in unterschiedlichen Kontexten, beispielsweise in der interkulturellen Kooperation oder in der gesundheitsbezogenen Risikokommunikation beleuchtet (Kap. 9-12).
Der zweite Block (Kap. 15-23) geht den klassischen Fragestellungen – Was machen die Menschen mit den Medien (Mediennutzung)? Was machen die Medien mit den Menschen (Medienwirkung)? – nach, wobei einige Themen besonders herausgestellt werden. So behandelt Kapitel 19 die politische Kommunikation (Agenda Setting usw.). Kapitel 20 nimmt sich die Unterhaltung (ein lange verpöntes Thema) vor, und zeigt u.a. mit dem Uses-and-Gratification-Approach sowie dem Mood-Management-Ansatz wichtige Konzepte und zugehörige empirische Ergebnisse auf. Ebenfalls separat werden die Themen "Erotik und Pornografie" (Kap. 22) sowie "Computer- und Videospiele" (Kap. 23) behandelt. Dabei wird deutlich, was wir inzwischen zu den Themen wissen; aber auch, was noch erforscht werden muss.
Zwischen den beiden großen Blöcken haben die Herausgeber zwei weitere Kapitel als Brücke geschaltet. Kapitel 13 widmet sich der Medienkompetenz, einem umstrittenen, weil mitnichten wertneutralem Konzept, das allerdings immer wieder als sogenannte Schlüsselkompetenz hervorgehoben wird. Kapitel 14 untersucht, wie sich direkte und mediale Kommunikation unterscheiden – und welche Gemeinsamkeiten sie haben.
Die einzelnen Kapitel folgen immer demselben Aufbau: Nach der Kurzgliederung gibt es ein kleines Beispiel, das die praktische Relevanz erschließen soll. Der eigentliche Text wird mit Grafiken und Textkästen (Definitionen, Teilstudienergebnisse etc.) angereichert. Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung, Leseempfehlungen sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis. Die Blöcke sind durch eine Farbkodierung am Seitenrand schon von außen lokalisierbar. Und in der Fußzeilenkolumne läuft die Feingliederung des jeweiligen Kapitels mit. Autoren-, Personen- sowie Sachwortregister runden das Buch insgesamt ab. So behält man den Überblick.
Das Buch ist fachlich auf der Höhe der Zeit und richtet sich primär an Studierende und Lehrende, das versteht sich bei einem Lehrbuch von selbst. Aber die Autoren haben auch Personen als Leser im Blick, die in kommunikationsrelevanten Praxisfeldern tätig sind (z.B. PR-Fachleute, Medienproduzenten und -gestalter, Kommunikations- und Medienberater sowie -pädagogen). Dies ist löblich, aber auch recht ambitioniert – und wohl überwiegend dem Wunschdenken gezollt. Selbstverständlich können Praktiker – nehmen wir einmal einen Schulpsychologen, der sich ins Thema "exzessive Mediennutzung, Computerspiele und schulische Gewalt" einarbeiten möchte, oder einen Personalentwickler, der sich mit dem Thema "interkulturelles Training" beschäftigen, oder einen Campaigner einer Werbeagentur, der sich mit einer Werbekampagne für einen gesunden Lebensstil herum schlagen muss – wertvolle Hilfestellung geben. Wenn sie denn bereit sind, sich der Mühe einer temporären Versenkung in die Grundlagen hinzugeben. Es dürfte sich aber lohnen, weil sie damit eine Landkarte an die Hand bekommen, den Wust an oberflächlichen und Interesse geleiteten Informationen, wovon es in der populärwissenschaftlichen Literatur als auch im Internet ja genügend gibt, zu sortieren.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers) |
(thw 18.06.2009) |
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