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The Ultimate Depression Survival Guide



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Weiss, Martin
1. Aufl. (2009)
Wiley & Sons, ISBN: 0470393777


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Schlagworte:
Weltwirtschaft, Finanzsystem
Themenliste Literatur
Arbeitswelt   Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen

Rezension:

Auch wenn ich mich damit wohl endgültig dem Verdacht aussetze, ein notorischer Schwarzseher zu sein, gestehe ich nicht nur, diesen "Ultimate Depression Survival Guide" gelesen zu haben, sondern empfehle ihn nachdrücklich. Die momentan um sich greifende Hoffnung, dass wir das Schlimmste hinter uns hätten, erscheint mir nach dieser Lektüre noch absurder als davor. Bislang war meine Standardfrage zu solchen Wunschträumen: Wo soll denn, angesichts eines Zusammenbruchs des amerikanischen, britischen und spanischen Immobilienmarkts, angesichts einer immensen Staats- und Verbraucherverschuldung und weltweit wachsender Arbeitslosigkeit, die Nachfrage herkommen, die einen Aufschwung befeuert?

Dass die Situation noch dramatischer ist, macht Martin D. Weiss, Betreiber des renommierten kritischen Finanzdiensts www.moneyandmarkets.com gleich im ersten Kapitel klar: Bei Redaktionsschluss des Buches lag die Gesamtsumme der staatlichen "Rettungsschirme" alleine in den USA bei 8 Billionen Dollar, mit weiter steigender Tendenz. Was einerseits gigantisch viel ist, vor allem wenn man bedenkt, dass es aus Steuereinnahmen zurückgezahlt werden müsste, andererseits lächerlich wenig im Vergleich mit der Verschuldung der USA (52 Billionen), mit anderen amerikanischen Verpflichtungen wie zum Beispiel Pensionszahlungen (60 Billionen) sowie mit dem Gegenwert der (von amerikanischen Finanzunternehmen gehaltenen) Derivate (182 Billionen).

Im 5. Kapitel "How Save Is Your Bank" ergänzt er das mit dem beängstigenden Hinweis, dass führende amerikanische Großbanken auf illiquiden Derivaten sitzen, die ein Vielfaches ihres Eigenkapitals ausmachen, so etwa die Bank of America (194,3%), Citibank (257,8%), JP Morgan Chase (430,2%). Diese und zahlreiche andere amerikanische Banken sind nach Weiss' Auffassung akut einsturzgefährdet, sodass nach wie vor eine "Kernschmelze" des Finanzsystems droht: "A systemic meltdown is a chain reaction of failures, forcing a temporary global shutdown of virtually every bank, insurance comapny, brokerage firm, and financial market in the world. Essentially, the planet's entire economy comes to a screeching halt, hopefully for just a short period of time." (S. 79) Nach dem Lehman-Zusammenbruch stand die Welt im Oktober 2008 schon einmal an der Schwelle zu diesem GAU. Als Hauptursache sieht Weiss, ähnlich wie Warren Buffett und George Soros, Derivate an: "I can tell you flatly: It is often little more than a massively large, global gambling network without the structure or organization typically needed by modern society to maintain order or handle contingencies." (S. 79)

Denn diese Derivate, deren weltweit gehandeltes Volumen beim Zehnfachen des Weltinlandsprodukts (!!!) liegt, werden nicht etwa über ein geregeltes Börsensystem gehandelt, das die Bonität und Liquidität der Marktteilnehmer ständig überprüft und garantiert. Vielmehr läuft der weltweite Derivatehandel zu über 95 Prozent "Over the Counter" (OTC), das heißt als bilaterale Geschäfte – bzw. Wetten. Ein großer Teil von ihnen ist zwar über gegenläufige Wetten "gehedgt", aber in aller Regel nicht über Wetten mit demselben Partner. Der Zusammenbruch eines einzigen größeren Spielers, zum Beispiel einer großen Bank oder Versicherung, könnte daher eine weltweite Kettenreaktion auslösen: Wenn einer seine Wettschulden nicht mehr begleichen kann, können bald auch seine Gläubiger ihre Schulden nicht mehr begleichen – und dann nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Bei der Pleite der Lehman Brothers haben wir erlebt, welche Schockwellen dies auslösen kann, und dabei war das, verglichen mit amerikanischen und europäischen Großbanken, nur ein relativ kleiner Fisch.

Was kann John Normalamerikaner angesichts dieser Situation tun, um nicht zum hilflosen Spielball der Krise zu werden, und was kann der deutsche Otto Normalverbraucher daraus lernen? Als ersten Schritt zur persönlichen Vorbereitung auf die "Second Great Depression" rät Weiss dringend, mit höchster Priorität Schulden zu tilgen. Das ist zunächst, wie das ganze Buch, stark auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten, wo die Leute zum Beispiel, oft ohne es zu wissen, exorbitant hohe Zinsen auf ihre Kreditkarten-Schulden bezahlen. Aber das Prinzip gilt natürlich überall auf der Welt: Schulden werden in der Deflation größer, weil derselbe Nominalbetrag, gemessen an seiner Kaufkraft, an Wert gewinnt. Wer also nicht zum Gefangenen seiner Monatsraten werden will, tut gut daran, sich in einer Zeit, wo viele Einnahmen unsicherer werden, als Allererstes einmal zu entschulden.

Darum geht es auch im zweiten Kapitel "How to Escape the Housing Nightmare", das ebenfalls stark auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten ist, nämlich auf das fatale Zusammentreffen von (einstmals) überhöhten Preisen, hoher Verschuldung, starkem Preisverfall und plötzlich wegbrechendem Einkommen.

Generell lässt es Weiss nicht an Deutlichkeit fehlen. So ist das dritte Kapitel überschrieben: "Sell All Your Stocks – Before It's Too Late!" Darin macht er zunächst deutlich, dass die bewährte "Buy-and-Hold"-Strategie nur in lange anhaltenden Wachstumsphasen funktioniert: "Today, that approach is dead, and we must confront the reality that, if you hold on until the bitter end, it could take a generation or more to recoup from stock market losses." (S. 43) Denn der Absturz der Börsen erfolgt nicht auf einen Schlag. Bei der (ersten) Großen Depression hat es sieben Zwischenrallies gegeben, die zum Teil mehrere Monate anhielten und jeweils als Zeichen für ein Ende der Krise missdeutet wurden. Solche "Bärenmarktrallies" sollte man zum Verkaufen nutzen, warnt Weiss, denn: "If the fundamental causes of the crisis have not been resolved, the reality of the economic decline sinks back in, and the market crashes for new lows." (S. 47)

"No one knows how far stocks will fall, how long they will stay down, or how soon they will recover. No one knows how many banks, insurance companies, brokerage firms, or manufacturing corporations will go bankrupt. No one can say if the government bailouts will make things better, just keep things from getting worse, or cause even more serious trouble." (S. 45) Weiss behauptet also nicht, zu wissen, wie die Entwicklung weitergehen wird; er benennt nur in großer Klarheit die Parameter, die sie beeinflussen, und er zieht dabei zahlreiche Parallelen zu der Großen Depression der 30-er Jahre, die er aus vielen Berichten seines Vaters deutlich vor Augen hat: "Looking ahead, we also know, with relative certainty, that, as long as we have a financial crisis, a recession, or a depression, the risk of loss is greater than the opportunity for profit – especially in the stock market!" (S. 45) Mit dem Fortschreiten der Krise drohen zunehmend auch Totalausfälle, weil auch namhafte Unternehmen in Konkurs gehen oder zu Schleuderpreisen notverkauft werden.

Nachdem er im vierten Kapitel deutlich gemacht hat, weshalb man den Ratings der großen Agenturen nicht vertrauen kann, empfiehlt er im fünften, sehr genau hinzuschauen, bei welcher Bank man sein Geld anlegt, und sich dabei auch von renommierten Namen nicht blenden zu lassen. Auf seiner Website bietet er dazu einen kostenlosen Report an, wonach 2.025 (!) Banken, darunter auch einige der größten, bedroht sind. Allerdings erfasst er nur amerikanische Banken; europäische Leser müssen sich also selbst helfen. Sie sollten sich weder von privatrechtlichen Einlagesicherungsfonds noch von staatlichen Garantien allzu sehr beeindrucken lassen, weil beide im Falle eines wirklich großen Crashs schnell am Ende wären. Als "Safest Place In the World for Your Money" empfiehlt Weiss im 6. Kapitel nicht irgendwelche exotischen Lösungen, sondern "short-term U.S. Treasury securities" (S. 90). Begründung: Um seiner eigenen Bonität willen würde der Staat unter keinen Umständen die Rückzahlung seiner Anleihen aussetzen. Und die kurzen Laufzeiten halten flexibel. Diese Überlegungen sind wohl auf das alte Europa übertragbar.

Aber was, wenn man bestimmte Anlagen nicht liquidieren kann, weil die Verluste zu hoch wären oder weil man verpflichtet ist, sie zu halten? Für diesen Fall empfiehlt Weiss im 8. Kapitel, sie zu "hedgen", das heißt, ihnen gegenläufige Risiken entgegenzustellen. Und zwar nicht über Hedgefonds, von denen die meisten nach seiner Überzeugung in Wirklichkeit spekulative Fonds sind, die das Risiko erhöhen, statt es zu entschärfen, sondern über "Exchange Traded Funds" (Indexfonds). Davon gibt es in den USA inzwischen offenbar ein weit größeres Angebot als bei uns, darunter auch "inverse ETF's", die bei fallenden Kursen steigen (und umgekehrt), sowie "leveraged inverse ETF's", die mit dem Zwei- oder Dreifachen des Bezugsindex steigen oder fallen. (Was mit der ursprünglichen Idee passiver Fonds allerdings nicht mehr allzu viel zu tun hat, weil so etwas nur über Derivate zu erreichen ist.) Trotzdem lassen sich solche ETF's nutzen, um Risiken zu reduzieren (sofern die Bonität der Emittenden über jeden Zweifel erhaben ist), und Weiss erklärt hier, wie dies geht.

Das Prinzip der inversen ETF's lässt sich nicht nur zum Hedging einsetzen, sondern auch als Investition in fallende Märkte. Davon handelt das achte Kapitel "How to Profit Directly From the Decline". Noch einen Schritt riskanter sind Währungsspekulationen, die Weiss im neunten Kapitel empfiehlt. Zwar hat er sicherlich recht, dass dies eine ganz eigene Vermögensklasse ist, die kaum mit den Aktienmärkten korreliert und zudem unbegrenzt liquide ist. Aber sein Argument, dass von zwei Währungen immer die eine nach oben und die andere nach unten geht, zeigt eben auch, dass das Risiko hier ähnlich hoch ist wie wenn man beim Roulette auf Rot oder Schwarz setzt. Man müsste also eine sehr gute Theorie haben, um bei Währungsspekulationen besser abzuschneiden als in der Spielbank. Wahrhaft kein Geschäft für ökonomische Laien!

Ebenfalls spekulativ, aber auf deutlich festerem Grund das 10 Kapitel "When to Buy the Best Bargain of the Century". Darin geht es darum, wie man den Tief- und Wendepunkt der Depression bestimmt und ihn für extrem günstige Käufe nutzt. Basierend auf den Erfahrungen seines Vaters aus der (ersten) Großen Depression hat Weiss hier fünf Kriterien zur Identifikation des Wendepunkt entwickelt, die ich zu den wertvollsten Einsichten aus diesem Buch zähle:
  1. Schuldenbereinigung (debt liquidation), diesmal insbesondere bei Immobilienkrediten und den darauf aufbauenden Derivaten;
  2. Kapitulation der Regierung, das heißt, Beendigung aller Versuche, gescheiterte Unternehmen zu retten;
  3. Kapitulation der Wall-Street-Analysten und Rating-Agenturen, die sich in einer grundlegenden Korrektur der bisherigen Schönfärberei und einer völligen Neubewertung aller Aktien und Wertpapiere äußert – und in einer deutlichen Rückstufung der meisten Papiere;
  4. Anzeichen der Kapitulation bei Menschen, mit denen wir regelmäßig zu tun haben: "It may indeed seem like the end of the world in some ways." (S. 137)
  5. Ein "Wasserscheiden-Ereignis" ("watershed event"), das sich vorab nicht spezifizieren lässt, das aber einen klaren und unzweifelhaften Wendepunkt markiert. In den 30-er Jahren waren das die von dem gerade inaugurierten Präsidenten Roosevelt ausgerufenen "Bank Holidays"; heute könnte es nach Weiss' Meinung eine grundlegende Kurskorrektur der Federal Reserve sein, aber auch einschneidende Reformen im Weltfinanzsystem oder sogar eine vorübergehende Stilllegung des Banksystems und der nicht lebensnotwendigen Produktion.
Bemerkenswert daran ist, dass Weiss den Wendepunkt nicht etwa dann gekommen sieht, wenn "der Optimismus in die Märkte zurückkehrt", sondern im Gegenteil dann, wenn die Hilflosigkeit so groß ist, dass alle die Waffen strecken. Demnach wäre das Aufgeben jener Gegenwehr, die die Krise beenden soll, sie aber in Wirklichkeit verlängert und vertieft, der Schlüssel zu ihrer Beendigung. Klar: Wer diesen Zeitpunkt erwischt, um einzusteigen, der kann sensationelle Erträge erzielen. Die Schwierigkeit dürfte nicht nur sein, diesen Moment zu bestimmen, sondern auch und vor allem, dann den Mut zu besitzen, entgegen der allgemeinen Resignation und Verzweiflung wirklich zu investieren.

Im 11. Kapitel macht Weiss deutlich, dass es nicht unbedingt Aktien und Beteiligungen sind, die in dieser Phase die besten Gewinne versprechen, sondern "Bonds: Your First Great Income Opportunity". Denn nach einer langen Niedrigzinsphase können die Zinsen vorübergehend auf bislang unbekannte Höhen emporschießen, während die Preise selbst erstklassiger Anleihen weit unter deren Nominalwert liegen. Wer in dieser Phase langfristige Anleihen erstklassiger Unternehmen kauft, kann sich für sehr lange Zeit sehr hohe Erträge sichern. Ähnliches gilt, wenn man in dieser Phase, wie er im 12. Kapitel beschreibt, dividendenstarke Aktien zu einem Spottpreis kauft. Hier trifft sich Weiss mit Warren Buffett: "Look for companies you can comfortably hold for the long-term." (S. 154)

"The Great Fork in the Road: Inflation or Deflation?", ist das 13. Kapitel überschrieben. Und in der Tat ist das die Schicksalsfrage für alle Anleger. Weiss entpuppt sich darin als bekennender Anhänger einer Deflation, weil sie zur Bereinigung fauler Kredite führe – und sei es um den Preis von Insolvenzen, weil sie den Dollar stärke – und weil ihre Folgen vor allem diejenigen träfen, die zum Aufblasen der Blase beigetragen haben: "Speculators who took the most risk during the bubble suffer the biggest losses, while those who had the foresight and prudence to save their money benefit from the best real returns." (S. 162) Die derzeit politikbestimmende Hoffnung, die Krise mit immer mehr Geld und letztlich mit Inflation heilen zu können, hält er für einen gefährlichen Irrweg, weil dies nur zu noch höherer Verschuldung und noch wilderer Spekulation führe. Doch äußert er die Zuversicht, dass diese staatlichen Bemühungen scheitern werden. Als Inflationsschutz empfiehlt er Gold, den "Anti-Dollar", allerdings erst mittelfristig und nur als geringen Anteil des liquiden Vermögens.

Eine interessante, wenn auch kühne Überlegung stellt er im 14. Kapitel "The Triumph of the Dollar" an: Die (amerikanische) Regierung versuche derzeit noch, jedes Leck mit zusätzlichem Geld zu stopfen, und sie stoße dabei in immer absurdere Größenordnungen vor. "The Next Great Battle" (S. 177) werde daher darum gehen, diese Politik zu beenden, und zwar durch einen "Käuferstreik" der Investoren, die irgendwann keine Staatsanleihen mehr abnehmen würden. Das gab es schon einmal in der steigenden Inflation um 1979/80, und es zwang den damaligen Präsidenten Jimmy Carter zu einem abrupten Kurswechsel (der ihn dann seine Wiederwahl kostete): "The moral of the story is clear: Investors, large and small, acting in their own self-interest, were able to force a major reversal in the policies of the most powerful governments in the world." (S. 188) Und in der Tat: Wenn neue Staatsanleihen keine Käufer mehr finden, weil die Investoren wegen der steigenden Inflation befürchten, weniger zurückzubekommen als sie eingesetzt haben, dann kommt die Politik gewaltig unter Druck.

"The Foundations of Recovery" beschreibt das 15. Kapitel, und Weiss betrachtet darin sowohl ein Inflationsszenario, das er als weniger wahrscheinlich ansieht, als auch ein Deflationsszenario, aus seiner Sicht das geringere Übel. Den Weg zur Erholung beschreibt er in drei Phasen: "Acceptance", "Public Admission" und "Action!" Statt weiterer Rettungsversuche für gescheiterte Banken und Konzerne, die weit über die staatlichen Mittel und Möglichkeiten hinausgehen, werde sich der Staat dann auf das beschränken, was er wirklich tun kann, nämlich die Folgen der Bankrotte für deren Opfer zu mildern: "… treat debt s as debts, charity as charity. Instead of pouring good money after the bad to rescue deliquent borrowers, they encourage lenders to liquidate bad debts. Instead of neglecting the victims of past foreclosures, they support organizations that house the homeless, feed the hungry, and help recovering debt addicts (…) Instead of bailouts in the trillions, they need only budgets in the billions. Instead of promoting delinquency, they foster an environment of responsibility. This transformation is not driven by some miraculous return of morality. It is driven mostly by the hard reality that the government simply does not have the money to do more." (S. 193) Der Weg dahin kann bitter werden, aber es ist in Weiss' Augen der einzige gangbare.

Doch dies wäre kein amerikanisches Buch, wenn es nicht mit einem positiven Ausblick endete: "Future Fortunes" heißt das 16. und letzte Kapitel, und es fasst in zehn Punkten die Anlagestrategie am Ausgang der Krise zusammen. Das enthält nach dem Bisherigen keine großen Überraschungen mehr, außer vielleicht dem Punkt 9 "Alternative Energy". Und genau der macht auch auf einen gravierenden Schwachpunkt des ganzen Buches aufmerksam, nämlich auf die völlige Ausblendung der Umweltthematik.

Weiss tut so (und sieht es vermutlich auch so), als hätten wir im Augenblick nur eine Weltwirtschaftskrise und nicht parallel dazu eine sich zuspitzende weltweite Umweltkrise, die ja nicht deswegen abgesagt ist, weil wir jetzt keine Zeit mehr für sie haben. Vielmehr hängen die Lösung der Wirtschafts- und die der Umweltkrise eng zusammen, weil wir mit unserer Art des Wirtschaftens auch an die Grenzen des Ökosystems gestoßen sind. Eine Lösung, die nicht binnen kurzem in die nächste Krise münden soll, muss nicht nur das Weltfinanzsystem in den Griff bekommen – was schwierig genug sein wird –, sie muss auch für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem sorgen, das heißt für eines, das dem Ökosystem nicht mehr an Ressourcen entnimmt als im gleichen Zeitraum nachwachsen. Aber das ist wohl eine Dimension, mit dem sich nicht nur redliche, wertkonservative Amerikaner, zu denen ich Martin D. Weiss zähle, noch sehr schwer tun. Was vielleicht auch kein Wunder ist, denn über Jahrhunderte und Jahrtausende hat das Ökosystem alles verkraftet, was die Menschen mit ihm gemacht haben. Warum sollte das auf einmal anders sein? Weil in einem endlichen System kein unendliches Wachstum möglich ist, auch nicht mit einer seriösen Finanz- und Wirtschaftspolitik.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Winfried Berner )

(wb 18.07.2009)

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