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Personalentwicklung |
Ein weites Feld, hier verstanden als alle Ansätze, die sich an der systematischen Entwicklung von Mitarbeitern in Organisationen und Unternehmen versuchen. |
Wer es geschafft hat, in das mittlere Management aufzusteigen, sieht sich einer Reihe von Herausforderungen gegenüber. Diese reichen von ungewohnten Belastungen, gestiegener Komplexität, fehlender Zeit für Reflexion, geringer Arbeitsplatzsicherheit und Belastungen aus dem Privatbereich gegenüber. Vielfach ist es der insgesamt hohe Druck, der die Rolle so anspruchsvoll macht. Hier möchte der Autor helfen, indem er alle vier Führungsebenen und die jeweils vorherrschenden Themen vorstellt.
Nach einem Vorwort, in dem die unterschiedlichen Ebenen der Führung kurz in Relation zueinander gestellt werden, folgen die Diskussion der vier Führungsebenen, die der Autor unter 360-Grad-Leadership zusammenfasst:
Teil 1: Führen Sie sich selbst als Führungskraft
Teil 2: Führen Sie das untere Management
Teil 3: Führen Sie Ihre Kollegen im mittleren Management
Teil 4: Führen Sie Ihren Chef oder das obere Management
Abschließend folgen "Erste Schritte", Anmerkungen und kommentierte Buchempfehlungen / Literaturverzeichnis. Jedes Kapitel endet mit einer Management Summary, viele Übungen laden zur Reflexion der eigenen Situation ein.
Im ersten Teil des Buches befasst sich der Autor mit der Selbststeuerung der Führungskraft. Es geht um Fragen der Integrität, die eigenen Stärken und Schwächen, die Nutzung der eigenen Entwicklungspotenziale und die Steigerung des eigenen Glücksempfindens.
Bereits bei der Diskussion der Integrität wird der Leser zur intensiven Selbstreflexion und entsprechendem Verhalten im Alltag angeregt. Wer Menschen im Alltag beobachtet, wird schnell feststellen, dass viele der eigentlich bekannten Ratschläge (Versprechen einhalten, nicht negativ über Abwesende sprechen usw.) noch selbstverständlicher umgesetzt werden sollten. Und, es sind nicht immer nur die anderen! Das wird bei der Lektüre klar.
Obwohl in der Vorbetrachtung als relevanter Einflussfaktor benannt, werden die Belastungen aus dem Privatbereich nicht weiter diskutiert. Dies ist bedauerlich, da die Balance mit den beruflichen Aspekten viel zur Wirksamkeit eines Managers beiträgt.
Im zweiten Teil des Buches steht die Führung des unteren Managements, d.h. die eigenen Mitarbeiter, im Fokus. Stichworte für diesen Teil sind:
- Scheinkompetenzen - Feuerlöschen und Troubleshooting
- Das Verzettelungssyndrom
- Misstrauen, Demotivation und innere Kündigung
- Entwicklung einer einheitlichen Kultur
Der Autor versteht es auch in diesem Abschnitt sehr gut, den Blick auf das Wesentliche zu lenken - zum Beispiel beim Thema Zielvereinbarung. Nach kurzer Darstellung des Sinns von Zielvereinbarungen beschreibt er die Realität und versucht, die Hauptgründe für die häufigsten Defizite auszuleuchten sowie konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen:
- Ziele sollten einen Zustand beschreiben, keinen Prozess
- Ziele müssen SMART sein, d.h. messbar und konkret beschrieben
- Ziele bedingen eine persönliche Verantwortung für die Zielerreichung statt für Prozesse und Handeln
- Die Führungskraft zeigt als Vorbild und konzentriert sich auf das Wesentliche (Gesetz der Unausgewogenheit)
Soweit sind die Aspekte vielfach bekannt und beschrieben. Allerdings gelingt es Alexander Groth immer wieder, Stellen zu beleuchten, die sonst eher vernachlässigt werden und dies sehr praxisorientiert. Nehmen wir als Beispiel das abgedroschene Beispiel der Mitarbeitermotivation. Der Autor beginnt die in einem Führungsbuch unvermeidliche Diskussion um die Motivation in der gewohnten Weise (Modelle, Schlüsselfaktoren usw.) kommt jedoch zügig auf Aspekte zu sprechen, die in der Führungspraxis sehr hilfreich sein können. Etwa den abstrakten Begriff des Vertrauens. Als Führungskraft kann man auf zwei Arten Vertrauen in seine Mitarbeiter setzen:
- Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Person
- Vertrauen in die Leistungsfähigkeit einer Person
Im ersten Fall vertraut die Führungskraft auf die Integrität des Mitarbeiters ebenso wie auf Leistungswillen und Motivation. Dazu kommen die Kontrolle und (positive wie negative) Konsequenzen.
Integere Persönlichkeiten können allerdings auch leistungsschwach sein. Daher ist die Leistung ebenfalls zu betrachten. Diese korrekt zu bewerten fällt vielfach nicht leicht, da die Erwartungen an die Leistung in die eigentliche Bewertung mit einfließt. Häufig ist zu beobachten, dass die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter in der Praxis unterschätzt wird (Aufrichtigkeit). Die Mitarbeiter merken dies natürlich und passen ihre Leistung der Erwartung an. Sie sind dann auch nicht bereit sind, die berühmte "Extrameile" zu gehen. So erzeugt die Führungskraft selbst die Probleme, die sie lösen soll.
Auch der dritte Teil, die Führung der Kollegen im mittleren Management, folgt Fragen, die Führungskräfte sich immer wieder stellen:
- Wie kann ich zu den Kollegen aus den anderen Bereichen trotz teilweise entgegengesetzter Interessen ein gutes Verhältnis aufbauen und langfristig mit ihnen gut zusammenarbeiten?
- Wie gehe ich mit einem unfairen öffentlichen Angriff von einem Kollegen um?
- Wie kann ich geschickt vorgehen, um andere Bereichsleiter für meine Sache zu gewinnen?
- Wie kann ich mein Netzwerk innerhalb und außerhalb des Unternehmens aufbauen?
Auch hier folgen wieder praxisorientierte Antworten, die auf den Punkt die Bedürfnisse der meisten Führungskräfte mit solchen Fragen treffen.
Der vierte Teil fokussiert auf den eigenen Vorgesetzten und das Top-Management. Zur Diskussion kommen Macht und Opferrolle, wie man sich selbst unkündbar macht, die Korrektur übertriebener Anforderungen und der Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten. Auch wenn so nicht benannt, geht es hier somit um die "Politik", die zu jeder Führungsrolle gehört. Auch hier gibt es viele Hinweise, die bei Reflexion der eigenen Situation hilfreich sein können.
Insgesamt handelt sich beim vorliegenden Buch nicht um eine wissenschaftliche Analyse oder Fachstudie. Offensichtlich wurden die Erfahrungen vieler Führungskräfte gebündelt und wiedergegeben. Wer also ein theoretisch fundiertes Buch zum Thema sucht, ist mit diesem nicht gut bedient. Wer allerdings in der Rolle des mittleren Managers tätig ist (oder sein will), findet viele Aspekte, die ihn ohnehin ereilen werden und klare Empfehlungen für den Umgang mit diesen Themen. Aus eigener Führungserfahrung kann der Rezensent bestätigen, dass die meisten Themen, die einem im Führungsalltag zu schaffen machen korrekt und praxisorientiert beschrieben sind. Es wird nichts beschönigt und nicht geklagt. So soll es sein, für Autoren und für Führungskräfte.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Frank Edelkraut ) |
(fe 10.08.2009) |
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