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Unternehmensorganisation |
Unternehmen brauchen Visionen, Strategien, Ziele und Planungen - und die hierfür geeignete Literatur. |
Der Titel klingt reißerisch, doch der Ansatz ist reizvoll. Entgegen der üblichen "Best-Practice-Mentalität", in der diverse Erfolgsbeispiele dokumentiert und mehr oder weniger systematisch ausgewertet werden, gehen die Autoren des vorliegenden Buches einen anderen Weg. Sie versuchen nicht, dem Leser zu zeigen, wie er die Erfolge von anderen wiederholen kann, sondern wie die Misserfolge anderer vermieden werden können.
Dabei stützen sie sich auf umfangreiches Datenmaterial. Mehr als 750 Studien über geschäftliche Entscheidungen haben die beiden ausgewertet. Und: Es schreiben Leute vom Fach: Carroll schrieb u.a. 17 Jahre lang für das Wall Strett Journal. Chunka Mui ist als Co-Autor des Buches "Auf der Suche nach der Killer-Applikation" bekannt und arbeitet als strategischer Berater.
Das Buch ist in zwei Teile geteilt. In Teil 1 wird in sieben Kapiteln je ein "Fehlschlags-Muster" anhand von Fallbeispielen vorgestellt. In Teil 2 gibt es vier Kapitel mit Vorschlägen, Ideen und Anregungen, um Fehlschläge zu vermeiden.
Als Fehlschläge werden die Abschreibung größerer Investitionen, die Einstellung unprofitabler Geschäftsfelder oder die Insolvenzanmeldung definiert. Die geschilderten Fallbeispiele entstammen aus der US-amerikanischen Wirtschaft der letzten 25 Jahre.
Folgende Fehlschlagsmuster werden in den ersten sieben Kapiteln behandelt:
- Die Illusion der Synergie
Übernahmen werden oft mit großen Synergie-Effekten begründet. Zahlreiche Studien belegen, dass die Praxis diese Effekte selten bestätigt. Viele Vorstände vertrauen diesen Studien, haben auch schon schlechte Erfahrungen mit Übernahmeprojekten gesammelt und geben dennoch an, dass sie ihre Übernahmeaktivitäten fortsetzen werden.
Die Autoren erläutern, warum Übernahmen oft gefährliche strategische Fehler sind.
- Fehlerhaftes Financial Engineering
Die Abkürzung durch den Zahlendschungel. Unabhängig davon, ob es um falsche Finanzierung, hohe (zu optimistische) Fremdverschuldung oder (zu) schlaue Buchführung geht: Es ist sehr schwer für ein Unternehmen, aus einer Phase der kreativen (und immer noch legalen) Finanzaktivität zurück auf die sichere Seite zu wechseln.
- Ernüchternde Roll-Ups
Roll-Ups dienen dazu, eine fragmentierte Branche im wahrsten Sinne des Wortes aufzurollen. Ein Unternehmen kauft viele andere, meist kleinere Konkurrenten auf. Ziel ist oft die Markführerschaft und eine hohe Einkaufsmacht.
Doch es ist nicht immer einfach, viele Rockbands zu kaufen, um ein harmonierendes Orchester daraus zu formen.
- Den (falschen) Kurs halten
Bereits Anfang der 80er Jahre gab es eine Untersuchung bei Kodak über mögliche Auswirkungen der Digitalfotografie. Warum gelang es dem jahrzehntelangen Markt- und Innovationsführer der Fotografie nicht, den Kurs zu wechseln?
- Falsch eingeschätzte Adjazenz
Mit Adjazenzmarkt-Strategien wird versucht, das Kerngeschäft eines Unternehmens, bei möglichst minimalen Risiko, auf angrenzende Märkte zu erweitern. Dass diese Strategie nicht immer ganz einfach ist, zeigt sich in diesem Kapitel.
- Hightech um jeden Preis
Welches Unternehmen träumt nicht davon, ein bahnbrechendes Produkt der nächsten Generation zu entwickeln. Ob Walkman oder iPod, Google oder Ebay: Die Verlockung, mit einem Schlag die Konkurrenz abzuhängen, ist offensichtlich riesig - oder wie ist es sonst zu erklären, dass z.B. in Motorolas Projekt "Iridium-Handy" Unsummen verbrannt wurden, um letztendlich ein Handy zu entwickeln, welches deutlich teurer in der Anschaffung und deutlich teurer bei den laufenden Kosten, bei deutlich schlechterer Funktionalität war?
- Der Konsolidierungs-Blues
Wenn Branchen sich konsolidieren, bedeutet dies den Zusammenschluss von Unternehmen. Die meisten wollen (aus nachvollziehbaren Gründen) lieber Käufer als Verkäufer sein. Warum das nicht immer gut ist...
Jedes Kapitel wird mit mehreren anschaulichen Fallbeispielen erläutert. Studien und Experten werden zitiert und das jeweilige Fehlschlagsmuster ausführlich erläutert. Meist werden verschiedene Aspekte oder Auftretensweisen desselben Musters vorgestellt. Ein Kasten mit Warnsignalen sowie ein Abschnitt mit kritischen Fragen, die gestellt werden sollten, runden die Kapitel ab.
Teil 2 des Buches soll das Vermeiden der gleichen Fehler bewirken. Folgende Kapitel gibt es:
- Warum gute Leute auf schlechte Strategien hereinfallen
- Warum gute Unternehmen auf schlechte Strategien hereinfallen
- Des Teufels Advokat
- Das Sicherheitsnetz
In Kapitel 8 und 9 haben die Autoren zusammengetragen, warum sich Menschen überhaupt mit der Bildung von Strategien schwer tun. Dies wird anschaulich anhand von psychologischen Studien, Erkenntnissen u.v.m. dargestellt. In Kapitel 9 wird dementsprechend ein Blick auf das Unternehmen geworfen. Es wird deutlich, warum es für Unternehmen so schwierig ist, aus Fehlern zu lernen.
Kapitel 10 und 11 enthalten detaillierte Hinweise und Vorschläge, wie der Strategiefindungs- und Entscheidungsprozess von Unternehmen optimiert werden kann.
Insgesamt ist das Buch sehr angenehm und anschaulich zu lesen. Die Gliederung des Buches und der Kapitel ist gut nachvollziehbar. Die Fallbeispiele sind gut ausgewählt und lockern den Stoff auf. Oft fühlt man sich an Projekte aus der aktuellen Wirtschaftspresse erinnert.
Der einzige Grund, warum das Buch nicht drei Sterne bekommt, liegt darin, dass ausschließlich der amerikanische Markt betrachtet wurde. Die hier erlebten Strategien und Methoden sind nicht alle einfach auf europäische bzw. deutsche Verhältnisse übertragbar. Dennoch kann die Lektüre nur empfohlen werden.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Christian Warneke ) |
(ottobc 18.08.2009) |
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