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  Buchbesprechung


Das Geheimnis Enneagramm
Neue Wege zur Menschenkenntnis

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Breuer, Hans-Jürgen
1. Aufl. (2009)
Signum, ISBN: 3854364113


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Psychografie, Neurobiologie, Coaching, Enneagramm

Themenliste Literatur
Coaching   Ob durch einen professionellen Coach oder einen Vorgesetzten: Hier gibt es Bücher zum Thema "Coaching"

Das "Geheimnis Enneagramm" nennt der Verfasser sein Buch, und ich gewinne den Eindruck, es scheint ihm auch ein Geheimnis geblieben zu sein. Herr Breuer fasst bibliographische Beschreibungen der 9 Persönlichkeitstypen des Enneagramms nach Gutdünken unter Schlagworten zusammen. Dann fügt er Ergebnisse der Hirnforschung als Begründung für seine Idee eines "Neuen Enneagramms" ein. So macht er dieses bereits seit Jahrzehnten psychologisch gut ausgearbeitete und auf alten, mündlich überlieferten Wurzeln basierende Modell der Persönlichkeitsentwicklung für sein Anliegen passend, es unter allen Umständen und wie mir scheint, ohne tiefgreifende Kenntnisse in das wenig bekannte System der Psychographie hineinzupressen. Mein Verdacht wird geweckt, dass hier der gut eingeführte Name des Modells Enneagramm zu Marketingzwecken in eigener Sache missbraucht wird.

Neue Wege der Menschenkenntnis zu eröffnen, nimmt sich Herr Breuer in diesem Buch vor. Dazu erstellt er auf den ersten 80 Seiten Synopsen aus bekannter und weniger bekannter Enneagramm-Literatur. Dann folgt ein sehr gut ausgearbeiteter Ausflug in die Gehirnbiologie nach Gerhard Roth, der bestätigt, dass wir fühlende, handelnde und denkende Wesen sind. Unsere unterschiedlichen Grundpersönlichkeiten werden ausführlich durch die Ergebnisse der Genetik und Sozialisation im Laufe unseres Lebens erklärt. Eine Unterstützung dieser Sichtweise holt sich Herr Breuer dabei auch durch den Abgleich mit den unterschiedlichsten Theorien, wie einer Darstellung der Freud´schen Instanzen, der Jung´schen Typologie und später auch der Habermas´schen Handlungskategorien.

Die ausführliche Würdigung der materiellen Seite unserer psychischen Existenz erfolgt, um das Modell der Psychographie nach D. Friedmann, der eine Drei-Teilung der menschlichen Persönlichkeiten in Handlungs-, Fühl- und Sachtypen vornimmt, als wissenschaftlich ableitbar einzuführen. Die genetische Festlegung auf eine der drei psychografischen Grundtypen scheint für Herrn Breuer damit bewiesen.

Unter der Kapitelüberschrift "Die Grundstruktur des neuen Enneagramms" erfolgt nun jedoch erstaunlicher Weise eine 50-seitige Beschreibung der Psychographie. Mit vielen Beispielen macht der Verfasser deutlich, dass man im Laufe seines Lebens seine Stärken ausbaut, jedoch von seinen Schwächen verfolgt wird, wenn man ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt. Streben wir jedoch eine echte Entwicklung an, sollten wir unsere Ausgangsausrichtung mit den uns erblich nicht vertrauten Bereichen anreichern. Nur so schöpfen wir unser verborgenes Potenzial sinnvoll aus. Jeder Typ hat dabei eine vorgebende Entwicklungsrichtung, die an Hand eines gleichseitigen Dreiecks aufgezeigt wird. Der Sachtyp muss ins Handeln kommen und anschließend ins Fühlen. Der Fühltyp sollte Denken lernen, um dann überlegt ins Handeln zu kommen. Eine Eigenart von Herrn Breuer, die sich durch das gesamte Buch zieht, nutzt er auch hier, dem Leser die Eindrücklichkeit seiner Thesen mit Hilfe von Tabellen, Grafiken und prozentualen Berechnungen nahe zu legen, obwohl er dieses Mittel im Anschluss selbst immer wieder direkt in Frage stellt.

Dann erfolgt eine sehr eigenwillige und von völliger Unkenntnis des psychologischen Enneagramms gekennzeichneten Einpassung der 9 Enneagramm-Persönlichkeiten in die drei Psychographietypen. So werden das Bauch- Herz- und Kopfzentrum mit den Handlungs, Fühl- und Sachtypen der Psychografie nach Friedmann gleichgesetzt und auch die Bedeutung der Pfeile im klassischen Enneagramm in ihrer Richtung eben mal umgedreht. Die zentralen Typen des Enneagramms, die 3, 6 und 9 werden durch ihn zu systemerhaltenden Persönlichkeiten und bilden die Spitze einer aus dem Nichts auftauchenden Gaus´schen Normalverteilung, um daraus das Zuviel und Zuwenig der jeweiligen Flügel abzuleiten. Das mag psychografisch erbaulich sein, entbehrt aber jeder Grundlage innerhalb dieses bekannten und psychologisch gut ausgearbeiteten Modells. Im Psychologischen Enneagramm gibt es die Möglichkeit für jedes der 9 Grundmuster, von einer seiner beiden Seiten "eingefärbt" zu werden. Daraus ergibt sich, dass es 18 gut zu unterscheidende Persönlichkeitsbeschreibungen gibt.

In diesem Buch erfolgt statt dessen eine Aufteilung der Typen in ihr erreichtes Wachstum. Unentwickelt startet man bei Typ 2, 5 und 8, hohes Wachstum wird 3, 6 und 9 attestiert, weil bereits die Energie der anderen Entwicklungsbereiche aufgenommen wurde, und wieder geringes Wachstum den Typen 4, 7 und 1, weil ein Energiebereich unbewusst zu stark Einfluss nimmt. So ist ein 7ner laut des Verfassers zu sehr dem Handeln unterworfen. Eine 7 im zeichnet sich jedoch im allgemeinen Verständnis aller anderen Enneagramm-Benutzer dadurch aus, dass sie ihre Handlungen im Kopf vollzieht, um sich in Gedanken aus einer schmerzlichen Situation zu lösen. Ins Handeln kommende 7ner, das sind diejenigen, die einen 8-er Flügel haben, werden Realisten genannt, weil sie in der Lage sind, ihre Konzepte in die Welt zu bringen und sich dadurch von ihrem seelischen Schmerz abzulenken. Also von zu viel Handeln kann bei dem Persönlichkeitstyp 7 definitiv nicht die Rede sein. Aber dieses wirkliche Verständnis der Enneagrammpersönlichkeiten würde nicht in das Modell der Psychografie passen und auch den Coaching-Ratschlägen des Verfassers widersprechen. Wer jemals mit dem Enneagramm professionell gearbeitet hat, weiß, dass sich das Wachstum von Menschen in diesem Modell immer nur sinnvoll in seinem eigenen Persönlichkeitsbereich abbilden lässt und den Benutzern nichts fremder ist, als einzelne der neun Typen entwickelter oder normaler zu bezeichnen.

So können auch die anschließenden Fallbeispiele einem Enneagrammkenner nur Erstaunen abringen. Mit akribischen Fleiß macht der Verfasser hier passend, was von ihm passend gemacht werden muss, damit er seinen Nachweis der völligen Kompatibilität der beiden Systeme führen kann. Sogar E-Mails dankbar aufgeklärter Kunden finden hier Erwähnung. Das Ergebnis bezeichnet er als "Neues Enneagramm" oder auch "Psychografisches Enneagramm".

Der Verfasser bietet sein Werk dann noch als ein leicht verständliches Selbstcoachingtool an. Dabei scheint der Umgang mit seinem Tool selbst für ihn nicht so leicht zu sein, da er in seiner Selbstbeschreibung immer noch darüber rätselt, entweder eine Enneagramm 6 oder eine 5 zu sein.

Gegen Ende dieses Buchs erhalten Erziehungspersonen Ratschläge, wie die Psychografie sie im konstruktiven Umgang mit Kindern unterstützen kann. Dann ermuntert er den Leser, sich der Lösung weiterer Rätsel des Neuen Enneagramms zu stellen und an dessen Ausdifferenzierung Teil zu nehmen.

Schade, hätte er sich doch nur diese unlösbare Aufgabe nicht gestellt, zusammenzubringen, was meiner Meinung nach so nicht zusammen gehört. Denn Leser, die sich für das Modell der Psychographie interessieren, finden hier eine schöne einleuchtende Darstellung dieses Modells und viele Anregungen, es im Alltag für die eigene Entwicklung zu nutzen, oder es beim Coaching einzusetzen. Auch die gute Verständlichkeit neurobiologischer Erkenntnisse für die Persönlichkeitsentwicklung ist lesenswert.

Alle diejenigen, die sich mit dem System des Enneagramms beschäftigen wollen, sollten jedoch unbedingt auf die Vielzahl von Büchern und Workshops zu diesem Thema zurückgreifen, die von professionellen und langjährigen Anwendern angeboten werden.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Caro Tille)

(CaroTille 15.09.2009)

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lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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