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  Buchbesprechung


Gefühl und Mitgefühl
Emotionale Achtsamkeit und der Weg zum seelischen Gleichgewicht

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Dalai Lama / Ekman, Paul
1. Aufl. (2009)
Spektrum Akademischer Verlag, ISBN: 3827421179


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Emotionen, Achtsamkeit, Buddhismus, Persönlichkeitsentwicklung

Autor(en):
Seine Heiligkeit Tenzin Gyatso ist der 14. Dalai Lama, weltlicher und spiritueller Führer des tibetischen Volkes, sowie Träger des Friedensnobelpreises. Paul Ekman ist emeritierter Professor der University of California und einer der international führenden Emotionspsychologen.

Themenliste Literatur
Persönlichkeitsentwicklung   Bücher rund um das Thema "Persönliches Wachstum" und was dazu beiträgt, dieses zu unterstützen

Was soll schon dabei heraus kommen, wenn sich zwei alte Männer (beide über 70 Jahre alt) stundenlang unterhalten? Früher war alles besser? Die heutige Jugend taugt nichts? Solches garantiert nicht, wenn sich zwei Männer vom Format "seiner Heiligkeit", der 14. Dalai Lama ist weltlicher und spiritueller Führer des tibetischen Volkes sowie Träger des Friedensnobelpreises, und Paul Ekman, emeritierter Professor der University of California und einer der international führenden Emotionspsychologen, unterhalten. Das Buch basiert auf 39 Stunden Dialog, der in sieben Kapitel zusammengefasst wird, und liefert interessante Einsichten und Impulse.

Interessant deshalb, weil die Konsequenzen von negativen Emotionen für uns alle tagtäglich zu spüren sind: Pessimismus, Zermürbung, Streit und Krieg. Und Burnout, Mobbing, innere Kündigung in unseren Unternehmen. Mit Konfliktmanagement, Mediation und Stressmanagementkursen mag man vielleicht das eine oder andere abpuffern können, doch kann man auch grundsätzlicher fragen: Könnte ein kompetenter Umgang mit Emotionen nicht viel Leid vermeiden und Produktivität und Zufriedenheit verbessern helfen?

Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht um eine "emotionale Schlaftablette". Sondern um intelligenten Umgang mit Emotionen. Und da passt es natürlich ganz hervorragend, dass das Vorwort zu diesem Buch von Daniel Goleman stammt, dem Vater des Begriffs "emotionale Intelligenz".

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir im Westen durch die philosophische Aufklärung den Verstand stark betonen. Man soll sich seines Verstandes bedienen, skeptisch sein, keinen Autoritäten blind folgen; der kritische, mündige Bürger ist uns ein Ideal. Darüber haben wir die Emotionen stark abgewertet. Sie erscheinen uns auf diese reflektierte Weise als zu archaisch und impulsiv. Dies hat auch auf die Psychologie als Wissenschaft abgefärbt. Erst in den letzten Jahren geraten die Emotionen verstärkt wieder in den Fokus; und werden gelegentlich auch schon wieder völlig überschätzt – wie im sogenannten Neuromarketing.

Wir bräuchten also so etwas wie eine emotionale Aufklärung, um auch einen kompetenten und angemessenen Umgang mit Emotionen zu lernen. Und da kommt der Buddhismus gerade recht. Denn in ihm wurden Mitgefühl und Achtsamkeit immer schon wertgeschätzt. Um es einmal anschaulich auszudrücken: Wie kann man es lernen, emotional nicht auszurasten? Erleben doch viele, dass sie von Emotionen quasi übermannt werden, dass diese sich automatisch ereignen. Wäre es etwa möglich, da eine Art "Luftanhalten" als Unterbrechung einzufügen? Damit man noch einmal überlegen kann, ob man so reagieren möchte und welche Folgen es haben würde? In der buddhistischen Mediationspraxis wird so etwas gelehrt. Daher kreist der Dialog der beiden Autoren auch immer wieder um das emotionale Gleichgewicht.

Aber auch anderes ist interessant, nämlich wie sehr Sprache unser Denken und Fühlen bestimmt. Wenn Eskimos zig Ausdrücke für Schnee kennen und westlicher Städter nur einen, kann man sich vorstellen, um wie viel differenzierter man auch mit Emotionen umgehen kann, wenn man sich damit beschäftigt (wie die Tibeter). Im Buch wird übrigens gekennzeichnet, welche Passagen des Dalai Lama in Englisch und welche in Tibetisch waren; inkl. der Übersetzungsarbeit der Mitanwesenden oder Interpretationen und Diskussionen um die "richtige" Diskussion.

Und dann ist Sprache natürlich auch ganz entscheidend für die Modellbildung in den Wissenschaften. Das kritische Hinterfragen des Dalai Lama zeigt immer wieder auf, wie sehr wir Westler auf unserer "Rille" unterwegs sind und meist nicht links noch rechts schauen. Paul Ekman zeigt sich dankbar für solche Impulse, weil sie ihn zu neuen Forschungsfragen anregen.

Ekman gibt auch Einblick in die Szene der Wissenschaftler, die sich mit buddhistischer Philosophie beschäftigen, und in entsprechende Forschungsprogramme. Und er gibt zudem Einblick ins eigene Gefühlsleben. So berichtet er beispielsweise von einem eigenen emotionalen "Damaskus-Erlebnis".

In dieser Rezension können nicht alle Aspekte angesprochen werden, die auf über 300 Seiten auftauchen. Die einzelnen Kapitel ergeben durchaus eine Dramaturgie, indem bei den Ost-West-Unterschieden begonnen wird, dann das Erleben von Emotionen in den Mittelpunkt gestellt wird, um auf den Wert des emotionalen Gleichgewichts zu kommen. Als zentrales Kapitel erscheint das über Ärger, Groll und Hass. Das leitet über zum Mitgefühl, welches im sechsten Kapitel auf den globalen Kontext ausgeweitet wird. Das letzte Kapitel hat den Titel "Persönliche Wandlung". Es schließen sich Anmerkungen, eine Danksagung und ein Index an.

Dieses Buch wird vermutlich keine allzu breite Leserschaft ansprechen. Aber es ist wertvoll nicht nur für Psychologen und Religionswissenschaftler, sondern auch für Menschen, die sich grundsätzliche Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen und das Zusammenleben machen: wie Personal- und Organisationsentwickler, Trainer, Coachs, Berater. Ein Buch vielleicht eher für ruhigere Stunden. Und keines der Sorte "In 30 Minuten stressfrei". Dieses Buch entfaltet eher eine nachhaltige Wirkung nach dem Motto: Wenn Du es eilig hast, dann gehe langsam.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers )

(tw 28.09.2009)

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ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
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wird dem Buch nicht gerecht 

 

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