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Hirnforschung für Neu(ro)gierige
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Spitzer, Manfred / Bertram, Wulff (Hrsg.)
1. Aufl. (2009)
Schattauer, ISBN: 3794527364


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Hirnforschung

Autor(en):
26 Autoren: Wissenschaftler, Journalisten, Kabarettisten

Themenliste Literatur
Unterhaltung   Auch Manager haben hin und wieder Zeit, Romane zu lesen. Unterhaltsames aus der Welt des Managements.

Die Wissenschaftler – darunter nur wenige Hirnforscher – erkennt man an dem trockenen Sprachstil, ganz im Gegensatz zu den Journalisten und Kabarettisten, die in dieser Anthologie zu Wort kommen und eine Bereicherung sind, vor allem für Laien, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben.

Die SPIEGEL-Redakteurin Rafaela von Bredow geht der Frage nach: Ticken Frauen anders als Männer? Sie schreibt, dass Mario Barth in seiner Comedy-Show im Berliner Olympia-Stadion vor 70.000 Zuschauer Klischees verbreitet: Männer sind primitiv, aber glücklich, Frauen können nicht einparken und zwingen Männer im Sitzen zu pinkeln. Der große Unterschied zwischen Männern und Frauen, so Bredow, sei ein Mythos. Bei der Untersuchung von Einsteins Gehirn wurden keine Besonderheiten gefunden.

Große Namen von Hirnforschern findet man in diesem Buch, nicht, wie zum Beispiel Eric Kandel, Wolf Singer, Antonio Damasio, Gerhard Roth oder Joseph LeDoux. Mit einer Ausnahme: Vittorio Gallese. Der Neurophysiologe von der italienischen Universität Parma hat den Mechanismus herausgefunden, wie man mit dem Gehirn die Gedanken und Gefühle anderer lesen kann. Er gilt zusammen mit Giacomo Rizzolatti als Entdecker der Spiegelneurone (das Neuron = Nervenzelle), eine neue Gruppe Nervenzellen. Die Nervenzellen werden jedes Mal aktiviert, wenn wir ein anderes Individuum sehen, das eine Handlung ausführt, deren Vollzug sie selbst kontrollieren. Damit gestatten sie uns, aus eigenem Erfahrungsrepertoire gewissermaßen von innen heraus die Handlungen der anderen zu verstehen. Ein Teil unseres Gehirns schwingt sozusagen das Verhalten des Gegenübers. Deshalb nennen wir sie Spiegelneurone.
Fußballfans springen auf, wenn Gleichgesinnte im Stadium dasselbe tun. Wenn ein Interviewer bei der Begrüßung eines Bewerbers lächelt oder im Laufe des Gesprächs seine Beine übereinander schlägt, wird der Bewerber dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tun.

Mit welchen Methoden arbeitet die Hirnforschung, um zu solchen Ergebnissen zu kommen? Mittels bildgebender Verfahren wie der funktionalen Magnetresonanztomographie (fMRT) finden die Wissenschaftler heraus, dass nicht nur die Bewegungen anderer Personen unser Hirn in Resonanz versetzen, sondern auch deren Emotionen. Die Forscher zeigen den Testpersonen Videoaufnahmen von Menschen, die an einer stinkenden Substanz riechen. Obwohl die Testpersonen keinerlei Geruch ausgesetzt sind, aktivierte allein der Anblick des Films das Ekelzentrum im Gehirn – so als hätten sie die Situation persönlich erlebt. Bei Schmerz ist das nicht anders: In gewisser Weise empfinden Menschen also ungewollt den Schmerz anderer Menschen mit. Der Begriff "Mitleid" wird durch die Hirnforschung im Wortsinn bestätigt.

Spiegelneurone ermöglichen es Menschen, sich in andere hineinzuversetzen (Einfühlung). Sie überwinden die Barriere zwischen uns und unserem Gegenüber. Erst dadurch, dass wir die Gefühle anderer, wie Ekel, Schmerz, Freude, miterleben, können wir sie unmittelbar verstehen. Danach ist Empathie kein abstraktes kognitives Konstrukt, sondern fest in unserem Gehirn verankert.

Die amerikanischen Wissenschaftler Gage, Parikh und Mazulla haben einen Text beigetragen , in dem sie "Die zirkuläre Theorie der Vereinigung" vorstellen mit dem Untertitel "Der Gyrus cinguli macht alles." Was ist das, nie gehört? "Beim Gyrus cingula", so die Autoren, "handelt es sich um ein ringförmiges Stück Gehirngewebe in der Zentralfurche des Neokortex um den lateralen Ventrikel herum." Wer soll das verstehen? Mit dem Gyrus cingula könne man Fehler vorhersagen und die politische Einstellung herausfinden. Erst jetzt merkt ein Laie wie ich, dass es sich um eine Satire handelt.

Beim Beitrag des Kabarettisten Vince Ebert "Glaubst du noch oder denkst du schon?" ist das anders. Hirnforscher, so schreibt er, glauben nicht, dass wir frei entscheiden können:
Wenn Sie zum Beispiel einen Neurobiologen fragen, ob er Tee oder Kaffee möchte, dann sagt er in der Regel: "Ich glaube nicht an den freien Willen, deswegen warte ich einfach ab und gucke, was ich bestelle."

Auf dem Cover dieses Buches steht u.a.:
Mit einem Epilog von Eckart von Hirschhausen.
Den Mann kennt man vom Fernsehen und als Buchautor ("Glück kommt selten allein"). Nach eigenen Aussagen handelt dieser Beitrag von "Politischer Psychologie". Das hört sich dann so an:
Je weiter links eine Person politisch steht, desto unglücklicher ist sie – und umgekehrt oder: Neben den Stirn- und Seitenlappen gibt es noch den Jammerlappen.
Von von Hirschhausen erfahren wir auch in seinem Epilog, den er "Absacker" nennt, warum "reiche alte Säcke" Oldtimer fahren? Weil es die einzige Chance ist, neben dem Auto vergleichsweise jung auszusehen. Autos sind und bleiben Phallussymbole. Kein Wunder, dass sich der Smart so schlecht verkauft. Welcher Mann möchte ein Phallussymbol, das quer in die Lücke passt?<

Bücher müssen sich auch verkaufen. Anstelle von Hirschhausen hätte man auch gleich Mario Barth verpflichten können, aber der hat keinen Doktortitel.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List )

(letter 02.11.2009)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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