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Karriere |
Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs |
Ich beginne – ganz amerikanisch – mit dem Positiven. Der Autor geht von Peter Druckers These aus, dass es im Management – also auch bei der Personalauswahl – auf die Stärken und positiven Arbeitsergebnisse ankomme. Gut so!
Der Autor kommt zu der Schlussfolgerung:
"Zwischen Ihnen (gemeint ist der Bewerber) und einem Unternehmen besteht nicht der geringste Unterschied. Sie beide wollen mit einem bestimmt Einsatz an Zeit, Geld und Aufwand möglichst hohe Gewinne erzielen."
Das mag auf Bewerber zutreffen, die sich als Investmentberater bei Goldmann Sachs oder bei der Deutschen Bank bewerben. Doch die meisten Bewerber treten nicht als homo oeconomicus auf, sondern haben individuelle Bedürfnisse. Sie suchen zwar einen Job, der gut bezahlt wird, wollen aber auch eine sinnvolle Arbeit, die ihnen Freude macht, bei der sie ihre Fähigkeiten einsetzen können und Anerkennung finden. Davon ist leider in diesem Buch nicht die Rede. Im Mittelpunkt stehen die Fragen im Vorstellungsgespräch und wie der Bewerber darauf reagieren sollte: Was soll ich sagen? Wie soll ich mich verhalten? Yates Botschaft: Sie müssen sich verkaufen, wenn sie sich gegen "hartnäckige Konkurrenten" durchsetzen wollen. Dazu bietet er Fragen und Musterantworten an.
Beispiele:
Frage: "Wie gehen Sie mit Stress um?"
Antwort: "Ich versuche immer, die Ursachen für Stress zu vermeiden."
Auf die Frage: "Was differenziert Sie von anderen Bewerbern?", empfiehlt der Autor: Hier sollten Sie Ihren persönlichen USP nennen! (Genau genommen kann ein Bewerber diese Frage überhaupt nicht beantworten, weil er seine Mitbewerber nicht kennt).
Es wimmelt nur so von Suggestivfragen:
- Können Sie unter Termindruck arbeiten?
- Sind Sie belastbar?
- Wie kommen Sie mit unterschiedlichen Menschen zurecht? (Jeder Jeck is anders, sagt man im Rheinland)
- Wie lange möchten Sie bei uns bleiben? (Jedenfalls so lange, bis das Einstellungsgespräch beendet ist!)
- Haben Sie stets Ihr Bestes gegeben? (Autor empfiehlt folgende Antwort: "Ich bin stolz auf meine beruflichen Leistungen, aber ich glaube, dass ich mich noch steigern könnte. Ich bin immer motiviert, mein Potenzial weiter auszuschöpfen … ") Reden Bewerber auch so kariert?
Yate stellt auch Fragen, die vernünftig sind - wie es auch andere Ratgeber tun. Manche Fragen und Musterantworten kommen mir allerdings vor wie Rezepte, Gebrauchsanweisungen oder Warnschilder:
* Auf einem Handy:> Das Gerät nicht in der Mikrowelle trocknen! * Auf einem Fön: Benutzen Sie das Gerät nicht während Sie schlafen.
* Text auf einer Schubkarre: Nicht auf dem Highway benutzen.
Bei Yate hört sich das im Kapitel "Körpersprache" so an:
- Treten Sie langsam, mit Bedacht und in aufrechter Haltung in den Raum.
- Halten Sie den Kopf aufrecht und ihren Blick nach vorn gerichtet.
- Machen Sie keine hastigen Gesten.
Im Kapitel "Die andere Seite des Schreibtisches" schlägt der Autor dem Leser einen Rollentausch vor. Er soll sich dabei Fragen ausdenken und Antworten überlegen, die er "als Arbeitgeber gerne hören würde."
Yate unterscheidet zwischen geschulten und inkompetenten Interviewern, was auf den ersten Blick durchaus realistisch ist. Bei Yate verstehen die geschulten Interviewer im Gegensatz zu den inkompetenten etwas von "psychologischer Gesprächsführung und Fragetechnik". Die Nicht-Profis verlassen sich nach Yate auf Erfahrung, Menschenkenntnis und Intuition.
Als Bewerber würde ich mir wünschen, dass auch die Profis nicht nur die Technik des Fragens beherrschen, bei ihrer Entscheidung nicht nur rational vorgehen, sondern auch auf ihren Bauch hören. Bei der Entscheidung, wer eingestellt wird, gibt es keine Gewissheit. Es handelt sich bei aller Liebe zu den Fakten um eine Prognose, die letztlich auf Glaube und Hoffnung beruht.
Es gibt in diesem Buch auch recht nützliche Ratschläge (Beispiel "verdeckter Arbeitsmarkt"), von denen vor allem diejenigen profitieren, die keine Erfahrung als Bewerber haben wie Berufsanfänger und Hochschulabsolventen. Führungskräften kann ich das Buch nicht empfehlen, weil es keine Fragen zu den Führungsqualitäten enthält. Wichtige Fragen dazu werden nicht gestellt wie etwa
- Wie werden Sie als Chef von Ihren Mitarbeitern wahrgenommen? Als autoritärer Knochen?
- Woran merken Sie, dass Ihre Mitarbeiter ihnen vertrauen?
Ich kann mir nicht helfen. Beim Lesen kommt mir immer wieder das Bild vom "geklonten Bewerber" in den Sinn, der so zu sein hat, wie ein Unternehmen ihn gerne hätte. Wobei es ganz bestimmt Unternehmen gibt, die lieber Bewerber einstellen, die nicht so stromlinienförmig sind, sondern eher selbstbewusst auftreten und eine eigene Meinung haben.
Bei allen Ratschlägen, die der Autor gibt, kommen Gefühle überhaupt nicht vor. Sympathie und Abneigung spielen bei ihm keine Rolle. Es reicht völlig aus, die Ratschläge des Autors zu befolgen, um sein Ziel zu erreichen, den "Hauptgewinn" wie Yate das formuliert. Ist doch alles nur Glückssache?
(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List ) |
(letter 16.01.2010) |
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