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Konsumenten werden heutzutage mit Informationen förmlich überschüttet. Durchschnittlich zwei Sekunden hat eine Werbeanzeige Zeit, einen entscheidenden Eindruck beim Konsumenten zu hinterlassen. Da muss alles passen... Doch Anzeigen, Plakate, Flyer, Verpackungen, Handbücher etc. scheinen oft noch eher der Maxime zu folgen, dass sie der Vorliebe des Auftraggebenden oder dem persönlichen Geschmack des Designers entsprechen müssen. Bedauerlich.
Hier kann das Studium des Informationsdesigns helfen, optimale Gestaltungen zu entwickeln. Das Fachgebiet existiert in den angelsächsischen Ländern schon länger, lässt sich inzwischen aber auch in Deutschland studieren. Beispielsweise in Stuttgart bei Professor Dr. Roland Mangold, einer Koryphäe auf diesem Gebiet. Die Prinzipien der Gestaltung "guter" Informationsangebote stützen sich in diesem interdisziplinären Feld zentral auf Erkenntnisse der wissenschaftlichen Psychologie. Über diese Themen und ihre Anwendung im Informationsdesign gibt dieses Buch einen schönen und lesbaren Überblick.
Das Buch gliedert sich in elf Kapitel. Zunächst liefert uns der Autor im ersten, einführenden Kapitel eine Tour d’Horizon, die den Leser einstimmt auf die folgenden Kapitel. Hier wird erlebbar, wie der Autor vorgeht und, dass er sich an seine Ratschläge auch selber hält. Denn das Taschenbuch ist gut lesbar. Jedes Kapitel startet mit einer Einführungsseite, die als Vorspann, wie man es ja auch von Zeitungen und Zeitschriften kennt, den Leser kurz informiert, aber auch neugierig macht und ins Kapitel lockt. In der weiteren Gestaltung erscheinen immer wieder Randkolumnen, die zentrale Aussagen hervorheben, viele erläuternde Abbildungen, Keywords werden fett gedruckt und Überschriften erleichtern die Orientierung. Jedes Kapitel schließt mit Handlungsempfehlungen. Es folgt eine Zusammenfassung. Sodann werden Lernstandsfragen gestellt und eine kurze Literaturliste präsentiert, die die relevanten Quellen nennt, aber auch zur Vertiefung einlädt.
Doch worum geht es inhaltlich im nutzerorientierten Informationsdesign? Das erklärt Mangold im zweiten Kapitel: Dem Nutzer nämlich "hirngerechte" Informationen zu geben, die Reibungsverluste bei der Informationsaufnahme zu minimieren. Geschickt nutzt er das Thema Datenkompression (bspw. jpeg), um den Leser erst gar nicht in die naheliegende Falle laufen zu lassen, die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniere wie bei einem herkömmlichen Computer. Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass mit "Psychologie" weit mehr gemeint ist als sich Otto Normalverbraucher so darunter vorstellen mag. Es geht um Modellierung psychischer Prozesse und um deren wissenschaftliche Erforschung.
Wie unser Seh- und Hörsinn funktionieren, erläutert das dritte Kapitel. Selektives Sehen und Theorien der Aufmerksamkeitssteuerung sind fundamental wichtige Aspekte, die das vierte Kapitel behandelt. Sehr spannend liest sich Kapitel 5, das zeigt, wie unser Gehirn die Informationen sortiert. Wenn man weiß wie, kann man sich ja entsprechend darauf einstellen und typische Fehler vermeiden. Mangold zeigt auch gelungene Beispiele dafür. Nicht minder spannend ist das sechste Kapitel, das zeigt, wie unser Gehirn versteht. Eine mitnichten triviale Angelegenheit.
Im siebten Kapitel zeigt uns der Autor, wie unser Gedächtnis funktioniert. Wer jetzt nach allem zuvor Gelesenen immer noch glaubt, dass funktioniere wie mit einer digitalen Festplatte, kann hier sein blaues Wunder erleben. Unsere Erinnerung zeichnet sich zutiefst durch konstruktive Leistungen aus. Und auch menschliches Denken funktioniert nicht wie bei den besagten Rechnern. Wer sich jemals wunderte, warum er Probleme mit Wahrscheinlichkeitsrechnung hat, kann hier lernen, warum: Unser Gehirn ist für solche Formalia einfach nicht gemacht. In der Regel bedienen wir uns sogenannter Heuristiken – mit denen wir in der Mehrzahl der Fälle so schlecht auch gar nicht liegen.
In den letzten Kapiteln geht es um Motivation und Handlungsplanung, und um Emotionen, deren Rang für unsere Informationsverarbeitung und Handlungsteuerung in den letzten Jahren zunehmend erkannt wird. Wer eben im Kapitel über Gedächtnis und Denken sich noch gewünscht hätte, doch ein wenig mehr "Mr. Spock" zu sein, wird hier erkennen, dass der Vulkanier gar nicht (in unserem Sinne) "normal" (oder sogar überlebensfähig) wäre. Denn unser Wahrnehmen, Denken und Handeln sind zutiefst von Emotionen beeinflusst – und umgekehrt. Das letzte Kapitel widmet sich den Persönlichkeitsunterschieden zwischen Menschen und zeigt auf, dass nicht alle Menschen gleich reagieren.
Ein Glossar schließt das Buch insgesamt ab oder, wenn man so will, auch wieder auf: Es eignet sich - neben den Lernstandsfragen, deren Lösung auch zum Schluss präsentiert werden - bestimmt gut als Datenbank für das studentische Lernen mit Blick auf die obligatorische Klausur.
Mit diesem Buch hat nicht nur der Student des Informationsdesigns, sondern auch der des Marketings, der Medienwirtschaft, der Wirtschaftspsychologie etc.) ein ganz hervorragendes und kompaktes Buch in Händen. Ansprechend gestaltet und gut zu lesen. Dieses Buch gehört aber nicht nur in Studentenhände, sondern auch in die entsprechenden Abteilungen unserer Unternehmen.
Man könnte darüber spekulieren, warum Mangold, der ja ebenfalls ein exzellentes Lehrbuch zur Medienpsychologie geschrieben hat, diese Materie hier außen vor lässt. Sie würde sich ja wunderbar anschließen und die Informationspsychologie abrunden. Auch fragt man sich manchmal, warum der Autor gewisse Thematiken auslässt. So ist der Verweis auf die überholte Maslow-Theorie nicht gerade wichtig und der Hinweis darauf, diese Motivationstheorie würde in der Arbeits- und Organisationspsychologie ein Rolle spielen, abstrus. Sicher, den Stoff kann man immer noch "tiefer legen". Dafür würde sich beispielsweise das ebenfalls hervorragende Buch von Georg Felser "Werbe- und Konsumentenpsychologie" eignen. Dafür ist das Mangold-Buch schlicht kompakter und schneller zu lesen - und günstiger in der Anschaffung.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers ) |
(thw 17.05.2010) |
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