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Rezension:
Wer ist Nancy Duarte, die Verfasserin? Sie ist - zusammen mit Ehemann Mark - "Principal", also Chefin und zugleich kreative Führungsperson von Duarte Design - einer der größten Design-Agenturen im Silicon Valley und führendes Unternehmen auf den Gebieten "Presentation Design und Development". Sowohl die (auf www.duarte.com nachzulesende) Historie von Duarte Design als auch die Liste der von den Duartes und ihrem Team belieferten Unternehmen und Einzelpersonen ist beeindruckend. Neben Weltfirmen wie Apple, Adobe, Cisco, Google und Hewlett Packard ragt ein weiterer Name heraus: Der von Ex-US-Vice President Al Gore, dessen weltweit gehaltene Präsentation "An Unconvenient Truth" ("Eine unbequeme Wahrheit", den Klimawandel betreffend) von Duarte Design gestaltet wurde.
Es ist sinnvoll, ja notwendig, diese Hintergrundinformationen zu kennen, wenn man die Aussagen über das Anliegen des Buches im Vorwort, in der Einleitung und in den ersten Kapiteln liest: Das Buch soll ein "Nachschlagewerk für die Erstellung wirkungsvoller Präsentationen" sein, die "Kommunikation mittels Präsentationen revolutionieren" und dazu "Konzepte rund um das Erzählen visueller Stories" liefern - Konzepte, die Referenten erfolgreich machen, zu höheren Präsentationsstandards führen und Teilnehmer von nervtötenden Text-Präsentationen erlösen.
An die Adressaten des Buches (alle, die Präsentationen zu halten haben) richtet Nancy zunächst eine Warnung "Dieses Buch ist nichts für Sie, wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein kleines Licht bleiben wollen", bevor sie ihre Konzepte - erwachsen aus jahrelanger Zusammenarbeit "mit einigen der "besten Markenartikler der Welt" und zwanzig Jahren Berufserfahrung im Detail darlegt. Die verwendete Präsentations-Software spielt dabei eine untergeordnete Rolle, insbesondere wird nicht explizit etwa auf PowerPoint abgestellt, wenngleich viele der Beispiele, so auch die (leider) wenigen, die von der Duarte-Homepage zur freien Nachnutzung heruntergeladen werden können, mit PowerPoint geschaffen wurden.
Über das ganze Buch verteilt finden sich "Fallstudien" von Personen, die es verstehen, beispielhafte Präsentationen zu halten. Allerdings führen diese eher zu Frustration als zu Inspiration. Denn: Wer von den "normalen" Angestellten oder Selbstständigen kommt jemals in eine Situation wie Al Gore, Mark Templeton von Citrix oder Rick Justice von Cisco Systems, die ganze Präsentationsteams zur Vorbereitung ihrer gepriesenen Life-Auftritte vor Hunderten oder Tausenden Teilnehmern zu ihrer Verfügung haben, mit denen sie ihre Ideen entwickeln und proben können? Auch die in Kapitel 11 "Durch Folien interagieren" beschriebene "denkwürdige Präsentation" einer Neurophysiologin auf einem Kongress in 2008, in der diese ihren eigenen Schlaganfall "präsentierte", ist sicher kein übertragbarer Musterfall, wenn er auch eindrucksvoll deutlich macht, dass man mit ganz wenigen Folien, erzählerischem Talent und einer besonderen Requisite (hier war es ein echtes menschliches Gehirn) eine gewaltige Wirkung erzielen kann.
Wir, die Normalos unter den Präsentatoren, konzentrieren uns besser auf den Sachteil des Buches, das auf 261 Seiten und in 12 Kapitel gegliedert einen enormen Lernstoff zum Thema "Macht der Präsentation" ausbreitet. Der Leser soll lernen, beim Konzipieren seiner Präsentationen "wie ein Designer zu denken", um seine Zuhörer "in einer Weise durch seine Ideenwelt zu geleiten, die das Verständnis fördert und nicht behindert".
Wie kann der Leser von den oft kritisierten "PowerPoint-Schlachten" mit textlastigen Folien loskommen und die vorstehend skizzierte Ziele erreichen? Der Leitgedanke, der sich als roter Faden durch das gesamte Buch zieht, heißt "Visuelle Stories erzählen". Das Vorgehen: Schluss jetzt mit Textblöcken und Aufzählungspunkten auf den Folien! Folien mit mehr als 75 Wörtern sind keine Folien, sondern Textdokumente ("Folienumente"), die man in eine Besprechung einbringen, nicht aber in einer Präsentation zeigen sollte. Beim Präsentieren von Texten fangen die Teilnehmer sogleich an zu lesen, hören dem Redner kaum zu und bekommen dadurch seine Ideen nicht oder nicht richtig mit. Besser als Prosa mit "Bullet Points" ist ein visueller Ansatz mit möglichst einfachen Grafiken, die die beabsichtigte Botschaft veranschaulichen und diese in Form einer bildlichen Story verdeutlichen.
Die Entwicklung von Präsentationen mit ausgewogenem Verhältnis von beabsichtigter Botschaft, visueller Story und Rednervortrag erfordert Zeit – mehr Zeit als die meisten Vortragenden zu haben glauben. Die Autorin veranschlagt den notwendigen Zeitaufwand für die Vorbereitung einer einstündigen Präsentation mit 30 Folien auf 36-90 Stunden, davon 6-20 Stunden für die Ideensammlung, 2 Stunden für die Präsentationsstrukturierung, 20-60 Stunden für die Folienerstellung und 3 Stunden für das Proben der Präsentation.
Als Methoden zum Finden der richtigen Präsentationsstruktur empfiehlt sie die Verwendung von Haftnotizen, also den kleinen gelben Klebezetteln, auf denen die Ideen notiert und die leicht so lange umgruppiert werden können, bis die Struktur und der Ablauf stimmen. Erst danach geht es ans Erstellen der Folien.
Die Kapitel 3 bis 10 bieten eine umfangreiche Beispielsammlung von graphischen Elementen zum Gestalten von "Visuals", Vorschläge zur Verwendung von Diagrammen, zum Ausdrücken von Beziehungen zwischen Informationen (z.B. Fluss, Struktur, Clustering), zum Foliendesign und zum Einbinden von Videos.
Wer das Buch durchgelesen hat – richtig durch und nicht nur durchblättert, kann zwei wichtige Punkte mitnehmen: Erstens ein überlegenes Präsentations-Know-how für die Zukunft, zweitens die (unbehagliche) Einsicht, dass manche seiner bisherigen Präsentationen Schrott waren und die Zuhörer eher verwirrt als erleuchtet haben. Ob jeder das wirklich ertragen kann und sich von nun an grundlegend bessert? Nancy Duarte kann ihm dabei helfen.
Ein kritischer Hinweis zum Buch ist leider notwendig. Er betrifft nicht den Inhalt, sondern seine Gestaltung und richtet sich an den Verlag O'Reilly. Die für das Buch gewählte hellgraue Schrift macht die Lektüre zur Tortur für die Augen. Und die Beschriftung der Bilder und Grafiken lässt sich teilweise nur mit der Lupe entziffern. Eine Fehlleistung des Designers der Ausgabe und eine Zumutung für den Leser.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Hansdieter Matthes)
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(hdm 10.08.2010) |
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