Wie Professor Bömmel in der Physikstunde aus dem Heinz-Rühmann-Film "Die Feuerzangenbowle" stellen wir uns mal ganz dumm und fragen:
„Wat is ne coaching-disc®?“
Die coaching-disc® ist eine runde, graue Metallplatte mit ca. 40 cm Durchmesser und eingraviertem Raster (Mittelpunkt, zwei konzentrische Kreise, drei gleichgroße Sektoren).
Dazu gehören Magnete in unterschiedlichen Formen und Farben.
Disc und Magnete können mit wasserlöslichen Stiften beschriftet werden.
„Wer hat’s erfunden?“
Diesmal nicht die Schweizer, sondern die Österreicherin Elisabeth Wrubel. 1999 entstand die Idee, seit 2004 ist die in Wiener Behindertenwerkstätten gefertigte Disc im Handel.
„Wat kost’t dat Dingens?“
Für € 240.- kann man die Disc incl. Magnete im Stoffbeutel, wasserlöslichem Stift und Filztasche, die auch als Unterlage dient, im Internet bestellen.
„Wofür is dat Dingens jut?“
Mit der Disc und den Magneten wird die Fragestellung des Ratsuchenden visualisiert. Diese Form der Visualisierung erschließt wie auch bei Personenaufstellungen die subjektive innere Realität des Ratsuchenden. Der über das reine Gespräch hinausgehende Methodenwechsel und der damit verbundene Perspektivenwechsel (Vogelsperspektive, 360- Grad-Perspektive) ermöglichen dem Ratsuchenden blitzartige Erkenntnisse und helfen ihm, seine Lösungen zu entwickeln.
„Da hamma ja nu noch dat Handbuch …?!“
In dem Handbuch (ca. 106 Seiten) gibt die Autorin zahlreiche methodische Tipps zur Arbeit mit der Disc und verdeutlicht deren Einsatzmöglichkeiten an Beispielen aus unterschiedlichsten Einsatzfeldern, z.B. Coaching, Supervision, Marketingberatung etc.
Die Autorin ist eine Vertreterin der systemisch-lösungsorientierten Schule. Sie ist geprägt von der Grundhaltung, dass der Ratsuchende das Potenzial zum Finden seiner Lösungen in sich trägt und der Berater ihm durch systemisches Fragen auf die Sprünge hilft.
In Kapitel 4 beschreibt sie grundlegende Formen systemischer Fragen (assoziierende Fragen, Fragen nach dem Gleichen und Unterschiedlichen, Wunsch- und Zukunftsfrage), die für die Arbeit mit der Disc hilfreich sind.
In Kapitel 7 stellt sie die wichtigsten wertfreien Einstiegsfragen zusammen, die der Entschlüsselung des auf der Disc Sichtbaren dienen. Darüber hinaus benennt sie sechs Spielregeln für die Arbeit mit dem Klienten (S.100 – 101; verkürzte Formulierungen stammen vom Rezensenten):
- Eine eindeutige Fragestellung formulieren!
- Als erstes den Stein für den Ratsuchenden auf die Disc stellen lassen!
- Beginn der Visualisierung im Hier und Jetzt
- Vertrauen, Ruhe und Zeit sind Voraussetzung für das Arbeiten mit der Disc
- Fragen stellen und nicht in das Bild des Ratsuchenden eingreifen
- Weniger ist mehr – nicht mehrere Fragestellungen gleichzeitig bearbeiten
„Wat soll ma nu davon halte?“
Frau Wrubel hat das Rad nicht neu erfunden, denn Visualisierungsmethoden gibt es zuhauf, wie z.B. Szeno-Kasten, Familienaufstellungen, Familie in Tieren, Arbeit mit dem Sozialen Atom von J.L. Moreno, um nur einige zu nennen.
Sie bereichert die "beraterische Visualisierungslandschaft" mit einem optisch ansprechendem, vielseitig einsetzbarem und methodisch individuell erweiterbarem Tool.
Gut finde ich das Handbuch mit den praktischen Hinweisen und Beispielen, das Interessierten eine gute Basis liefert, ihr eigenes Methodenrepertoire zu ergänzen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider ) |