Coaching mit System ist 2002 zum ersten Mal erschienen. Für die Autoren ist Coaching und Supervision inzwischen in den Organisationen zur Routine geworden. Diese Formen professioneller Prozessbegleitung seien Bestandteil vorausschauendenden Organisationshandelns und der Qualitätssicherung. Zielgruppen von Coaching sind Einzelpersonen in verantwortungsvollen Führungspositionen oder Teilen von Organisationen wie Teams, Arbeitsgruppen und Abteilungen. Dabei ist Coaching nicht auf Wirtschaftsunternehmen beschränkt, sondern findet sich auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Coaching mit System ist ein von den Autoren entwickeltes integratives und kreatives Coachingkonzept. Hier stellen sie die Grundlagen, Arbeitsprinzipien und Anwendungsmöglichkeiten vor.
Was ist Coaching?
In ersten Teil des Buches stellt Michael Pohl den Begriff Coaching aus unterschiedlichen Perspektiven dar. Dabei beantwortet er die folgenden Fragen:
- Wie macht sich Coaching verständlich?
- Was unterscheidet Coaching von anderen Beratungsformen?
- Wie wird Coaching wirksam?
- In welchen Zusammenhängen bewegt sich Coaching?
- Wie werden Veräderungen durch Coaching erreicht?
- Welche Fähigkeiten braucht ein Coach?
- Wie kann Coaching Bildungs- und Ausbildungsprozesse nachhaltig fördern?
Die Antworten auf diese Fragen geben einen Überblick über die theoretischen Ansätze, die dem Coaching mit System zugrunde liegen. Sie erklären den Begriff Coaching und die dem Coachingprozess zugrunde liegenden Prinzipien.
Das Systemhaus erklärt die Elemente des Coachingkonzeptes
Die Metapher des Systemhauses erklärt, aus welchen Elementen ein Coachingkonzept besteht und wie diese zusammenwirken. Mit dem Bild des Systemhauses wird die Komplexität von Organisationen reduziert und für die Bearbeitung in einem Coachingprozess verständlich gemacht. Das Systemhaus besteht aus unterschiedlichen Etagen, denen die Elemente einer Organisation wie zum Beispiel Leitbild, Rollen und Prozesse und der organisatorische Alltag zugeordnet werden. So können die einzelnen Elemente für sich bearbeitet werden, sind aber gleichzeitig in den Gesamtzusammenhang eingebettet.
Was muss ein Coach wissen und können?
Der Begriff Coach ist nicht wie andere Titel geschützt. Gleichzeitig stellt professionelles Coaching den Anspruch, dass der Coach ein Mindestmaß an Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringen muss, um Menschen durch Reflexion und Begleitung in Arbeitssituationen zu unterstützen. Für die Autoren sind nachvollziehbare Qualitätsstandards ein Mittel, mit denen Coachingdienstleistungen vergleichbar werden und die Abnehmer von Coaching eine Orientierung erhalten. Die Autoren stellen hier das von ihnen entwickelte Ausbildungsmodell für Coachs dar.
Trends in Coaching
In diesem Kapitel erläutern die Autoren, warum Coaching für sie mehr als ein Modetrend ist, vielmehr eine gesellschaftlich sinnvolle und notwendige Verankerung von Prozessberatung. Durch fundierte Qualitätskriterien gehe eine Herausbildung einer Coachingkultur und die Implementierung von Coachinglernen einher.
Der Coach stiehlt wo er kann
Coaching hat viele Einflüsse. Die theoretischen Grundlagen des Coachings reichen von kommunikationswissenschaftlichen Theorien, wie sie zum Beispiel Paul Watzlawick und Schulz von Thun entwickelt haben über die systemtheoretischen Ansätze von Gregory Bateson und der sozialwissenschaftliche Systemtheorie bis hin zu Ansätzen aus der Kunst. Wie in einem Kaleidoskop werden die im Coaching verwendeten Begriffe aus anderen Bereichen dargestellt und geben so einen Einblick in die unterschiedlichen Einflüsse, die bei der Entstehung des Konzeptes Coaching mit System beteiligt waren.
Coachingpraxis: Berichte und Coachingmaterialien
Im letzen Teil des Buches zeigen die Autoren, wie die Elemente des Coachings in der Praxis angewendet werden und wie dadurch Personen und Gruppen ihr Verhalten geändert haben. Interventionen für den Einsatz in Coachingsitzungen werden ausführlich beschrieben. Eine Sammlung von Materialien, die Coachs direkt nutzen können, schließt den Praxisteil des Buches ab.
Das nehmen Sie von der Lektüre mit:
Der Leser erhält einen umfassenden Überblick über das prozessorientierte Coaching und das von den Autoren entwickelte Modell "Coaching mit System". Hierbei bleibt kein wichtiger Aspekt offen. Der Leser wird schrittweise von der Theorie bis hin zur praktischen Umsetzung geführt. Das Buch gibt den am Thema Coaching Interessierten einen Überblick und eine Hilfe, wie sie sich in diesem Thema qualifizieren können. Wie erfahrene Berater geben die Autoren viele Anregungen sowohl über die Theorie wie auch für die praktische Umsetzung.
Der Stil
Das Buch bewegt sich zwischen einem Fachbuch und einem Ratgeber. Der Fachbuchaspekt wird im Wesentlichen durch die Kapitel über die theoretischen Ansätze abgedeckt. Dabei kommen jedoch viele wichtige Ansätze wie zum Beispiel eine ausführliche Erklärung des Systemmodells, das dem Coaching mit Systems zugrunde liegt, zu kurz. Der Ratgeber besteht aus den Kapiteln über die Ausbildung und den praktischen Einsatz von Coaching. Hier ist der Stil jedoch sehr in der Begrifflichkeit der systemischen Beratung verhaftet und teilweise abstrakt. Hier hätte man sich als Leser die Prägnanz gewünscht, wie sie in einigen Arbeitsblättern zu finden ist.
Fazit:
Ein umfassender theoretischer Überblick in das Thema Coaching und dessen Einsatz in der Praxis.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Tomas Bohinc) |
(Bohinc 02.09.2010) |
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