Projekte werden aufgesetzt, um Dinge zu verändern, neues einzuführen und überhaupt Unruhe zu verursachen. Die gute Absicht dahinter verdeckt häufig, dass die Veränderungen stets auch Widerstand hervorrufen. Daher hat jedes Projekt Gegner. Menschen, die sich oder die Umstände nicht verändert sehen wollen oder schlicht etwas verlieren, wenn das Projekt erfolgreich abgeschlossen wird. Zur Projektarbeit gehört somit auch der Umgang mit Widerständen und Risiken. Das ist Projektspezialisten bekannt. Das vorliegende Buch richtet sich nun explizit an diejenigen, die ein Projekt sabotieren wollen und zeigt Strategien auf, wie man vorgehen muss, um ein Projekt zu stoppen.
Während die Projektleiter Methodiken wie PRINCE II einsetzen, um erfolgreich zu sein, gibt es auch eine Sabotagemethodik: CRIME I Dazu gehören folgende Schritte: Conspire (Verschwörung), Recruit (Mobilisierung), Infiltrate (Infiltrierung), Manipulate (Manipulation), Execute (Ausführung).
Mit der Methodik ausgerüstet, werden in den folgenden Kapiteln die verschiedenen Rollen diskutiert, die ein potenzieller Saboteur inne hat und wie deren spezifische Möglichkeiten zur Sabotage eingesetzt werden können. Egal, ob Auftraggeber, Projektmanager, Anwender, Spezialist oder Betriebsrat, jeder bekommt aufgezeigt, was er wie zu tun hat, um ein Projekt zum Stillstand zu bringen.
Bei der Beschreibung der einzelnen Sabotagestrategien wird so manchem Projektmanager klar werden, woher Schwierigkeiten in seinen Projekten kamen. So wird aufgezeigt, dass es häufig die Instrumente des Projektmanagements sind, die gegen das Projekt eingesetzt werden können. Anforderungen, Änderungsanträge, Proof of Concept, Genehmigungsprozess, Abnahmen usw. Alles wunderbar geeignet, ein Projekt auszuhebeln. Wenn man weiß, wie es geht.
So lauten Tipps für den sabotierenden Anwender: Unklare Wünsche äußern, Fortschritt behindern oder Kommunikation manipulieren. Da stehen zwei an der Kaffeeemaschine und einer meint: "Im Vertrauen..." Ahnen Sie, wie es weitergeht?
Daher ist die Frage der Autoren "Fangen Sie ansatzweise an zu verstehen, warum in der Realität so viele Projekte nicht gelingen?" fast schon rhetorisch zu verstehen. Insbesondere, weil sie diese Frage an einer Stelle des Buches aufwerfen, an der sie die unterschiedlichen Koalitionen diskutieren, die Saboteure miteinander bilden können. Hier kann einem Projektverantwortlichen schwindelig werden, wenn er einsehen muss, dass er fast keine Chance hat. Kennen Sie das Gefühl?
Daher diskutieren die Autoren auch die zentrale Frage im Projektmanagement: Wie erlange ich ausreichend Macht, meine Interessen (als Projektverantwortlicher oder -saboteur) durchzusetzen? Eine spannende und in der "klassischen" Projektmanagement-Literatur leider selten diskutierte Thematik.
Auch wenn es aus der Sicht des Saboteurs geschrieben ist, wollen die Autoren natürlich die Erfolgsaussichten von Projekten steigern. Dazu hätte aber ein Kapiteln mit Praxistipps gehört, die den Projektverantwortlichen aufzeigen, wie Saboteure identifiziert und mit ihnen umgegangen werden kann. Obwohl dies fehlt, ist das Buch, nicht zuletzt durch den provokativ-humorvollen Schreibstil, sehr lesenswert. Viele Leser werden sich ertappen, dass sie geistig abgleiten und ihre Projekterfahrung reflektieren. Zumindest dem Rezensenten ging es so.
Die Verkehrung der üblichen Betrachtungsweise (wie mache ich mein Projekt erfolgreich?) in ihr Gegenteil verändert die Sicht auf ein Projekt und dabei könnte sich durchaus ergeben, dass ein Projektleiter seine Strategien überdenkt oder Schwerpunkte im Projekt etwas anders setzt. Spätestens in der Risikobetrachtung wird sich die Lektüre des Buches daher auszahlen. Die Strategien der Saboteure zeigen dem Projektleiter, worauf er (auch) achten muss.
Daher ist das Buch jedem zu empfehlen, der ein Projekt erfolgreich machen will und Erfahrung mit Projektmanagement besitzt. Nicht empfehlen möchte der Rezensent es denjenigen, die Projekte sabotieren wollen. Hier erfahren Sie leider, wie es geht. Tja, alles hat seine zwei Seiten.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Frank Edelkraut) |