myMWonline Blog Seminare Marktplatz Redaktion
Sitemap
  Buchbesprechung


Angewandte Psychologie für das Human Resources Management
Konzepte und Instrumente für ein wirkungsvolles Personalmanagement

Hier klicken für mehr Infos ...



Wermann-Karcher, Birgit / Rietiker, Jack
1. Aufl. (2010)
Springer, ISBN: 3642124801


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Personalmanagement, Personalauswahl, Beurteilung, Trennungsmanagement

Autor(en):
Berater und Dozenten am IAP, Zürich

Themenliste Literatur
Personalwirtschaft   Ein weites Feld: Wie findet man Mitarbeiter? Wie bindet man sie ans Unternehmen? Wie organisiert man ihre Entlohnung? Und wie trennt man sich wieder?....

Es geht in diesem Buch nicht nur um "angewandte Psychologie", wie es der Titel vermuten lässt, sondern um sehr viel mehr. Zwanzig Autoren - Psychologen, Soziologen, Juristen, Betriebswirte, Pädagogen -, die als Berater und Dozenten beim Züricher "Institut für Angewandte Psychologie" (IAP) tätig sind, haben ein "Nachschlagewerk für Fach- und Führungskräfte im HRM" (= Human Resource Management) geschrieben, wie selbst sagen.
Hier eine kurze Übersicht der Themen, die behandelt werden:
  1. Grundlagen HRM: Organisation, Rollen, Menschenbilder
  2. Strategisches HRM: Modelle, Organisationskultur, Changemanagement
  3. HRM-Kernfunktionen: Strukturen, Prozesse, Arbeitsmotivation, Personalauswahl, Beurteilung, Personalentwicklung, Trennungsmanagement
  4. Rollengestaltung in speziellen Feldern: HRM als Kooperationspartner, HRM in der Beraterrolle, Konfliktmanagement, Gruppen und Teams
  5. Ausblick: Demografie und Wandel, Arbeit und Gesundheit, internationales HRM.
Die Beiträge fallen inhaltlich unterschiedlich aus, haben aber Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, woraus resultiert, dass die Beiträge bewusst theoretisch verfasst sind und die Sprache trocken, blutarm, wenig anschaulich und manchmal auch verschwurbelt daher kommt. Beispiel Konfliktmanagement:
Wenn man sich vor Augen führt, dass das Involviertsein in Konflikte ein Stressor ist, werden auch die Ambivalenzen in den Aussagen über Konflikte leichter erklärbar.

Hier soll am Beitrag "Auswahl von Personal" pars pro toto die Vorgehensweise gezeigt werden. Der Autor des Beitrages, Jack Rietiker, schreibt, dass dem "heutigen Trend zur Wissenschaftlichkeit" auch die Personalauswahl unterliege und plädiert für die "wissenschaftliche Personalauswahl". Er meint die Eignungsdiagnostik, die er für das wirksamste Verfahren hält, um den Berufserfolg vorher zu sagen. Nach meiner Erfahrung mit der Auswahl von Personal kann ich beides nicht bestätigen.

Eignungsdiagnostiker wie Jack Rietiker erzeugen die Illusion der Gewissheit. Mit wissenschaftlichen Methoden wollen sie den Eindruck vermitteln, dass es möglich ist, durch Messung von Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen, mit Stichproben, Skalen und Koeffizienten Gewissheit zu erzeugen. Sie begründen es damit, dass diese Verfahren objektiv, valide und reliable (zuverlässig) sind. Das soll heißen: Mehrere Beurteiler müssen zu den gleichen Ergebnissen kommen. Mit den Messergebnissen wollen sie den Praktikern in den Unternehmen das Gefühl geben, dass die Bewerberauswahl mit wissenschaftlichen Methoden gelingen wird. Sie gaukeln eine Sicherheit vor, die es nicht geben kann, weil der Berufserfolg von Dingen abhängt, die nicht messbar und noch weniger vorhersehbar sind. Beim Vermessen der Persönlichkeit bleiben merkwürdigerweise die Erkenntnisse der Hirn- und Intuitionsforschung völlig außer acht, weil man Gefühle eben nicht in Zahlen ausdrücken kann.

Jeder Praktiker weiß, dass die Entscheidung, wer eingestellt wird, ein Risiko bedeutet, weil diese Entscheidung eine Prognose ist. Besitzt der Mitarbeiter die Fähigkeiten und den Willen, seine Aufgabe erfolgreich zu bewältigen?
Personalreferenten und Personalberater kennen das Risiko und vertrauen auf ihr Erfahrungswissen.

Der Autor des Beitrages ist der Auffassung, dass Personaldiagnostik Fehlentscheidungen reduziere, räumt aber ein, dass es die richtige Methode der Personaldiagnostik nicht gebe. Offenbar ist er von den Erkenntnissen der Eignungsdiagnostik doch nicht überzeugt. Er setzt am Schluss seines Beitrages, der mit 22 von insgesamt 477 Seiten recht mickrig ausgefallen ist, auf eine Kombination eines wissenschaftlichen (eignungsdiagnostischen) und erfahrungsbasiert-intuitiven Ansatzes wie ihn etwa Schuler mit seinem Multimodalen Interview vertritt. Rietiker hält diese Methode für den "Königsweg". Auch Königswege können Holzwege sein. Alternativen zu seinem "Königsweg" hat Rietiker nicht zu bieten. Im Literaturverzeichnis sind nur Werke von Wissenschaftler genannt, obwohl es auch Bücher gibt, die von Praktikern geschrieben worden sind. Über die eigentliche Beurteilung der Eignung und die Entscheidungsfindung, wer eingestellt wird, erfährt man in diesem Beitrag nichts. Wie bei allen anderen Beiträgen in diesem Buch fehlt auch hier ein praktisches Beispiel, um Personalauswahl anschaulich zu machen.

Der Beitrag über Trennungsmanagement von Hanna Aschenbrenner hat mir besser gefallen. Auf dreizehn Seiten gibt sie einen Abriss darüber, was Unternehmen bei der Trennung tun sollten, um die Betroffenen, aber auch den Verbleibenden gerecht zu werden. Wer als Personaler nicht viel über das Thema weiß, bekommt einen guten Überblick, worauf es ankommt. Man merkt dem Beitrag an, dass die Autorin Erfahrung als Personalmanagerin hat. Wie bei anderen Beiträgen fehlt auch hier ein Beispiel aus der Praxis.
Den Anspruch dieses Buches haben die Autoren so formuliert:

Praktische Anregungen für Vorgehensweise und Arbeitsinstrumente zu erhalten und sich theoretischen Grundlagen für das praktische Handeln (...) anzueignen.

Die Autoren des Buches vermitteln eher den Eindruck, dass sie mit dem Rücken zur Praxis stehen. Der Anspruch, den sie sich selbst gestellt haben, wird kaum erfüllt. Trotzdem: Das Buch enthält viele brauchbare Informationen, mit Schaubildern und Checklisten. Für Studenten und Berufsanfänger ganz nützlich, aber für die Personaler weniger geeignet.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List )

(letter 28.11.2010)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

Andere Leser haben diese Rezension so beurteilt:
BewertungAnzahl
lässt keine Wünsche offen
wird dem Buch nicht gerecht

Buchbesprechung versenden  Diese Buchbesprechung per e-mail versenden
  Diese Seite als PDF öffnen und optimal drucken oder versenden

Weitere Buchbesprechungen dieses Rezensenten:

Babiak, Paul / Hare, Robert D. Menschenschinder oder Manager
Deutsche Gesellschaft für Personalführung (Hrg.) Mitarbeiter auswählen
Ehrenreich, Barbara qualifiziert & arbeitslos
Fuchs, Werner Management by Heroes
Haitzer, Axel Bewerbermagnet
Hein; Joachim von Personalführung im Handwerk
Heinloth, Stefan Praxishandbuch für Führungskräfte
Kitz, Volker / Tusch, Manuel Das Frustjobkillerbuch
Krames, Jeffrey A. Peter Druckers kleines Weißbuch
Köbler, Ralph Neue Wege im Recruiting
Lang-von Wins, Thomas / Triebel, Claas / Buchner, Ursula / Sandor, Andrea Potenzialbeurteilung
Leonhardt, Roland Der One-Page-Manager.
Lesch, Sebastian Psychoblasen in der Wirtschaft
Lohberg, Sven Online Recruiting
Lorenz, Michael / Rohrschneider, Uta Erfolgreiche Personalauswahl
Lorenz,Michael / Eichsteller,Harald / Wecke,Stefan Fit für die Geschäftsführung
Müllerschön, Albrecht Bewerber professionell auswählen
Ori Brafman / Rom Brafman Kopflos
Püttjer, Christian / Schnierda, Uwe Arbeitszeugnisse
Scheidt, Brigitte Neue Wege im Berufsleben
Spitzer, Manfred / Bertram, Wulff (Hrsg.) Hirnforschung für Neu(ro)gierige
Traufetter, Gerald Intuition
Vasek, Thomas Die Weichmacher
Yate, Martin John / Schmidt, Thorsten / Braun, Almuth Das erfolgreiche Bewerbungsgespräch
Zeuch, Andreas Feel it!