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  Buchbesprechung


Das Hannibal-Prinzip
Mutig führen, menschlich bleiben

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Franz, Joachim / Kreimeyer, Christof / Kuntz, Uwe
1. Aufl. (2010)
Campus Verlag, ISBN: 3593391120


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Führung, Werte

Themenliste Literatur
Führung   Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden.

Drei Männer auf einer Mission: Ob auf dem Kilimandscharo, über die Schlachtfelder von Verdun oder in kalter Nacht auf den Harzer Brocken - Menschen (hier v.a. Führungskräfte) sollen das Fürchten (kennen)lernen, sprich an ihre Grenzen kommen und auf diesen sogenannten Heldenreisen sich selbst, ihren Grenzen und vor allem ihren Werten auf die Spur kommen, auf dass sie als Geläuterte entweder in ihren Alltag zurückkehren oder... etwas ganz anderes tun.

Die drei Autoren entwickeln entlang ihrer Heldenreisen einen besonderen Führungs- resp. Wertekodex und als Heldenmodell haben sie dafür Hannibal erwählt. Mit Hannibal geht es dann auch erst einmal los, nachdem der Leser erfahren hat, dass man mit den Autoren auf Reisen gehen kann. Im ersten Teil des Buches wird Hannibals militärische Vorgehensweise, sein "Führungsverhalten" gegenüber seiner Truppe und vor allem die wesentlichen Aspekte (auch Werte), die ihn zum Helden machten, vorgestellt. Diese Werte, die sich dann thematisch im Buch weiterbewegen, sind Mut, Intelligenz, Disziplin, Vertrauen und Menschlichkeit. Dabei erfahren wir mehr über Hannibal als wir (vielleicht) eigentlich wollten und glauben uns gelegentlich in einem militärhistorischen Werk befindlich und nicht in einem Buch zum Thema Führung. Zwar gehen die Autoren zu jedem "Wert" auch - aber doch eher kurz – auf deren Relevanz für die Führungsarbeit ein und glauben mit kleinen aktuellen Einsprengseln ihren Erkenntnissen tagesaktuelle Bedeutung beizumessen zu müssen. Ein Versuch, der allerdings Menschen, die sich regelmäßig informieren, nur ein müdes Lächeln abringen kann (Stichwort: Bankenkrise, Verhaftung des Herrn Zumwinkel oder leuchtende Unternehmerfiguren wie Herr Grupp, nichts Neues also.)

Für weibliche Leserinnen wird dieser erste Teil zur harten Kost und man/frau ist kurz davor, das Buch wegzulegen (auch aus Ärger, weil man/ frau den Eindruck hat, es handele sich um ein reines Männerbuch - von Männern, für Männer, über Männer) Nun ja.

Im zweiten Teil beleuchten die Autoren die Frage, ob wir heute noch Helden brauchen - und beantworten die Frage mit einem klaren Ja. Den Argumenten kann man gut folgen, denn ihr Verständnis von Heldentum hat viel mit guter Führung zu tun, und auch da muss einer voranschreiten.
Kapitel 3 widmet sich dann der Heldenreise. Die Autoren nehmen uns mit auf ihre drei Heldenreisen, zum Kilimandscharo, über die Schlachtfelder von Verdun und auf den kalten Harzer Brocken. Das Kapitel wirkt ein wenig kaleidoskopartig, da zwischen den drei unterschiedlichen Reisen, den jeweiligen erlebten "inneren" und äußeren Reiseetappen, deren thematischen Reflexionen und den Erzählern ("Ich, Joachim Franz" und "Ich, Uwe Kuntz") immer wieder hin und hergewechselt wird, so dass man Mühe hat, noch das Gesamtbild zu sehen. Das Kaleidoskop wird dann noch durch einige "Selbstcoaching"-Fragen ergänzt,was die Sache nicht eben leichter macht.

Man hat auch den Eindruck, die Autoren konnten sich nicht ganz entscheiden, was sie nun schwerpunktmäßig erzählen wollen. Es macht ein wenig ratlos und verwirrt.

Im vierten Kapitel schließlich, wenn der Leser über Kilimandscharo, Brocken und Verdun hinweggestolpert ist, fassen die Autoren (nun erweitert durch "Ich, Christoph Kreimeyer") ihr Hannibalkonzept noch einmal zusammen und präsentieren nun einen Erkenntnisweg, auf dem man ihnen leichter und mit mehr "Aha-Effekten" folgen mag. Das Kapitel führt noch einmal durch alle Werte, leistet strukturiertere Hilfe zur Selbstreflexion und bietet konkrete Hilfestellung für den Führungsalltag. Man atmet auf. Zum Schluss blicken die Autoren noch ein wenig nach vorn und zeigen auf, dass die von ihnen postulierten Werte nicht nur schon zu Hannibals Zeiten richtig und wegweisend waren, sondern es auch zukünftig sind.

Mein Fazit, mein ganz persönliches:

Das Buch hinterlässt zwiespältige Gefühle. Liest man es bis zum Schluss, kommt man zu einigen interessanten Ausführungen und die Sache wird rund. Anfänglich jedoch - wie schon bemerkt - fragt man sich, ob man ein Fachbuch zum Thema Hannibal und seine Militärstrategie in Händen hält. Der allererste Eindruck aber war, dass man eine sehr clevere und etwas umfangreichere Werbebroschüre zu den drei Reisekonzepten der Autoren in Händen hält (denn das alles ist nichts, wenn man es nicht selbst am eigenen Leibe erfahren hat) Also ein Reiseführer für diejenigen, die diese Reisen machen wollen? Nicht wirklich. Dennoch erfahren wir viele Details über Auf- und Abstiege, Irrungen, Verwirrungen, Erfolg und Scheitern der Heldenreisenden (und noch einmal: man/frau hat das Gefühl, irgendwie geht´s vor allem um Männer). Für wen also ist das Buch lesenswert?

Für zukünftige Kunden der Autoren? Ich glaube, man nähme sich im Vorfeld zuviel von dem vorweg, was man auf den Reisen erleben könnte, das wäre zu schade.
Für vergangene Kunden der Autoren? Die haben hoffentlich eine viel interessantere und spannendere Geschichte über ihre ganz persönliche Heldenreise zu erzählen (das übrigens hätte ich sehr spannend gefunden, einfach eine echte erlebte Reiseerzählung eines Teilnehmers, mit all den Höhen und Tiefen, all den Erkenntnissen und Reflexionen, die man auf einer solchen Reise gewinnt.)
Für Führungskräfte? Sie hören mich seufzen. Das Wertethema ist ohne Frage wichtig (und ganz en vogue, nebenbei). Um sich damit auseinanderzusetzen, reicht kein Buch, dafür ist das vorliegende Buch auch in vielerlei Hinsicht nicht dicht genug. Um sich dem Thema wirklich in aller gebotenen Intensität zu nähern, müsste man vielleicht wirklich auf eine Reise gehen... auf den Kilimandscharo vielleicht?
Also doch eine gigantische Werbebroschüre?
Sie hören mich (schon wieder) seufzen.

Fazit: Finden Sie es selbst heraus. Ein Fehler ist es jedenfalls meiner Meinung nach nicht, das Buch zu lesen.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dorothe Fritzsche )

(D.Fritzsche 23.02.2011)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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