|
| Themenliste Literatur |
 |
Beratung |
Alles für Berater und solche, die es werden wollen |
Edgar H Schein gilt als einer der Mitbegründer der Organisationspsychologie und der Organisationsberatung bzw. der Prozessberatung. Die Grundlage von erfolgreichen Veränderungsmanagement und Führung liegt in dem systematischen Aufbau einer "helfenden" Beziehung. Er entwickelt ein systematisches Konzept des Helfens in persönlichen Beziehungen, mit Teams und Organisationen: Helfen als System. Wie kann Hilfe professionell und verständnisvoll angeboten, effektiv geleistet und vertrauensvoll angenommen werden?
Angeknüpft wird inhaltlich teilweise an das sehr lesenswerte Buch von Edgar H. Schein mit dem Titel: Prozessberatung für die Organisation der Zukunft. Teile aus dem Buch über Prozessberatung werden wiederholt. Daher nur zwei Sterne für dieses auch sehr lesenswerte Buch, welches vor allem zur Reflexion einlädt.
Edgar H Schein bietet eine kurze Einführung, was Helfen überhaupt ist. Eine Beratungsleistung ist auch Hilfe. Das Wort "helfen" klingt im professionellen Beratungs- oder auch Führungsumfeld sicher eher ungewöhnlich.
An Hand von Beispielen aus dem privaten und aus dem professionellen Beratungs- und Führungsbereich wird deutlich, dass es ein sehr komplexes Thema ist: Manchmal hilft "Helfen" und manchmal nicht.
Hilfe geben und annehmen ist ein gesellschaftlicher Prozess und dieser wird in der helfenden Beziehung abgebildet. Kulturelle und auch organisatorische Regeln bestimmen, wie man sich in sozialen Situationen zu verhalten hat, damit es zu einem gefahrlosen und produktiven sozialen Austausch kommen kann.
In der helfenden Beziehung geht es um den Aufbau einer Beziehung auf Augenhöhe. Am Anfang ist dies oft, wenn man sehr genau schaut, nicht automatisch der Fall. Im Gegenteil: Beide Seiten, also der Helfer als auch der Hilfesuchende, können in verschiedene Fallen gehen (Ungleichgewicht der Beziehung und Uneindeutigkeit der Situation). Dazu zählen natürlich auch alle normalen Wahrnehmungsverzerrungen sowie Projektionen.
Zum Beispiel gibt es in Beratungssituationen immer ein Statusungleichgewicht. Der "Hilfesuchende" steht in seinem Status immer niedriger, da er ja ein Problem hat, was er alleine nicht lösen kann und daher Beratung sucht. Wenn der Berater nun gleich in die Expertenrolle oder in die Arztrolle geht, dann verstärkt er dadurch dieses Ungleichgewicht. Besser sei es, zuerst in der Rolle des Prozessberaters zu gehen, um Folgendes zu tun:
- die in der Situation angelegten Wissenslücken füllen
- das anfängliche Status-Ungleichgewicht verringern
- die Rollen bestimmen, die für das identifizierte Problem angemessen sind.
Der Schlüssel zum Aufbau einer helfenden Beziehung liegt in der zurückhaltenden Befragung und Haltung. Es werden dazu die Fragearten:
- Interessierte Fragen
- Diagnostische Fragen zu Gefühlen und Reaktionen – Ursachen und Motiven – Tatsächliche und mögliche Aktivitäten
- Systemische Fragen
- Konfrontative Fragen
- Prozessorientierte Fragen
sowie Kriterien für das Timing der verschiedenen Fragetypen vorgestellt. Gut nachvollziehbare Fallgeschichten zur Teamarbeit und Hilfe für Führungskräfte und Organisationen runden das Thema ab.
Das Buch gibt aus meiner Sicht viele Ideen, warum manche Führungs- und Beratungssituationen zum Beispiel bei Changeprojekten sowie Problemen in der Zusammenarbeit nicht zu gewünschten Ergebnissen führen und wie man es besser machen kann.In der Praxis sicher nicht einfach umzusetzen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Christoph Schlachte) |
(cschlachte 14.04.2011) |
|