Das vorliegende Buch ist Teil 1 einer dreibändigen Reihe über die - aus Sicht der renommierten Autoren - wichtigsten und einflussreichsten Theorien der Sozialpsychologie. Während Band 1 sich inhaltlich mit kognitiven Erklärungsmodellen befasst, fokussieren die Bände 2 und 3 auf Interaktionen/ Gruppenprozesse (2) und Motivationstheorien (3).
Kognitive Theorien beschäftigen sich mit dem Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Handlung. Die Neuauflage ist von 1993 und ersetzt die Erstausgabe von 1978 vollständig. Alle Artikel wurden neu geschrieben und sind somit relativ aktuell, wenn man in Betracht zieht, dass nach wie vor fast jedes Buch über Menschenführung den 43er Klassiker Maslow bemüht.
Die behandelten Inhalte in einfachen Worten:
- Wissenschaftstheoretische Grundlagen sozialpsychologischer Theorien: Psychologie als empirische Sozialwissenschaft
- Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung: Wie wir mit dem inneren Konflikt umgehen, wenn das Wahrgenommene nicht mit dem Erwarteten übereinstimmt
- Theorie sozialer Vergleichsprozesse: Wie und warum wir uns mit wem vergleichen, um zu einer Einschätzung unserer eigenen Fähigkeiten zu kommen
- Kognitiv-psychologische Theorie der Emotion: Ist das, was wir als Emotion erleben, lediglich Ausdruck physischer Veränderungen oder sind die körperlichen Symptome Folgeerscheinungen emotionalen Erlebens?
- Theorie der Selbstaufmerksamkeit: Wie wir versuchen, uns die Diskrepanzen zwischen dem erlebtem Handeln und der ursprünglichen Intention bewusst zu machen
- Attributionstheorien: Wie wir das eigene Verhalten und das Verhalten anderer erklären und ihm Ursachen zuschreiben
- Gerechtigkeitstheorien: Wie wir uns verhalten, wenn wir Wert auf ausgewogene Austauschverhältnisse legen
- Theorie der psychologischen Reaktanz: Warum wir motiviert sind, uns gegen Widerstände durchzusetzen
- Theorie der kognitiven Dissonanz: Der Klassiker der Sozialpsychologie: Warum, wie Churchill es zuspitzt, ein Raucher, der von der Schädlichkeit des Rauchens liest, nicht aufhört zu rauchen, sondern aufhört zu lesen
- Elaborations-Likehood-Modell: Wie und wann wir bereit sind Einstellungen zu ändern
- Theorie des überlegten Handelns und die Theorie des geplanten Verhaltens: Warum wir Handlungen ausführen, die unserer Einstellung widersprechen
Das Lewin zugeschriebene Zitat "Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie" fordert bei der Lektüre reiner Theoriebücher heraus. Das Buch richtet sich nicht an Organisations- und Beratungspraktiker, es wird nichts leicht-geschrieben, keine Tipps und Tricks zur Menschenmanipulation. Die Herausgeber haben die aus ihrer Sicht besten Autoren für den jeweiligen Ansatz gefunden und diese haben ihr Thema auf einer erträglichen Seitenzahl zusammengefasst.
Jeder Beitrag umfasst 30-40 Seiten. Im Vergleich zu amerikanischen Lehrbücher kommt die Gestaltung aber europäisch schlicht daher: Einleitung - Text - Abbildung - Text - Fazit - Literatur. Ein feines Buch, wenn man von kurzen Überblicken, schematischen immer gleichen Zusammenfassungen in der Führungskräfteliteratur die Nase voll hat, aber die Mühe nicht aufbringen kann/mag, die Originalliteratur durchzuarbeiten: Der Mittelweg!
Was ist kritisch anzumerken? Der gesamte Bereich der Sozialpsychologie lässt einen manchmal im brechtschen Sinne mit allen Fragen offen zurück. Die selben Phänomene werden mit unterschiedlichen Theorien erklärt und stellenweise widersprechen sich die Ansätze. Klarheit ist anders. Wie immer bei Sammelaufsatzbänden fehlt der durchgängige Stil. Auf jeden Beitrag muss sich neu eingelassen werden. Anders als bei anderen Sammlungen finden wir hier aber einen überleitenden rote Faden, der verbindet, versöhnt und sammelt: Die Herausgeber kommentieren konsequent jeden Artikel.
Einen guten Eindruck vom Kopf der Reihe, Prof. Frey, kann man sich auf den Seiten der LMU machen, wo es seine Einführungsvorlesung zum Thema frei zum Schauen gibt: http://videoonline.edu.lmu.de
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Daniel Wrede (www.danielwre.de))
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(Daniel Wrede 22.04.2011) |
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