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  Buchbesprechung


Handbuch Integrales Coaching
Praxis und Theorie für fundierte Einzelbegleitung: Hintergrundwissen, Tools ...

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Wellensiek, Sylvia K.
1. Aufl. (2010)
Beltz, ISBN: 3407364911


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Coaching, Neorobiologie

Themenliste Literatur
Coaching   Ob durch einen professionellen Coach oder einen Vorgesetzten: Hier gibt es Bücher zum Thema "Coaching"

Körper, Gefühl, Verstand und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb müssen bei jedem erfolgreichen Coachingprozess auch alle Ebenen gleichberechtigt angesprochen werden. Warum das so ist, also die neurowissenschaftliche Begründung, und wie das funktioniert, also die Methoden im Coachingprozess, wird in diesem Buch ausführlich dargelegt. Human Balanced Training nennt die Autorin folgerichtig auch ihr Coaching-Programm, das in der Praxis entstanden ist: in 25 Jahren als Therapeutin, Coach und Bewusstseinstrainerin.

Der Schlüssel aller persönlichen Veränderung liegt im gezielten Training des menschlichen Bewusstseins. Das scheint mir der Kerngedanke des ganzen Ansatzes zu sein. Unter Berufung auf den Neurobiologen Gerald Hüther, der auch einen Gastbeitrag zur "ursprünglichen Einheit mit sich selbst" verfasst hat, geht es beim Human Balanced Training (H.B.T.) um die Neuprogrammierung bereits ausgebildeter neuronaler Verschachtelungen und synaptischer Verbindungen. Bewusstsein ist das ausgewogene Zusammenspiel von Körper, Gefühl, Verstand und Seele. Auf diesen vier Ebenen spielt dich der Coachingprozess folglich ab. Dabei werden den vier Bereichen jeweils verschiedene Themen zugeordnet:

Körper (Selbstführung): Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Stressmanagement, Fitness … korrespondiert mit dem Ich, der personalen Ebene.

Gefühl (Soziale Kompetenz): Beziehung zu Eltern, Kindern, Partner und auch berufliche Kontakte … korrespondiert mit dem Du, der interpersonalen Ebene.

Verstand (Kommunikation/Prozesse): Lernen, Entwicklung, Beruf, Karriere, Kreativität und Kultur … korrespondiert mit dem Wir, der interpersonalen Ebene.

Seele (Klarheit in den Werten): Werte, Sinn, Spiritualität, Glaube, Sehnsucht … korrespondiert mit dem Sein, der transpersonalen Ebene.

Vor allem mit dem Bereich der Seele betritt die Autorin meines Erachtens Neuland, wenn sie sich bemüht, diesen Bereich wissenschaftlich zu erschließen. Damit meine ich nicht Begrifflichkeiten wie Werte und Sinn, Spiritualität und Glaube. Dazu gibt es ausreichend Literatur. Vielmehr wird der transpersonale Bereich beschrieben als das außergewöhnliche Erleben, als eine "Einheitserfahrung" und "Nondualität" oder auch "reine Bewusstseinsqualität", denen die Begriffe Weite, Stille, Klarheit und Unverletzlichkeit zugeordnet sind. Da der Grundsatz Einsteins gilt, dass Probleme sich nicht auf derselben Ebene lösen lassen, auf der sie entstanden sind, ist mit dem Erreichen dieser transpersonalen Ebene eine allumfassende Problemlösung oder auch "Heilung" möglich. Dieser Abschnitt mutet etwas "guruhaft" an, was sich allerdings zum Glück in der Methodendarstellung nicht bewahrheitet.

Mit der Einführung der Person des "Zeugen" wird versucht, diese transpersonale Ebene in den Coachingprozess zu integrieren. Er steht für einen unbeteiligten Dritten, der objektiv(?) auf das Thema schaut. Damit kommen wir zum Methodenteil: Innehalten können ist die Grundvoraussetzung, um Bewusstsein zu schulen. Verschiedene Übungen dazu werden sehr ausführlich und gut nachvollziehbar aufgeführt. Jede Übung ist gekennzeichnet durch einen grauen Kasten und einem Rahmen um den Übungstext. Aufgebaut ist die Übungs-Anleitung immer gleich mit einer Einführung, die den jeweiligen Hintergrund oder die Begründung für die Übung beschreibt. Es folgt das Ziel der Übung und eine ausgesprochen klare Übungsanleitung, die dem Coach eine sehr gute Hilfestellung gibt, sogar bis in sprachliche Formulierungen. Wo es erforderlich ist, wird mit Schaubildern eine weitere Hilfestellung für die Umsetzung gegeben. Selbstverständlich fehlt auch nicht ein Hinweis auf notwendiges Material oder den Übungsaufbau.

Die Reihenfolge, in der die Übungen vorgestellt werden, folgt einem standardisierten Coachingprozess. Dazu gehören die Klärung der Situation, die Entlastung, dann die Ausrichtung und schließlich widmen sich die Übungen der Umsetzung. Mit Hilfe relativ ausführlicher Fallerzählungen kann nachvollzogen werden, wie die Übungen bei verschiedenen Themen aus der Persönlichkeitsentwicklung, dem Businessbereich oder Privatcoaching eingesetzt werden können.

Die vorgestellten Übungen sind nicht brandneu, manche davon sind aus anderen Kontexten bekannt (Fantasiereisen, Identifizierung und Zuordnung von Glaubensätzen, Aufstellungen, das innere Kind umsorgen, Visionsbild ...), doch oft wird eine bekannte Übung in einen neuen Mantel gebracht und durch die damit verbundenen Bezeichnungen/Bilder nachvollziehbar(er). Dazu gehört für mich die Selbstwert-Waage, die selbstwertstärkende und selbstwertschwächende Erlebnisse anschaulich mit Seilen und Moderationskarten in Beziehung und Balance bringt. Oder auch das Energiefass, eine Skalierungsübung.

Üblicherweise findet ein Coaching nach dem H.B.T. in einem sehr intensiven, mindestens eintägigen, scheinbar aber doch öfter mehrtägigen Prozess statt. Auch von offenen Seminaren wird berichtet, in denen die Tools zur Anwendung kommen (können). Die bei Coachingkonzepten üblichen Reflexionen zur Dauer eines Coachings und vor allem dessen Begrenzung, um nicht in die Abhängigkeit zum Coach zu führen werden, wird von Wellensiek auch geführt. Ihr pragmatischer Ansatz sieht vor, dass der Kunde selber bestimmt, wie lange er ein Coaching fortsetzt. Leider wird an keiner Stelle über die mögliche Abhängigkeit vom Coach und wie dem begegnet werden kann, nachgedacht. Aus berufsethischer Perspektive sollte das unbedingt noch erfolgen. Demgegenüber ist die Haltung der Autorin zur Qualifikation von Coachs eindeutig: Sie sollten eine Heilpraktikerprüfung abgelegt haben. Allerdings, wer das nicht hat, wird bei bestimmten Methoden vor möglichen Traumatisierungen gewarnt.

Dem Lesenden, der hoffentlich ein Coach ist und die Anleitungen nicht zum Selbstcoaching verwenden will, werden neben den theoretischen und methodischen Inhalten des Textes auch bildliche Impulse geboten. Schwarz-weiß-Fotos von Skulpturen einer befreundeten Künstlerin bieten ebenso die Möglichkeit der eigenen Meditation wie die dazu ausgewählten Impuls-Texte unterschiedlicher Autoren.

Was mir fehlt ist eine Übersicht über die beschriebenen Methoden, damit ich sie (die Anleitungen) schnell wieder finde.

Wem das Buch nicht ausreicht, der erhält "selbstverständlich" auch einen Hinweis auf die Qualifizierungsseminare der Autorin.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dirk Hirsekorn – www.freiraeume-coaching.de)

(Freiraum-Coach 03.07.2011)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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