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| Themenliste Literatur |
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Unterhaltung |
Auch Manager haben hin und wieder Zeit, Romane zu lesen. Unterhaltsames aus der Welt des Managements. |
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Controlling |
Umsatz allein hilft wenig, wenn man seine Kosten nicht im Griff hat. Controlling hilft - und ist mehr als Kontrolle. |
Alex Rogo ist Direktor eines Werkes in Bearington und kaum zu beneiden: sein Werk schreibt
tiefrote Zahlen und Rogo bekommt vom Leiter des Unternehmensbreiches Bill Peach genau drei
Monate Zeit, das Werk zu sanieren. Angesichts der Lage mit immensen Terminproblemen, riesigen
Beständen an Halb- und Fertigprodukten und einigen Qualitätsproblemen, zu wenig
Personal und drohenden Streiks ein praktisch aussichtsloses Unterfangen. Mitten in diese
berufliche Krise eskaliert auch noch seine Ehekrise mit Julie, die ihm vorwirft, sich nicht
mehr um sie zu kümmern.
Druck von allen Seiten also und Grund genug, sich die Fabrik mit einer Pizza und Bier in der
Hand von einem Berg aus "von oben" aus zu betrachten. Rogo erinnert sich an ein zufälliges
Treffen mit Jonah, seinem ehemaligen Physikprofessor, der heute ein vielgefragter
Unternehmensberater ist. Schon bei diesem zufälligen Treffen hatte Jonah bezweifelt, daß
die Installation von Robotern in Rogo´s Fabrik die Rentabilität wirklich verbessert hat.
Und wirklich: die Fabrik macht mehr Verluste als je zuvor. Was war passiert und was kann getan
werden, um diese Situation rasch und nachhaltig zu verändern?
Eliyahu Goldatt entwickelt in seinem Bestseller "Das Ziel" auf über 300 Seiten anhand dieses
konkreten Beispiels in Romanform seine Methodik, um die "reglementierenden Faktoren des Systems"
zu identifizieren. In einem rekursiven 5-Schritte Modell werden die Probleme systematisch
analysiert und gelöst, stets in dem Wissen, daß jede Problemlösung zwangsläufig
die Gesamtkonstellation ändern kann. Wesentliches "Analysewerkzeug" ist und bleibt der
"gesunde Menschenverstand".
Um diesen wirkungsvoll einsetzten zu können, versammelt Rogo seine wichtigsten Mitarbeiter
um sich, um mit diesen qualifizierten und intelligenten Gesprächspartnern die
Lösungsmethodik abzuarbeiten. Das sind neben Lou, dem Controller, Bob (Produktionsleiter),
Stacey (Leiterin der Lagerbestandskontrolle) und Ralph (Leiter der IT-Abteilung). Immer, wenn die
Gruppe scheinbar nicht mehr weiterkommt, gibt Jonah als Berater die entscheidenden Hinweise in
Form von gezielten Fragen, also Hilfe zur Selbsthilfe.
Als entscheidende Vorüberlegung gibt Jonah vor, sich das "eigentliche Ziel" zu überlegen.
Dieses Ziel sei das einzige Ziel aller Unternehmen und unterscheide sich nicht. Die Geschicke der
Fabrik nehmen eine Wende, als Alex bei Bier und Pizza darauf kommt, wie dieses Ziel heißt:
Geld verdienen !
Zusammen mit seinem Controller Lou präzisiert er dieses Ziel mit drei gleichgewichtigen
Ausprägungen:
- Nettoertrag (absolute Rendite)
- Nettorendite (relative Rendite)
- cash flow (freie Liquidität)
Das Ziel der Fabrik ist damit definiert und diese Erkenntnis war keinesfalls trivial, da
jahrelang Produktivitätssteigerungen entlang falsch definierter Kennzahlen als Erfolgsmaßstab
dienten.
Jetzt, angesichts der drohenden Schließung konnten solche grundlegenden Änderungen
ohne weiteres in Betracht gezogen werden. Später wird diese Phase der Fabrik als "Kostenphase"
bezeichnet werden. Die Uminterpretation von konzerndefinierten Kennzahlen wird dem tapferen Team
aber noch jede Menge "Ärger" bereiten.
Mit Hilfe von Jonah werden die monetären Ziele (entsprechen der finanzwirtschaftlichen
Perspektive einer Balanced Scorecard) zur operativen Fabriksteuerung umformuliert:
- Kennzahl Durchsatz: "Durchsatz ist die Geldmenge pro Zeiteinheit, die vom System durch
Verkäufe verdient wird."
- Kennzahl Bestände: "Bestände, das ist all das Geld, das in das System
für den Ankauf von Dingen investiert wird, die zum Verkauf gedacht sind (z.B.
Rohmaterial, Vorprodukte, Komponenten)"
- Kennzahl Betriebskosten: "Betriebskosten sind all jenes Geld, das das System
dafür ausgibt, Bestände in Durchsatz zu verwandeln."
Hinzu kommen zwei wesentliche Prinzipien, die ebenfalls von Jonah erklärt werden:
- abhängige Ereignisse und
- statistische Fluktuationen.
Durch die Abhängigkeit werden die zwangsläufigen Streuungen gegenseitig beeinflußt.
Die Auswirkungen auf das Gesamtsystem sind enorm, die Abhängigkeiten führen dazu,
daß sich die Fluktuationen nicht mehr ausmitteln können. Auf eine Fabrik mit aufeinander
folgenden (abhängigen) Produktionsschritten übertragen heißt das: der Durchsatz
sinkt, die Bestrände steigen und die Betriebskosten steigen ebenfalls.
Alex Rogo bricht diesen Teufelskreis auf, indem er die Engpässe seiner Fabrik identifiziert,
diese in ihrer Kapazität erweitert (intern und extern) und alle anderen Produktionsstufen
den Engpässen unterordnet. Ein Prioritätensystem sorgt dafür, daß nur noch
Teile für und aus den Engpässen produziert werden. Kaum verwunderlich, daß der Gesamtoutput
der Fabrik steigt und die Bestände (die sich immer vor den Engpässen stauten) zurückgingen.
Die Fabrik hatte das Schlimmste überstanden, von nun an gings bergauf, der Rest war Finetuning
(konsequente Bestandsreduktion in den Nichtengpaßpuffern, höherer Durchsatz mit Abbau
der Auslieferungsverzögerungen, höheres Auftragsvolumen durch höhere Kundenzufriedenheit).
Kaum zu glauben, aber seine Ehe konnte Alex so nebenbei retten, ja am Ende interessiert sich Julie
sogar für seinen Job und liest Sokratische Dialoge, um Alex zu helfen, den Weg zum optimalen
Mangement zu finden.
Ist es nötig zu erwähnen, daß Alex nach anfänglicher massiver Kritik in der Organisation einen
regelrechten Triumpfzug durch den Konzern antritt, der ihm am Ende den Aufstieg zum neuen
Geschäftsbereichsleiter beschert.
Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben, viele Ereignisse sind vorhersehbar aber
dennoch immer wieder überraschend. Die Geschichte mit Julie überlagert den Roman etwas,
das Happy End ist wenig glaubhaft. Auch die direkte Beförderung von Alex Rogo paßt nicht
so ganz ins Bild und wäre nicht nötig gewesen.
Dennoch: es bleiben wichtige Erkenntnisse, die exzellent verpackt wurden. Die Arbeitsmethodik wird
am Ende des Buches nochmals sauber zusammengefasst, es empfiehlt sich, beim Lesen einen Stift
parat zu haben, da wichtige Buchpassagen markiert werden sollten - KLASSE GEMACHT !
Unsere klare Empfehlung für den Manager im Urlaub.
MWonline freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rainer Baumann |
(rb 12.11.2001) |
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