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  Buchbesprechung


Smart Capitalism
Das Ende der Ausbeutung

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Horx, Matthias
1. Auflage (2001)
Eichhorn, ISBN: 3821816643


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Next Economy, New Economy, Industriegesellschaft, Wissensgesellschaft, Kapitalismus, Zukunft

Autor(en):
Matthias Horx ist Journalist, Zukunfts- und Trendforscher. Nach Stationen bei Die Zeit, Zeit magazin, Tempo und MERIAN wandte sich Horx 1992 der Konsum- und Trendforschung zu. Gemeinsam mit Peter Wippermann gründete er das Trendbüro Hamburg. 1996 schied Horx aus dem Trendbüro aus und gründete sein eigenes Zukunftsinstitut. Der Schwerpunkt der Institutsarbeit liegt auf der Erkennung langfristiger Megatrends in Ökonomie, Gesellschaft, Technologie und Märkten. Horx ist Autor zahlreicher Publikationen. Nähere Informationen finden sich bei www.zukunftsinstitut.de.

Covertext:
Die New Economy ist tot. Es lebe die Smart Economy!
Die Neue Ökonomie handelte niemals von Garantien, weder von endlos steigenden Aktienkursen noch von unendlich genialischen Unternehmern. Sie war immer - und ist es heute noch - ein Versprechen: ein Versprechen, dass wir das Bedürfnis nach Wettbewerb mit einer sozialen, schöpferischen und menschlichen Komponente versehen können - Arbeit, die eine Bedeutung hat. Das Versprechen, dass wir Wohlstand damit erzeugen können, dass wir die Werte leben, die uns am Herzen liegen.

Themenliste Literatur
Arbeitswelt   Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen

Smart Capitalism ist ein sozialpolitisches Buch, das sich mit den Auswirkungen des Übergangs vom Industriezeitalter zur Wissensökonomie beschäftigt. Man könnte es auch als eine unsortierte Sammlung von Analysen, Beispielen und Meinungen bezeichnen, was belegt, daß es schwerfällt, die Kernaussagen herauszudestillieren.

Ein Versuch:
1. Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft verändert die Welt (stimmt ganz sicher)
2. Diese Veränderung wird zur einer generellen Verbesserung der Lebensbedingungen führen (stimmt hoffenlich, jedoch vermutlich nicht für alle)

Matthias Horx ist ein aktiver Publizist. Daß er sein Metier beherrrscht, davon kann man sich in diesem Werk überzeugen: es ist glänzend geschrieben, ein echter Lesegenuss. Witzig, pointiert, scharf beobachtet und in großen Zusammenhängen denkend. Der Exkurs über die historische Entwicklung von Märkten zu Beginn des Buches gehört sicherlich zu den Highlights und der Rezensent gesteht, diese Passage mehrmals mit Genuß gelesen zu haben. Horx hat zudem zahlreiche wichtige Werke zum Thema "New Economy" in hochkompakter Form zusammengefasst. Diese Essenz wird so konzentriert und verflochten mit weniger wichtigem Inhalten dargestellt, dass man es kaum merkt - eigentlich schade.

Dennoch: das Kapitel "Der erleuchtete Markt" ist das Glanzstück des Buches und ein echter Beitrag zur aktuellen Diskussion. Die Dekonstruktion von Wertketten der Industriegesellschaft an deren Ende "Wertschöpfungsnetze" entstehen ist schlüssig dargestellt. Ergebnis: transparente Märkte mit "empowerten" Kunden, einer der Lieblingsbegriffe von Horx.

Nach 35 Seiten ist das Feuerwerk jedoch abgebrannt. Es folgen Allgemeinplätze (wenn auch gut recherchiert), der Zauber der neuen Kultur und des Neuen Marktes holen Horx ein - er ist eben ein Marketingprofi und weiß, was die Massen lesen möchten, schreibt für ein großes Publikum. Plattitüden wie die Entwicklung von Hausarbeit zu einer professionalisierten Dienstleistung ("domestic services") haben in einem solchen Buch nichts zu suchen.

Interessant wieder die Passage, in der Horx das Zeitalter die "Ich-AGs" und "Selbst-GmbHs" proklamiert. Seine Beschreibung der schönen neuen Arbeitswelt ist dann doch nicht so weit von der Wirklichkeit weg. In einem von der forschreitenden Globalisierung getriebenen Wettbewerb um die besten Ideen wird die Umsetzung von Wissen in Erfolg (=Innovation) immer wichtiger. Damit rückt der Mensch als nicht austauschbares Individuum in den Mittelpunkt der Unternehmen.

Dieses Individuum basiert laut Horx auf drei Säulen:
  • Skills (die klassische Qualifikation)
  • Talents (angeborene und entwickelte Fähigkeiten)
  • Smarts (Sozialkompetenzen als Produktionsmittel)
Alle drei Faktoren optimal zu nutzen fordert den Unternehmen künftig Alles ab. Das beginnt beim Rekrutieren und endet in einer Welt flacher Hierarchien im berufslebenslangen Herausfordern dieser wertvollsten Resource "Mitarbeiter".

Die Auswirkungen auf die Arbeitswelt werden breit diskutiert. Wirklich neue, interessante Aspekte konnte der Rezensent dabei nicht entdecken. Das Hohelied des Kosmopolitschen ist etwas zu hoch geraten. Immerhin zeigt der Autor immer wieder seine guten USA-Kenntnisse - auch was.

Ist der Mitarbeiter im Unternehmen erst "empowert", dauert es nicht lange, bis die gesamte Gesellschaft "empowert" wird. Jetzt kommt der Zukunftsforscher Horx und extrapoliert aktuelle gesellschaftliche Trends in die Zukunft. Und schon wird aus der "New Economy" die "Next Economy": diesmal wird alles besser, wir haben die Lektion gelernt. "Die neuen moralischen Fragen" werden für das 21. Jahrhundert gleich mitbeantwortet. Wie gesagt - dank Internet wird alles besser. Nun ja, da sei Skepsis erlaubt, aber schön wäre es ja !

Der glänzende journalistische Stil des Buches hat den Rezensenten über diesen - leider breiten - Teil des Buches gerettet. Überflüssige Beispiele und persönliche Erfahrungen werten das Buch ab. Von der scharfsinningen Analyse zum romanhaften Fabulieren - leider nur ein kleiner Schritt für den Autor, aber ein harter für den anspruchsvollen Leser.

Aber: Horx rappelt sich wieder auf: eine kurze Einführung in die Grundbegriffe des Wissensmanagements leitet die Wende ein: das Buch kehrt zurück zum Smart Capitalism. "10 Lehren aus dem DOT.COM Zusammenbruch" zeigen den Weg zu den "Smart Companies". Fünf Unternehmen werden präsentiert, allesamt irgendwie "smart".

Erst zum Ende des Buches erfährt der Leser, was Horx mit "smart" und "smart capitalism" meint. Erst jetzt werden Grundaussagen sichtbar, Linien erkennbar. Der Analytiker und "Romancier" faßt zusammen: Optimismus, sehr viel Optimismus, daß eine rasche und nachhaltige Humanisierung der Gesellschaft den Weg in die postindustrialisierte Gesellschaft weist. Sicher: die Chancen waren nie so gut. Das Internet ist der Feind jeder Diktatur und jeder Zensur. Eine verteilte, einfache Technologieplattform, auf der praktisch jeder jede Meinung in Echtzeit kundtun kann - vielleicht ein wahrhaft basisdemokratisches Medium - der Rezensent nutzt es, um dieses Buch zum Lesen zu empfehlen, wohl wissend, daß die Qualität stark schwankt, einige Aussagen fragwürdig sind und die meisten Aspekte in anderen Publikationen besser und erschöpfender dargestellt werden.

Aber, wo findet man ein solch breites Angebot so gut verpackt, dass der Rezensent so viele Zeilen braucht, um dem Buch einigermaßen gerecht zu werden - wahrscheinlich ist auch das nicht gelungen.

(rb 28.11.2001)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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