Die beiden Autoren, ihres Zeichens „Gesundheits- und Mentalberater“, kündigen im Vorwort an, „neue praxiserprobte Wege der Gesundheitsentwicklung im Betrieb“ zu beschreiben. Als Stichwort für diesen neuen Weg haben sie in Anlehnung an die schlüssigen Kürzel IQ und EQ dem HQ gewählt, der aber nicht für irgendeinen Quotienten steht, sondern für Health Quality: „ein vom Autor entwickeltes Konzept der körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Ressoucen-Entwicklung“. Der betriebliche Gesundheitsbegriff ist damit – längst überfällig – nicht eingeschränkt als die Abwesenheit von Krankheit zu verstehen, sondern umfassend als psycho-sozio-mentale Gesundheit.
Ob denn das „ganze Leben“ inzwischen wirklich zu einem „Minenfeld“ geworden ist? Ob denn tatsächlich die „Weltwirtschaft im neuen Jahrhundert vom Megatrend Gesundheit“ getragen ist? Ob man unbedingt die Kondratieff-Zyklen als Begründung bemühen muss? All das sei dahin gestellt. Sicherlich sind die Feststellungen der Autoren richtig, wenn auch trivial, dass gesunde Mitarbeiter die Basis für gesunde und damit erfolgreiche, entwicklungsfähige Unternehmen sind. Oder dass es im Betrieb zum Thema „Gesundheit“ mehr zu tun gibt als traditionelle Arbeitssicherheitsmassnahmen, dass Salutogenese (Gesundheitsförderung) im Kopf beginnt. Warum aber quälen die Autoren den Leser mit der gebetsmühlenartigen Wiederholung eben dieser sattsam bekannten Selbstverständlichkeiten? Da helfen auch die vielen überflüssigen graphischen Darstellungen, kunstvolle Wortschöpfungen wie MindVitness® oder einlullende Bilder wie Energie-Balance nicht weiter.
Über zig Seiten erfährt der Leser Altbekanntes, um nicht zu sagen ärgerliche Banalitäten: dass Rauchen gesundheitsschädlich ist dass falsche Ernährung ein Energiekiller ist (Tipp der Autoren: Studentenfutter und Obst als Zwischenmahlzeit), dass Stress der Konzentration abträglich ist (Tipp: der Gestresste soll sich gedanklich Rosenduft einatmend unter seinen Lieblings-Rosenstock setzen, oder auch: er soll sich in die im Betrieb eingerichtete Meditationsecke zurückziehen), dass Konflikte und falsches Führungsverhalten krank machen, dass 48 Prozent der Arbeitsunfähigkeit in den USA auf das Repetitive Strain Injury zurückgeht, dass das wirksamste Mittel gegen schädliches Raumklima häufiges Lüften ist (wer hätte das gedacht?) und so weiter und so weiter.
Auch die Ausführungen zur Mentalberatung/zum Mentaltraining sind nichts weiter als ein Grundlagenkonglomerat zum generellen Prozedere, wie Veränderungen im Denken, wie Um- und Neu-Lernen initiiert und verstärkt werden kann. Das hochtrabend angekündigte „HQ-Konzept“ entpuppt sich als ein unsystematisches Zusammenwürfeln von gesundheitsrelevanten Aspekten wie beispielsweise Gesundheitszirkeln, Bewegungsprogrammen oder Stressbewältigungsmöglichkeiten.
Die Autoren strapazieren den Leser, der neugierig ist auf die angekündigten praxiserprobten neuen Wege, auf viel zu vielen Seiten mit viel zu viel allzu Bekanntem, und das auch noch unter verschiedenen Überschriften immer und immer wieder. Ein energiezehrendes, sprich krankmachendes Buch!
(MWonline freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Dr. Christa Rüssmann-Stöhr www.beratrain.de)
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