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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Die „Schrift“, wie Rosenstiel seine „Motivation im Betrieb“ nennt, ist ein gut gestaltetes 300-seitiges Buch, erfreulich kundenorientiert konzipiert, da mit all den didaktischen Stilmitteln (SQ3R) ausgestattet, die der Zielgruppe der Betriebspraktiker das Lesen erleichtert. Das Inhaltsverzeichnis ist übersichtlich gegliedert, wobei alle Überschriften anregend als Fragen formuliert sind. Pro Kapitel werden die Zielsetzungen vorweggeschickt und einleitende Kapitelfragen gestellt, um sich auf den Inhalt einzustimmen und die eigenen Kenntnisse/Einstellungen zu überprüfen. Dazu gehören Abbildungen, viele durch den Schrifttyp abgesetzte konkrete Beispiele und eine Zusammenfassung am Kapitelende. Ein Stichwort-, Abbildungs- und ausführliches Literaturverzeichnis erleichtern das Suchen/Finden. Für die zahlreichen praktischen Fälle findet der Leser Lösungsvorschläge im Anhang. Dort dienen Multiple-Choice-Fragen inklusive Lösungen sowie offene Fragen der abschließenden Selbstkontrolle. Mehr können Autor und Verlag wirklich nicht tun!
Im ersten Kapitel werden Grundfragen der Motivation („Druck von innen, das Engagement“) erläutert: Was man unter Motivation überhaupt versteht, der Unterschied zwischen Motiv und Motivation, die Bedeutung von Zielen und Motiven. Was Wille (auf neudeutsch Volition) mit Motivation zu tun hat. Und die für den Praktiker spannende Frage, wie er jemanden „motivieren“ kann, das heißt, wie Motive - erlernt oder angeboren - von außen beeinflussbar sind. Hoffentlich hat der Praktiker etwas für Konrad Lorenz übrig und hält die Tauben-Hund-Schimpansen-Beispiele durch, um dann im zweiten Kapitel über die „Motivation beruflicher Arbeit“ zu lesen: Warum Menschen überhaupt arbeiten, welche Motive wichtig sind, ob die Gleichung „hohe Zufriedenheit = hohe Leistung“ stimmt.
Erfreulicherweise stellt Rosenstiel die ach so plausibel klingende Maslowsche Bedürfnispyramide kritisch dar und räumt auch mit der Kuh-Logik (glückliche Kühe geben mehr Milch, mit anderen Worten: hohe Zufriedenheit führt zu hoher Leistung) auf.
Das dritte Kapitel ist sicherlich das spannendste und das, worauf der Betriebspraktiker seit dann schon 100 Seiten wartet: Es setzt sich mit Einflussfaktoren auf Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung auseinander. Anhand von Fallstudien werden die wichtigsten motivationalen Anreize näher untersucht, wie innerbetriebliche Kommunikation/Information, Zielsetzungen, Einbettung in eine formelle/informelle Gruppe, Spezialisierung/Monotonie, Arbeitszeit, Aufstiegschancen, Unternehmenskultur und die Sinn stiftende Produktpalette des Unternehmens. Auch der Faktor Geld wird plausibel und differenziert unter motivationalen Gesichtspunkten erläutert: „Geld für die Mitgliedschaft“, also eine Entlohnung abgekoppelt von der eigenen Leistung, hat keine Anreizwirkung. Bei Gehaltserhöhungen sind Schwellenwerte zu berücksichtigen. Eine Enttabuisierung, das „gläserne Gehaltskonto“ (S. 124) ist zu empfehlen.
Rosenstiel gelingt die Gratwanderung, die komplexen Phänomene des Alltags mit notwendigerweise einfacheren empirischen Untersuchungen zu untermauern und abgeleitete praktische Hinweise zu geben. Für den Betriebspraktiker, der möglichst einfache Rezepte sucht, sicher eine herbe Ernüchterung, aber eine notwendige. Für den Betriebspraktiker, der bereit ist, sich der Komplexität der menschlichen Motivation zu stellen, ist das Buch ein Gewinn und ohne Einschränkung zu empfehlen.
(MWonline freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Dr. Christa Rüssmann-Stöhr www.beratrain.de)
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(crs 28.01.2002) |
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