Bereits in seinem Titel macht das Buch deutlich, dass hier keine komplexen wissenschaftlichen Ausführungen für Mediations-Insider zu erwarten sind. Hier haben wir es – salopp formuliert – mit einer Art „Schulfibel“ der Konfliktvermittlung zu tun, die sich an „alle Mediatoren der Zukunft“ richtet. Aus ihrer langjährigen Berufserfahrung als Trainerin und Mediatorin leitet die Amerikanerin Nina L. Dulabaum ein eingängiges und reich illustriertes ABC der Mediation ab, das sich als Entdeckungsreise für ein breiteres Publikum verstanden wissen will. Entsprechend des alphabetischen Aufbaus findet man dort etwa unter „C“ (Courage zum Probieren) Dr. Dulys Sieben-Schritte-Modell, so die Original-Bezeichnung und nicht die Verniedlichung der Rezensentin, das in übersichtlicher Form den Ablauf einer Mediationssitzung skizziert. Unter „G“ erfährt der Leser etwas über die Grundannahmen des Mediationsverfahrens und unter „F“ rückt die Falleignung in den Mittelpunkt.
An dieser Auswahl der Bausteine dokumentiert sich eine Schwäche des plakativen „ABC-Schemas“: Mit dem selbstauferlegten Zwang, die Buchstabenreihenfolge einzuhalten, steht sich die Autorin gelegentlich selbst im Weg. So mag der Eindruck entstehen - reim dich oder ich fresse dich - Bernes Transaktionsanalyse oder Yoga wurden nur aufgenommen, damit das ABC aufgeht. Den Vorteil dieser Patchwork-Struktur kann man allerdings darin sehen, dass dem Leser die Breite der potenziell integrierbaren Techniken und Strategien aufgezeigt wird.
Dr. Dulabaums ABC ist ein sehr lebendiges Buch, das durch zahlreiche kurze Beispiele, Anekdoten und Grafiken ein „Gefühl“ für das Mediationsverfahren vermittelt: Menschen zu befähigen, ihre eigenen Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Sehr hilfreich für den Neuling sind ebenfalls verschiedene Checklisten etwa zur Kontrolle der eigenen inneren Haltung, Musterabläufe und die vielfältigen Übungen, die über Selbstreflexion und Innenschau ebenfalls einen sehr erfahrungs- und erlebnisbezogenen Zugang ermöglichen.
Das ABC der Mediation versteht sich als Buch für Anfänger oder Mediationslaien. Diesem Anspruch als leicht verständliche, anschauliche und interesseweckende Einführung wird Dr. Dulabaums Mediationsalphabet gewiss gerecht. Wer einfach einmal in das Thema Mediation „reinschnuppern“ möchte und sich auf eine unterhaltsame, frische Aufmachung freut, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Aber auch erfahrenere Mediatoren können sich sicherlich durch die eine oder andere Idee aus diesem Buch inspirieren lassen.
MWonline zur Verfügung gestellt von Claudia Gerhardt, Redaktion „Wirtschaftspsychologie“.
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