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Training |
Bücher für Menschen, die Gruppen trainieren. Hier finden Sie Grundwissen, aber auch praktische Tipps zum Umgang mit Gruppen. |
Ein Beratungsunternehmen wie Kienbaum wird sicher eine Menge Trainings durchführen. Da braucht man auch immer Handouts für die Teilnehmer. Und irgendwann kommt man dann auf die Idee, ein Buch draus zu machen. Eine ganze Buchreihe sogar. Da freut sich der Seminarteilnehmer, wenn er statt einer Mappe direkt ein Buch in die Hand bekommt. Und die Bücher kann man als Unternehmen ja auch noch für andere Zwecke nutzen. So, denkt sich der Rezensent, ist auch dieses Buch entstanden.
Als Praxisbuch wird es angekündigt. Der Leser soll nicht mit Theorien, sondern mit Werkzeugen konfrontiert werden. Der kritische Geist runzelt da präventiv die Stirn und wittert ein Rezeptbuch, Ratgeberliteratur eben. Belege dafür gibt es genügend: Checklisten ohne Zahl, Abbildungen, Textkästen, davon wimmelt es nur so. Wir wissen, dass Seminarteilnehmer so etwas lieben - und Trainer auch. Alle die werden erfreut zu diesem Buch greifen. Hier wird ihnen Struktur geliefert. Und immer wieder wird der Leser zur Selbstreflexion aufgefordert, dafür wird ihm ein Blankotextkasten geboten, man kann also ins Buch hineinschreiben. So kann man den Weg der Auseinandersetzung mit dem Thema auch später noch nachzeichnen.
Wer diesen Arbeitsstil nicht mag, wer nicht mal eben so nebenbei seine Lebensvision in fünf Sätzen entwickeln mag, die Grübler unter den Lesern eben werden vom Buch enttäuscht sein und Abstand nehmen.
Zunächst wird ausgeführt, was unter Motivation zu verstehen ist: Wollen, Können und Dürfen werden als drei Säulen der Motivation bezeichnet. Wenn dann völlig unvorbereitet die Maslowsche Bedürfnispyramide präsentiert wird, fragt sich der Nachdenklichere schon, was das soll: Olle Kamellen. Überhaupt, von wegen keine Theorie, es wird eine Menge davon gebracht, auch Löbliches wie die Theorie der Selbstwirksamkeit oder die Attributionstheorie. Ehrfürchtig nimmt das der Seminarteilnehmer zur Kenntnis. Oder sucht den roten Faden, wenn auch eins schon früh deutlich wird: Alles läuft auf Zielvereinbarungen hinaus.
Wie motiviert man sich, wie motiviert man andere? Zwei weitere Hauptkapitel. Da wird viel von Kompetenzen gesprochen. Das liest man gerne. Warum Kienbaum aber zwischen Fach- und Verhaltenskompetenzen sowie Persönlichkeitsmerkmalen unterscheidet, wo doch alle Welt von Fach-, Sozial- und Persönlichen (Methoden-) Kompetenzen spricht, wird nicht erklärt. Schade, da hätten wir gerne mehr drüber erfahren.
Insgesamt wird eine Menge an Wissensbausteinen zusammen getragen. Klar, bei Motivation muss man dann auch irgendwann über Retention, das Halten von Mitarbeitern sprechen. Der Seminarteilnehmer geht nach Hause mit dem Gefühl, reich beschenkt worden zu sein, eine ganze Menge gelernt zu haben. Zu jedem Aspekt hat er mindestens ein Chart und zwei Checklisten mitbekommen. Kopiervorlagen gibt es dann im Anhang separat.
Die kritischeren Zeitgenossen allerdings werden das „Mehr als die Summe seiner Teile“ vermissen und sich womöglich auch nicht damit zufrieden geben wollen, dass Zielvereinbarungen des Pudels Kern seien. Man kann nicht motivieren, sagt der Autor im Refrain mit Reinhard Sprenger immer wieder, um dann im nächsten Augenblick schon wieder die Puppen aus der Toolbox tanzen zu lassen. Es gibt offenbar weiterhin einen Markt für solche Seminare, das sollte man anerkennen.
(MWonline freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Redaktion „Wirtschaftspsychologie“) |
(thw 30.07.2002) |
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