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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Das Ergebnis am Anfang: Lesen Sie das Buch. Unbedingt. Es ist ein wichtiges Buch.
Wenn Sie irgendwo in Ihrem Alltag Anlass haben, sich näher mit der Frage zu beschäftigen, welche Rolle Vertrauen beim Umgang von Menschen miteinander im Unternehmensalltag spielt, wie es entsteht und wieder verschwindet, werden Sie hier unzählige Denkanstöße und Denkhilfen finden. Es besteht allerdings auch die erhebliche Gefahr, dass Sie auf einige unorthodoxe, unbequeme oder noch etwas unfertige Gedanken stoßen. Umso besser. Jedes kritische, offene und ehrliche Nachdenken über den Vertrauensstatus in diesem oder jenem Umfeld außerhalb der Raster von Managementmethoden oder –moden kann - vielleicht nur kleine, aber auch wichtige - Erkenntnisschritte auf dem Weg zu besseren Lösungen bringen.
„Keine Managementmethode wird jemals funktionieren, wenn es ihr an authentischem Respekt vor dem einzelnen Menschen fehlt.“ Das Buch lenkt den Focus wieder darauf, dass Geschäft und Gewinn darauf beruhen, dass Menschen in einem komplexen Beziehungsgeflecht interagieren. Für den Erfolg oder Misserfolg beim Umgang miteinander existieren einige elementare Regeln, die sich auch in Jahrhunderten nicht ändern. Was sich allerdings geändert hat, so eine zentrale These des Buches, ist die wachsende Bedeutung des Vertrauens für ökonomischen Erfolg. „Vertrauen wird das beherrschende Managementthema der nächsten Jahrzehnte.“ Oder noch deutlicher: “Die Hälfte des Kostenblocks der meisten Unternehmen ist misstrauensinduziert.“ Wir haben schlicht keine Zeit mehr für unsere alten Kontrollsysteme.
Eine weitere zentrale These, die in dieser Absolutheit schwer zu schlucken ist, lautet: „Niemand kann glaubwürdig Vertrauen fordern, ohne sich aktiv verwundbar gemacht zu haben“. Mit anderen Worten: Vertrauen entsteht nur dort, wo der Vertrauensmissbrauch möglich ist, wo es also wirklich gebraucht wird. Weitgehende Kontrolle und Vertrauen schließen sich aus.
Bei der Betrachtung der Rahmenbedingungen des Vertrauens bekommt das deutsche Arbeitsrecht einen Seitenhieb. Wer als Vorgesetzter Vertrauen geben soll, muss auch die Wahlfreiheit haben, nein zu einer Kooperationsbeziehung zu sagen. ‚Zwangsvertrauen’ bis zum justizfesten Beweis eines Kündigungsgrundes funktioniert nicht. Folglich – aber diese Konsequenz ist meine Schlussfolgerung, bei Sprenger findet sich nur die Forderung nach gegenseitiger Wahlfreiheit - produziert das angeblich so arbeitnehmerfreundliche deutsche Arbeitsrecht Misstrauensspiralen mit wachsenden Kontrollsystemen.
Wer vertraut, nimmt sehenden Auges das Risiko in Kauf, enttäuscht zu werden. Die völlig unsentimentale Auseinandersetzung mit den Grenzen, Risiken und Rahmenbedingungen einer Vertrauenskultur und die notwendige Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle sind eine besondere Stärke des Buches. Wichtige Aussage: Vertrauen und Kontrolle stehen nicht im Widerspruch zueinander, blindes Vertrauen zerstört und verhindert produktive Arbeitsbedingungen. Zu den Schwächen zähle ich den gelegentlich etwas predigtartigen, missionarischen Duktus. Hier streitet jemand leidenschaftlich für sein Thema und produziert gerade deshalb skeptische Distanz. Manches wirkt wie skizziert. „Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie (deren bibliografischen Nachweis ich nicht mehr recherchieren konnte, die ich aber dennoch hier zitieren will)....“ Die Zahl der Fußnoten macht einen Text nicht unbedingt besser, aber so was ist ärgerlich. Aber es ist überwiegend das Thema, dass sich nachhaltig gegen logische Stringenz sperrt. „Vertrauen ist nicht planbar. Deshalb ist es für das traditionelle Management so unhandlich.“
Alle, oder fast alle Gedanken des Buches finden sich in der einen oder anderen Form in anderen Quellen. Man muss es also nicht gelesen haben, um zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen. Der besondere Nutzen besteht jedoch darin, dass hier ein wirklich unhandliches Thema konsequent als „Schlüsselvariable“ für unternehmerischen Erfolg thematisiert wird. Shareholder value pur.
(MWonline freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Charlotte Venema)
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(venema 27.09.2002) |
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