Das Buch berücksichtigt zum einen die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten der Wirtschaft und stellt deren Positionen erstaunlich wertfrei dar. Zum anderen kommen aber auch religiöse und humanistische Komponenten zum Tragen.
Treffend wird beispielsweise beschrieben, wie auf der einen Seite die Flexibilisierung der Arbeitszeit, Gleitzeit, Jahresarbeitszeit oder sogar Lebensarbeitszeit und so genannte Zeitarbeitagenturen zunehmen. Zugleich aber verdichtet sich, so die Autoren, damit der Arbeitseinsatz. Die Verantwortung an den einzelnen Stellen nehme zu, während der persönliche Kontakt zum Arbeitsplatz geringer werde.
Der so gewonnene Gestaltungsspielraum habe zwar einerseits mehr individuelle Wahlmöglichkeiten zur Folge, die auch positiv verbunden seien mit einer Zunahme an partnerschaftlicher Zu-sammenarbeit statt autoritärer Führung. Auf der anderen Seite stehe aber ein größerer Druck zur Leistungserfüllung, eine Ver-lagerung von betrieblichen Arbeiten in den Freizeitbereich sowie eine ständige Beschleunigung und Verdichtung der Arbeitspro-zesse. Dies könne zu einer Dehumanisierung der Arbeit führen.
Vielleicht liegt es daran, dass die Autoren aus den verschie-densten Bereichen kommen (ein Psychiater, ein Personalleiter, zwei Betriebswirte, ein Volkswirtschaftler und ein Techniker): Das Buch ermöglicht einen Blick über den Tellerrand und ist als Diskussionsanregung unbedingt lesenswert, gerade wegen der vielen unterschiedlichen Informationen, wie z. B. zur Arbeitszeit, zum persönlichen Zeitmanagement, zur Arbeitssucht, zum Über-gang in den Ruhestand oder zur Sonntagsöffnung und -arbeit. Dies alles, dicht verpackt auf 160 leicht verständlichen und gut lesbaren Seiten, macht den besonderen Reiz des Buches aus.
Apropos Sonntagsarbeit: Bei allem Verständnis für die Notwen-digkeiten der New Economy, wird in dem Buch das Feiertags-gebot kraftvoll verteidigt. Denn nicht nur unter religiösen Aspek-ten sei der freie Sonntag nötig, sondern auch zur Entlastung und Ablenkung, zur Anregung und Koordination und damit letzt-endlich zur Erhaltung der Arbeitskraft.
Mein Fazit: Das Buch geht leise und fast unmerklich unter die Haut, weil es uns an einer Stelle packt, an der wir in unserer Hektik am empfindlichsten sind: bei unserer Zeit. Das Buch zwingt zum Nachdenken, denn mit den üblichen Sprüchen ("Ich habe keine Zeit!") können wir uns dann nicht mehr herausreden. Nach der Lektüre dieses Buches kann ich nicht mehr sicher sein, ob es nicht in Wirklichkeit so ist, dass ich keine Zeit haben WILL!
(Die Rezension wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Dr. phil. Joachim von Hein (info@jvhein.de). Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Christ und Wirtschaft.)
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(von Hein 29.10.2002) |
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